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"Die Studie ergab, dass GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RAs) wie Semaglutide (Ozempic, Wegovy) und Tirzepatide (Mounjaro, Zepbound) zur Gewichtskontrolle bei Adipösen ohne Diabetes mit einer 41-prozentigen Verringerung des Risikos verbunden waren, an Krebs zu erkranken - dies im Vergleich zu (adipösen) Patienten, die ihr Gewicht mit Diät und Bewegungsprogrammen unter Kontrolle bringen wollten", hieß es in einer Aussendung zur Veröffentlichung der wissenschaftlichen Untersuchung mit Aparna Kamat (Abteilung für Gynäkologische Onkologie am Houston Methodist Hospital in Houston/US-Bundesstaat Texas) als Hauptautorin. Es handle sich um die erste Studie, welche einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten und dem Auftreten von Krebsarten analysiert habe, die mit Adipositas in Verbindung stünden.
Dass Menschen mit Übergewicht und speziell mit Fettsucht (Adipositas mit einem BMI von mehr als 30) häufiger an bestimmten Krebsformen erkranken, ist seit Langem bekannt. In der neuen wissenschaftlichen Studie wurden als Marker Brust-, Dickdarm-, Endometrium-, Nieren-, Bauchspeicheldrüsen- sowie Schilddrüsenkrebs verwendet. Hinzu kamen Eierstockkrebs, Speiseröhren-, Magen-, Leber- und Blasenkarzinome, daneben schließlich noch das Multiple Myelom und Hirntumore (Meningiom).
Die epidemiologische Untersuchung baute auf Daten aus einer US-Datenbank mit Informationen von 113 Millionen Patienten auf, aus denen rund 230.000 Personen mit Adipositas ohne Diabetes herausgefiltert wurden. Nach Ausgleich für verschiedene potenziell das Ergebnis beeinflussende Faktoren blieben zwei Gruppen übrig: je 80.899 Probanden, die entweder zur Gewichtsreduktion (auch) eine der Abnehmspritzen verwendeten oder allein auf Diät und Bewegungsprogramme setzten. Das mittlere Alter der Probanden betrug 47 Jahre, der anfängliche Body Mass Index (BMI) lag bei um die 40 Prozent der Patienten zwischen 30 und 39, durfte aber nicht über 50 betragen. Die Beobachtungszeit dauerte rund zwei Jahre.
Die Ergebnisse deuten auf einen Zusammenhang zwischen der Verwendung der Abnehmspritzen und der Häufigkeit des Auftretens von bestimmten Krebsarten hin: Insgesamt kam es in der Gruppe der mit den Rezeptoragonisten Behandelten zu um 41 Prozent weniger Krebserkrankungen (434 diagnostizierte neue Fälle zu 732 in der Kontrollgruppe). Bei Männern war der Effekt mit minus 68 Prozent größer als bei Frauen (minus 35 Prozent). Unter der Verwendung von Semaglutide betrug die Verringerung der Krebshäufigkeit 20 Prozent, mit Tirzepatide hingegen 69 Prozent.
Unter den verschiedenen Krebsarten gab es den größten Unterschied mit minus 63 Prozent unter Verwendung der Abnehmspritzen beim Multiplen Myelom, dann folgte Bauchspeicheldrüsenkrebs mit minus 60 Prozent. Endometriumkrebs trat bei Frauen um 60 Prozent seltener (Eierstockkrebs: minus 26 Prozent und Brustkrebs minus 17 Prozent) auf. Für beide Geschlechter kam es zu um 51 Prozent weniger Fällen von Dickdarmkarzinomen. Auch bei Schilddrüsen- und Nierenkrebs sank die Häufigkeit (minus 38 Prozent bzw. minus 28 Prozent).
Die Autoren stellen in der Studie aber auch fest, dass zu den Ergebnissen zahlreiche Einschränkungen zu machen sind. So sei nicht beurteilt worden, wie stark die Beteiligung an den Diät- und Bewegungsprogrammen in der Kontrollgruppe gewesen sei. Auch ein ursächlicher Zusammenhang lässt sich mit solchen Assoziationsstudien mit Datenrückschau nicht beweisen.
"Unsere Ergebnisse beweisen keinen Kausalzusammenhang. Die Reduktion des Krebsrisikos sollte noch kein alleiniger Grund für die Verschreibung von GLP-1-Rezeptorantagonisten sein. Aber für adipöse, nicht-diabetische Patienten, die ohnehin für diese Medikamente infrage kommen, liefern unsere Daten jedoch einen zusätzlichen und potenziell wichtigen Grund für das Gespräch darüber", sagte Kamat. "Für politische Entscheidungsträger und andere Forscher ist unsere Studie aber ein klares Signal dafür, dass diese Medikamente als Mittel zur Krebsprävention ernsthaft untersucht werden sollten, insbesondere da fettleibigkeitsbedingte Krebserkrankungen zunehmend Erwachsene in ihren 40er- und 50er-Jahren betreffen."
Ein Frau hält am Dienstag (11.11.2008) in Osnabrück eine Gabel mit einem Maßband in der Hand (Illustration zum Thema Übergewicht). Für die Betroffenen sind zusätzliche Pfunde weit mehr als ein kosmetisches Problem. Mit der schweren Last steigt die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck, Gelenkarthrosen und bestimmten Krebsleiden zu erkranken. Foto: Friso Gentsch dpa/lnw (zu dpa/lni-KORR.: "Extremes Übergewicht - Wenn OP der letzte Ausweg ist" vom 12.11.2008) +++(c) dpa - Bildfunk+++






