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Seit den 1940-er-Jahren prägte eine berühmte Vergleichsgrafik das Bild der menschlichen Geburt. Sie zeigte: Beim Menschen passt der Kopf des Babys gerade noch durch den Geburtskanal, während bei Schimpansen, Gorillas oder Orang-Utans viel Platz bleibt.
Auf dieser Vorstellung bauten zahlreiche evolutionäre Theorien auf. "Dieser Eindruck könnte jedoch ein Artefakt früherer, auf den Menschen zugeschnittener Messmethoden sein, die die Geburtsherausforderungen bei nicht menschlichen Primaten unterschätzen", schrieben die Forscherinnen und Forscher in der Studie.
Für ihre neue Studie verwendeten sie daher dreidimensionale Scans von Becken sowie artspezifische Messungen der Kopfgröße von Neugeborenen aus insgesamt 29 Primatenarten.
"Unsere Ergebnisse stellen die bisherige anthropozentrische Sichtweise infrage", heißt es in der Studie: Innerhalb der Menschenaffen bleibt der Mensch zwar jene Art, bei der der Kopf des Neugeborenen den Beckeneingang am stärksten ausfüllt. Über alle Primaten hinweg gibt es jedoch mehrere Arten mit einem noch ungünstigeren Verhältnis - darunter Totenkopfaffen, Galagos und Husarenaffen. Bei einigen ist der Kopf des Jungtiers rechnerisch sogar größer als der verfügbare Beckeneingang.
Dass Geburten trotz dieser engen Verhältnisse gelingen, liegt an verschiedenen Anpassungsmechanismen. So haben verschiedene Primatenarten offenbar unterschiedliche Wege gefunden, dasselbe Problem zu lösen: ein möglichst großes Jungtier durch ein begrenztes Becken zu bringen. Bei vielen Affen erleichtert etwa die Gesichtslage des Jungtiers die Geburt, bei anderen Arten erweitern gelockerte Beckenbänder den Geburtskanal vorübergehend.
An der Studie unter Leitung des University College London (GB) war auch eine Forscherin der Universität Zürich beteiligt.
(Fachartikelnummer DOI: 10.1038/s41559-026-03102-5)
ARCHIV - 19.05.2022, Baden-Württemberg, Ulm: In der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikums liegt im Kreißsaal ein neues Kettchen für ein Baby bereit. (zu dpa: «Studie: Geburtenrate in vergangenen zwei Jahren rückläufig») Foto: Stefan Puchner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.






