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CAR-T-Zellen machen "eigenes Immunsystem scharf" gegen Krebs

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T-Zellen aus patienteneigenem Blut werden modifiziert
©Afp, APA, GERARD JULIEN
Die CAR-T-Zelltherapie gegen bestimmte Formen von Blutkrebs wird immer besser. Das betrifft unter anderem Patientinnen und Patienten, "wo wir vor ein paar Jahren noch sagen mussten, wir haben keine Therapieoptionen mehr", berichtete die Medizinerin Annkristin Heine im Gespräch mit der APA. "Und jetzt können wir plötzlich sozusagen das eigene Immunsystem scharf stellen." Diese und weitere onkologische Therapien sind noch bis Montag Thema bei einer Tagung von Fachärzten in Wien.

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Die CAR-T-Zelltherapie ist eine Krebsbehandlung mit eigenen Abwehrzellen, den T-Zellen. Sie werden aus dem Blut von den Betroffenen selbst gewonnen und in einem hochspezialisierten Labor gentechnologisch so verändert, dass sie Krebszellen erkennen und angreifen. Mit einer kleinen Infusion erhalten die Patienten die modifizierten T-Zellen zurück. Geeignet sind CAR-T-Zelltherapien für Menschen mit bestimmten Formen von Blutkrebs - vor allem Lymphdrüsenkrebs (sogenannte Lymphome), bei einer Form der Leukämie und beim Multiplen Myelom (Knochenmarkkrebs). In Österreich gibt es nur acht auf die Therapie spezialisierte Spitäler, 2024 wurden hier insgesamt rund 150 solcher Behandlungen durchgeführt.

Kommt ein Patient für die Therapie infrage, wird er zur sogenannten Apherese ins Krankenhaus bestellt. Das sei "vom Ablauf her ein bisschen wie eine Dialyse vorzustellen, wo die Patienten aber eben die körpereigenen T-Zellen entnommen bekommen", schilderte Heine, Leiterin der Klinischen Abteilung für Hämatologie der Med Uni Graz. Die CAR-T-Zellen (Chimeric Antigen Receptor) werden dann in pharmazeutischen Zentren oder teils in einer spezialisierten Klinik selbst hergestellt. Im Labor lernen die Zellen, "wen sie danach eliminieren müssen".

Drei Tage vor dem "Tag null", an dem die T-Zellen zurückgegeben werden, wird der Patient aufgenommen und "bekommt eine milde Chemotherapie, die den Zweck hat, Platz zu schaffen für diese Zellen und das Milieu im Körper so vorzubereiten, dass diese neuen CAR-T-Zellen sich gut vermehren und ausbreiten können." Die Rückgabe der veränderten Zellen über einen Infusionszugang sei für die meisten Patienten "relativ unspektakulär, weil das einfach eine kleine Spritze ist". Der Prozess "Vene zu Vene" - von der Blutentnahme bis zur Rückgabe der CAR-T-Zellen - dauert dabei laut Heine derzeit noch rund drei bis sieben Wochen. Die Firmen werden immer schneller, berichtete sie.

Danach beginnen die CAR-T-Zellen ihre Ziele, den Krebs, zu eliminieren. "Das Besondere ist, dass diese Zellen länger leben im Körper", betonte die Universitätsprofessorin. Sie können sich im Körper ausbreiten und vermehren. Das ist "ein wirklicher Unterschied zu anderen Therapien." Ab dem "Tag null" sind die Patienten meist noch circa zehn Tage stationär aufgenommen. Danach finden regelmäßig ambulante Kontrollen statt.

Die Therapie aktiviert das Immunsystem sehr stark. Das kann Nebenwirkungen wie eine heftige Entzündungsreaktion mit hohem Fieber und Kreislaufproblemen oder vorübergehende Verwirrtheit beziehungsweise Sprachstörungen auslösen, ist aber gut behandelbar. "Trotz der beeindruckenden Behandlungserfolge kann die CAR-T-Zelltherapie neben akuten Nebenwirkungen auch längerfristige Komplikationen verursachen, insbesondere eine erhöhte Infektanfälligkeit und anhaltend niedrige Blutzellzahlen, weshalb eine engmaschige Nachsorge an spezialisierten Zentren besonders wichtig ist", berichtete Heine.

Die Entwicklung der CAR-T-Zelltherapie begann bereits vor Jahrzehnten, der Durchbruch gelang vor etwa 15 Jahren. Jetzt gebe es erste Langzeitdaten von Patienten, die zuvor mit anderen Therapien "schwerst vorbehandelt" waren. "Da sieht man: Nach zehn Jahren liegt das geschätzte lymphomfreie Überleben bei Patienten mit aggressiven B-Zell-Lymphomen bei 32 Prozent", betonte Heine. Auf dieser Basis sei zu sagen, "dass wahrscheinlich ein Teil dieser Patienten mit den hochmalignen Lymphomen langfristig krankheitsfrei, möglicherweise sogar heilbar ist", erläuterte sie, "nicht alle, aber ein gewisser Prozentsatz schon, und das sind für uns Hämatologen und unsere Patienten wirklich ganz tolle Daten."

In Studien werde derzeit erforscht, CAR-T-Zellen als Ersttherapie zu geben, nicht erst wie bisher nach Chemotherapien und einem Rückfall. Ohne vorherige Chemotherapien sind die körpereigenen T-Zellen "noch besser", sagte Heine. Daneben gibt es Ansätze, CAR-T-Zellen "wirksamer und noch sicherer" vor Nebenwirkungen zu machen. CAR-T-Zellen könnten von Spendern kommen oder selbst im Körper ("in vivo") über eine Art Impfung hergestellt werden, bei Letzterem könnte die mRNA-Technologie eine Möglichkeit dafür sein.

Neben Blutkrebserkrankungen könnte die Therapieform in Zukunft auch bei soliden Tumoren sowie bei Autoimmunerkrankungen zum Einsatz kommen. Das sei zwar "alles erst in Studien, aber der Wandel, den wir hier gerade in unserem Fach haben, und der jetzt plötzlich auch auf viele andere Fächer überschwappt, der ist wirklich überaus beeindruckend." In der Krebsmedizin insgesamt "können wir auch immer genauer wissen, wie wir den Patienten individuell behandeln", betonte Heine. "Mit einer Chemotherapie trifft man vor allem sich schnell teilende Zellen, auch gesunde." Die maßgeschneiderte Medizin sei dagegen "eine Riesenchance für die Patienten, dass man so auf sie zugerichtet behandeln kann."

Die Jahrestagung der Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH-Raum) findet noch bis inklusive Montag im Austria Center Vienna statt (ab 9. Oktober). Es ist laut Aussendung des Kongresszentrums die größte Tagung zu Blut- und Krebserkrankungen im deutschsprachigen Raum. Diskutiert wird etwa auch darüber, wie Immun-Kombinationen und zielgerichtete Therapien das Überleben bei Krebs verbessern und wie sowohl präventive als auch therapeutische Impfungen im Kampf gegen verschiedene Krebsarten helfen könnten.

Service: Jahrestagung: https://jahrestagung-haematologie-onkologie.com

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