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Geboren wurde Semotan am 25. Juli 1941 in Wels. Doch die oberösterreichische Einschicht wurde zunächst gegen Wien und eine Ausbildung an der Modeschule Hetzendorf getauscht, bevor Semotan in den 1960ern in das pulsierende Leben von Paris eintauchte. Dort war sie selbst sieben Jahre lang als Model tätig.
Dabei lag die Arbeit vor der Kamera der Fotografin nicht am Herzen, wie sie einmal in einem APA-Interview unterstrich: "Ich stehe nicht sehr gerne vor der Kamera. Das ist immer eine Überwindung für mich." Und so zog das Model Semotan alsbald die Konsequenzen und mutierte zur Fotografin Semotan. Bald nach ihrem Berufswechsel konnte sie bereits für renommierte Zeitschriften wie "Vogue", "Elle" oder den "New Yorker" arbeiten und lichtete Superstars ihrer Zeit ab.
Die Liste ist dabei lang: Hollywoodstars wie Marion Cotillard, Colin Farrell, Brad Pitt oder Willem Dafoe kamen ihr ebenso vor die Linse wie Supermodels vom Kaliber einer Naomi Campbell. Aber auch heimische Künstler setzte sie in Szene, gelangen ihr doch sehr persönliche Porträts von Elfriede Jelinek, Stefan Sagmeister oder Maria Lassnig. Dass sie auch mit zwei ebenso berühmten Männern verheiratet war - Kurt Kocherscheidt und Martin Kippenberger - hat Semotan nie verheimlicht. "Aber ich will nicht immer über die Männer definiert werden", machte sie deutlich.
Einer breiten Öffentlichkeit wurde Semotan selbst allerdings nicht durch ihre Mode- und Kunstfotografie ein Begriff, sondern durch jene Aufträge, die sie für die Werbebranche annahm. In Österreich legendär sind etwa ihre Sujets für die Palmers- und die Römerquelle-Kampagnen. Die von ihr intendierte Unterwanderung des Systems habe hier allerdings nicht funktioniert, unterstrich Semotan vor einigen Jahren im APA-Gespräch: "Ich habe mir gedacht, man könnte die ganze Werbelandschaft schöner und intelligenter machen. Aber die Arbeiten, die ich gemacht habe, wurden mit der Zeit wieder aufgegriffen von der Branche und vereinnahmt."
Eine besondere Freundschaft verband sie mit Modeschöpfer Helmut Lang, womit man beim Brückenschlag zur Fotogalerie WestLicht wäre: Diese wurde 2001 in Wien mit Werken aus der Zusammenarbeit der beiden eröffnet. 2004 erhielt sie das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien, 2011 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. 2016 veröffentlichte die Künstlerin unter dem Titel "Eine andere Art von Schönheit" ihre Autobiografie. 2024 erhielt sie den Großen Landespreis für Kultur des Landes Oberösterreich in der Sparte Fotografie.
In den vergangenen Jahren wurde Semotan neben Einzelausstellungen in heimischen Häusern - etwa die Retrospektive "Haltung und Pose" im Kunst Haus Wien 2021 - durch den Dokumentarfilm "Elfie Semotan. Photographer" von Joerg Burger 2019 auch ein filmisches Denkmal gesetzt. Anlässlich des anstehenden 25-jährigen Bestehens des Wiener Museumsquartiers schuf sie eine Fotostrecke, in der sie unterschiedliche Persönlichkeiten porträtierte.
Mit all ihrer Erfahrung hatte die Umtriebige im APA-Interview anlässlich ihres 80. Geburtstags auch eine Antwort auf die Frage aller Fragen für Mitglieder ihrer Zunft gefunden: "Großartig wird ein Bild, wenn das Handwerkliche zusammenfällt mit etwas Undefinierbarem. [...] Das Handwerkliche macht nicht das beste Foto. Wenn es ganz exzessiv ist, kann es sogar alles Leben zerstören. Dann hat man eine perfekte Arbeit, die nicht mehr interessant ist."
Politik und Kunsteinrichtungen reagierten tief betroffen und bestürzt. Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) betonte: "Mit Elfie Semotan verliert Österreich eine der bedeutendsten Fotografinnen unserer Zeit." Ihre ikonischen Porträts, Modefotografien und künstlerischen Arbeiten prägten die internationale Fotoszene, sagte der Vizekanzler am Samstagabend im Onlinenetzwerk X. "Ihr unverwechselbarer Blick bleibt unvergessen." Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) betonte: "Ihr Tod ist ein unersetzlicher Verlust für die österreichische Kultur und das Kulturland Burgenland." Das Burgenland werde Elfie Semotan ein ehrendes Andenken bewahren, so Doskozil in einer Aussendung. Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) erklärte: "Mit Elfie Semotan verliert Oberösterreich eine außergewöhnliche Künstlerin und eine große Persönlichkeit." Sie habe mit ihren Fotografien neue Maßstäbe gesetzt und die internationale Foto- und Werbewelt nachhaltig geprägt. "Trotz ihrer internationalen Karriere hat sie ihre oberösterreichischen Wurzeln nie vergessen."
"Mit Elfie Semotan verliert Österreich eine seiner bedeutendsten Fotografinnen. Über Jahrzehnte hat sie mit ihrer unverwechselbaren Bildsprache die österreichische und internationale Mode-, Porträt- und Kunstfotografie geprägt und dabei Generationen von Fotograf*innen inspiriert", würdigte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) die Verstorbene. "Ihre Fotografien verbanden Eleganz mit Menschlichkeit, Präzision mit Empathie. Sie verstand es wie kaum jemand, hinter die Oberfläche zu blicken und die Würde, Individualität und Schönheit ihrer Motive sichtbar zu machen", hieß es in einer Aussendung. "Elfie Semotan hat die österreichische Fotografie international sichtbar gemacht und ihr zugleich eine unverwechselbare künstlerische Handschrift verliehen", ergänzte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler.
Das Museumsquartier Wien gab bekannt, um Elfie Semotan zu trauern. Sie habe die österreichische Fotografie über Jahrzehnte geprägt und mit ihrem unverwechselbaren Blick Menschen porträtiert. "Ihre letzte große Arbeit für die MQ Jubiläumskampagne '25 Porträts der Generation MQ' bleibt ein eindrucksvolles Zeugnis ihres Schaffens - und sie trat dabei selbst ein seltenes Mal vor die Kamera." Auch WestLicht reagierte bestürzt über das plötzliche Ableben der außergewöhnlichen Fotografin. "Ihr Werk ist aus der Geschichte der österreichischen Fotografie nicht wegzudenken und wird auch künftige Generationen inspirieren", schrieb die Wiener Fotogalerie auf Facebook. Das MAK trauert und schrieb, dass Semotan für das MAK eine zentrale künstlerische Stimme gewesen sei: "Eine Fotografin, die Mode, Kunst und angewandte Gestaltung mit seltenem Feingefühl verband. Ihre Arbeiten prägten über Jahrzehnte das visuelle Verständnis von Mode, Werbung und künstlerischer Fotografie." Die Kunsthalle Krems trauert ebenfalls um Semotan. Die "große Künstlerfotografin" sei "der Kunsthalle Krems stets eng verbunden" gewesen.
(S E R V I C E - www.semotan.com)






