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Debatte um Rudolf Taschner: Uni Wien sagte Ehrung ab

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Rudolf Taschner ist ein guter Mathematiker
Dem Mathematiker und ÖVP-Wissenschaftssprecher Rudolf Taschner wird von der Uni Wien kein Goldenes Doktordiplom, eine Ehrung von Absolventen 50 Jahre nach der Promotion, verliehen. Wie die "Presse" am Mittwoch berichtete, entschied sich der Senat der Uni gegen die Vergabe. Grund dafür sind Äußerungen zu Evidenz und Wissenschaftsfreiheit, bestätigte Senatsvorsitzender Stefan Krammer auch gegenüber der APA. Die ÖVP reagierte mit Kritik.

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Bedenken sind laut Krammer aufgrund Taschners "Äußerungen in Zusammenhang mit Evidenz, Autonomie und Freiheit der Wissenschaft (insbesondere zum Klimawandel, zu Vergaberichtlinien des FWF, zu Gender und Postcolonial Studies)" vorgebracht worden. "Außer Frage stehen seine besonderen wissenschaftlichen Verdienste im Bereich der Mathematik und seine wichtige Rolle als Wissenschaftsvermittler für die Mathematik in Österreich", so Krammer weiter.

Taschner, Träger des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich (2010) und "Wissenschafter des Jahres" (2004), ist u. a. durch seinen 2017 geschlossenen "math.space" im Wiener Museumsquartier (MQ) bekannt, wo Besucherinnen und Besuchern Mathematik als kulturelle Errungenschaft präsentiert wurde. Er verfasste außerdem allgemein verständliche Sachbücher und schrieb lange eine Kolumne in der Tageszeitung "Die Presse". Seit 2017 ist er Bildungs- bzw. aktuell Wissenschaftssprecher der ÖVP im Nationalrat.

Mit seinen Äußerungen eckte er mehrfach an. So bezeichnete er 2018 in einem Interview den Klimawandel als "Scheinproblem" im Vergleich zu "gravierenderen Problemen wie der Überbevölkerung in Afrika" bzw. in einer Kolumne als "risikoloses", aber "außerordentlich profitables Geschäft" (2015). Zudem schrieb er 2012 in einer "Pädagogisch unkorrekten Notiz" von der Watsche im Kontext der Erziehung als "Gewitter mit dem kurzen, reinigenden Schmerz", der er die viel schlimmere seelische Gewalt gegenüberstellte. Im letzten Jahr fiel er durch eine Parlamentsrede auf, in der er die Förderung eines Forschungsprojekts im Umfeld von Kunst, Gender Studies und Dekolonisation durch den FWF als "verbranntes Geld" bezeichnete.

ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti kritisierte die verwehrte Auszeichnung: "Ideologische Zensur im Wissenschaftsbetrieb ist untragbar", wurde er am Mittwochabend in einer Aussendung zitiert: "Wenn sich Wissenschaft zum Erfüllungsgehilfen von Ideologie macht, verliert sie ihren Wert als objektive und unvoreingenommene Instanz, der sie für unsere Gesellschaft gerade so wichtig macht." Derartige Tendenzen seien höchst bedenklich. Er rief die Uni Wien dazu auf, ihre "ideologischen Scheuklappen" abzulegen. Der Klubobmann der Wiener ÖVP, Harald Zierfuß, reagierte ebenfalls und nannte die Entscheidung einen "Angriff auf die Wissenschaft sowie auf die Meinungsfreiheit".

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