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Ars-Electronica-Direktor Gerfried Stocker und Festival-Managerin Veronika Liebl präsentierten die Gewinnerprojekte in einer Pressekonferenz am Montag in Linz. Stocker betonte, dass es zu "A Cartography of Genocide" tiefe und gegensätzliche Reaktionen geben dürfe, diesen Widerspruch und diese Spannungen auszuhalten sei Demokratie "im Bewusstsein, Offenheit, Vielfalt aber auch Dissens Platz zu geben". Das Ars Electronica Festival "Future Begins. Negotiating Humanity" (Zukunft beginnt. Menschlichkeit verhandeln) von 9. bis 13. September in Linz sei der richtige Ort dafür. Wie auch Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) und Stadträtin Doris Lang-Mayerhofer (ÖVP) sprach er sich entschieden gegen Antisemitismus, Rassismus und Faschismus aus.
"Das Projekt thematisiert einen der stärkst polarisierenden Konflikte unserer Zeit, die Reaktion Israels auf den Überfall der Hamas regt auf, ruft Kritiker und Befürworter auf den Plan. Als Bürgermeister stehe ich hinter der unabhängigen Jury", betonte Prammer. "Menschliche Würde ist unser höchstes Gut, 'Negotiating Humanity', wir verhandeln unsere Menschheit, aber auch unsere Menschlichkeit, nicht nur Kriege, aber auch KI und humanoide Robotik, da bin ich wieder bei 'Future Begins'", umriss Lang-Mayerhofer das Festivalthema.
Liebl stellte die unabhängigen Jurys der vier heuer bespielten Kategorien des Prix - New Animation Art, Digital Humanity, Interactive Art+ und U19 - vor. Insgesamt wurden 4.329 Arbeiten aus 106 Ländern eingereicht. In New Animation Art (1.144 Einreichungen) gewann "Deer Hunter" des US-Amerikaners Andrew Herzog. Herzog nutzt in dem 30-minütigen Film dokumentarisches Archivmaterial und KI-generiertes "um eine hochkomplexe, sensible Geschichte zu erzählen"; die seiner aus Italien in die USA ausgewanderten Familie im Kontext von Männlichkeit, Migration und dem Vergleich von Mussolinis Faschismus mit heutigen Bewegungen in den USA, so Stocker.
"Shared Histories" siegte in der Kategorie Digital Humanity (754 Einreichungen), vergeben in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten. Das schwedisch-sambische SummitShare-and-Shared-Histories-Team verbindet in der Arbeit sambische Kulturgüter in schwedischen Sammlungen wieder mit dem historischen, kulturellen und mündlich überlieferten Wissen aus ihrer Heimat und macht sie digital zugänglich, so Liebl. Die Restitutionsdiskussion bleibe freilich ungelöst.
Die britische Forschungsplattform Forensic Architecture holte sich die Goldene Nica in der Kategorie Interactive Art+. "Sie machen Muster in den Vergehen des israelischen Militärs sichtbar", erklärte Stocker, dazu nutzt das Kollektiv Satellitenbilder, Regierungsdokumente, Bilder aus sozialen Medien, aus Nachrichten. "Es ist vermessen zu glauben, dass der Gazakrieg nicht unser wichtigstes internationales Festival erreichen würde", sagte Prammer. Forensic Architecture bekam bereits 2024 einen der Right Livelihood Awards, einen alternativen Nobelpreis, für ihre Arbeit zur Rekonstruktion von Menschenrechtsverbrechen.
Im Jugendwettbewerb U19-create your world (674 Einreichungen) ging der Hauptpreis an "Reverse Rendering" von Jannis Berner (AT). Er experimentiert anhand des Bildes von einem Schulsessel mit verschiedenen Ebenen und Oberflächen, übersetzt digitale Logik in analoge Wahrnehmung, erklärte Liebl.
"Wenn der Prix ein Trendbarometer der Gesellschaft ist, dann ist das Festival heuer mit Sicherheit das Brennglas", sagte Stocker. Der eigentliche Krieg und Terror, das Leid der Bevölkerung sei ein paar Tausend Kilometer entfernt, aber der Konflikt, wie wir darüber sprechen, wie wir damit umgehen, sei mitten in unserer Gesellschaft. "Wann wird aus legitimem Widerstand gegen die Unterdrückung inakzeptabler Terror, und wann überschreitet ein Krieg die Schwelle zu einem potenziellen Genozid, und wann überschreitet die Kritik an diesem Krieg die Schwelle zu potenziellem Antisemitismus? Die schiere Wucht dieser Fragestellung ist enorm und kaum auszuhalten und vor allem die Begriffe, die damit in den Raum gestellt werden." "Wir brauchen alle Instrumente der Gesellschaft um damit umzugehen, auch die Kunst", schlussfolgerte Stocker. Die Frage des Festivals sei nicht, wer Recht habe, sondern wie man angesichts der enormen Sprengkraft solcher Konflikte eine Gesprächsbasis erhalten könne. Das sei Aufgabe der Ausstellungen, im Lentos sind die Prix-Siegerarbeiten und jene aus dem StartsPrize zu sehen.
Liebl stellte kurz die Themen des viertägigen Symposium vor, von Konfliktfähigkeit, Kultur im digitalen Raum, Desinformation, Qualitätsjournalismus, Einbindung der Zivilgesellschaft über die digitalen Infrastrukturen in Europa, über KI zur Förderung von Sozialem Impact zu einem ganzen Tag, der sich mit Wasser als knapper werdende Ressource, mit dem Recht auf Wasser beschäftigt. Eine Konferenz gibt es zu "Antisemitismus im digitalen Zeitalter", so Stocker. Das Thema Konfliktkultur und Demokratie wird auf dem Hauptplatz in einem Pavillon etabliert mit Kunstuni, JKU und Attac Österreich, wo alle mitdiskutieren können.
Als Programmhighlight kündigte Liebl bereits die Große Konzertnacht "The Day Before" von Brigitte Muntendorf und Christiane Jatahy als Musikerlebnis zwischen Theater, Chor und digitalem Bild an, weitere Punkte sollen in den kommenden Wochen und Monaten bekanntgegeben werden.
(S E R V I C E - http://ars.electronica.art )
LINZ - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Julian Lee/Forensic Architecture/Julian Lee/Forensic Architecture






