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Adipositas als Krankheit der Armen

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Entscheidend sind offenbar soziale Umstände
©APA, dpa, Franziska Kraufmann
Die weltweite Adipositas-Welle ist zu einem Gutteil auch auf soziale Bedingungen zurückzuführen. In Großbritannien schwankt die Häufigkeit eines Body-Mass-Index (BMI) von über 30 (Adipositas) je nach Rahmenbedingungen zwischen 4,3 Prozent und 66,1 Prozent, hat eine englische Studie mit Daten von 55 Millionen Briten ergeben, an der auch Innsbrucker Statistiker mitgearbeitet haben.

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"Adipositas zählt zu den größten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit im 21. Jahrhundert. Erkenntnisse darüber, wie sich (soziale) Ungleichheiten auf die Belastung durch Adipositas auswirken, sind rar, insbesondere seit der Covid-19-Pandemie", schrieben jetzt Robert Fletcher von der British Heart Foundation und seine Co-Autoren, unter ihnen Patrick Rockenschaub vom Institut für Klinische Epidemiologie der MedUni Innsbruck, in "Lancet Diabetes & Endocrinology" (doi: 10.1016/S2213-8587(26)00120-8).

Die Wissenschafter analysierten deshalb die Lebensverlaufsdaten der gesamten Bevölkerung Englands (18 bis 99 Jahre). Sie sind in den Registern des staatlichen National Health Service (NHS) gespeichert. Für den Zeitraum von November 2019 bis Ende April 2025 wurden die Trends nach Alter, Geschlecht, sozioökonomischem Status, ethnischer Zugehörigkeit und Wohnort erhoben. Man kam auf 54,892.390 Personen.

Insgesamt wurde eine neue Adipositas-Diagnose mit dem Erreichen eines BMI von 30 oder mehr bei 4,131.555 Personen gestellt. Davon waren 2.278.485 (55,1 Prozent) Frauen und 1.853.070 (44,9 Prozent) Männer. Im Mittel erfolgte die Diagnose mit 43 Jahren. Die Häufigkeit stieg allein in den etwas mehr als fünf Jahren um vier Prozent. "Bis 2025 erreichte die Gesamthäufigkeit von Adipositas 30,3 Prozent, gegenüber 26,3 Prozent zu Beginn der Studie", stellten die Autoren der Untersuchung fest.

Am größten war die Zunahme von Adipositas bei jüngeren Erwachsenen. "Die stärksten Anstiege im Zeitverlauf traten bei den 20- bis 29-Jährigen (plus 16 Prozent) und den 30- bis 39-Jährigen (plus 19 Prozent) auf", schrieben die Wissenschafter.

Entscheidend sind offenbar soziale Umstände. "Die Adipositas-Häufigkeit war im sozioökonomisch am stärksten benachteiligten Fünftel der Bevölkerung um 35 Prozent höher als im am wenigsten benachteiligten Fünftel", ergab sich aus den Analysen.

Der Anteil der Adipösen variierte erheblich nach Alter, Geschlecht, sozioökonomischem Status und ethnischer Zugehörigkeit. "Er reichte von 4,3 Prozent bei den sozioökonomisch am wenigsten benachteiligten weißen Männern im Alter von 18 bis 19 Jahren bis zu 66,1 Prozent bei den am stärksten benachteiligten schwarzen Frauen im Alter von 60 bis 69 Jahren, was fast doppelt so hoch war wie bei den am wenigsten benachteiligten weißen Frauen derselben Altersgruppe (60 bis 69 Jahre; 34,5 Prozent)", heißt es in der "Lancet"-Publikation.

Geografisch schwankte der Anteil der Adipösen zwischen den einzelnen betrachteten Regionen Englands zwischen 8,5 Prozent und 48,1 Prozent – also um das Sechsfache. Wiederum waren die ärmsten Regionen am stärksten betroffen.

Das Fazit der Epidemiologen: Fast jeder dritte Erwachsene in England ist adipös, wobei benachteiligte Gruppen überproportional stark betroffen sind und sich die Ungleichheiten seit der Covid-19-Pandemie verschärft haben. Steigende Raten bei Frauen im gebärfähigen Alter bergen das Risiko, generationenübergreifende Zyklen gesundheitlicher Ungleichheit zu verfestigen. Das Zusammenspiel sozioökonomischer Faktoren unterstreicht, dass Adipositas vermeidbar ist und dass Ungleichheiten in Präventionsmaßnahmen berücksichtigt werden müssen."

"Deutschland, Nachhaltigkeitsentwicklungsland?" vom 07.06.2017) Foto: Franziska Kraufmann/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

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