Nicht nur, dass die sozialdemokratische Vorzeigestadt selbst in Nöten steckt und Sozialleistungen kürzt. Auch die Bundesregierung sieht sich unter Beteiligung der SPÖ zu Einschnitten gezwungen.
In Wien Akzente zu setzen, ist für die österreichische Sozialdemokratie von größter Bedeutung: Hier ist sie zumindest auf kommunaler Ebene bestimmend, hier kann sie so viele Stimmen gewinnen wie sonst nirgends.
Umso schmerzlicher ist es für sie, dass die Stadt unter Führung von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in budgetären Nöten steckt und auch bei Sozialleistungen wie der Mindestsicherung spart, die ihr bisher so wichtig waren.
Kein Maß für Linke
Natürlich: Für Menschen, die zu kämpfen haben, wird noch immer mehr getan als in den meisten übrigen Bundesländern. Das ist jedoch kein Maß für Linke, die daher mit zunehmender Enttäuschung feststellen, dass Wien einmal wirklich anders gewesen sei – es demnach also nur noch bedingt ist.
Der Schuldenstand der Stadt hat sich in wenigen Jahren verdoppelt und ist auf mehr als 14 Milliarden Euro gestiegen. Pro Kopf ist er inklusive Gemeinden zwar noch niedriger als in Kärnten etwa, in der Tendenz aber stärker steigend.
Blau-schwarze Mehrheit am Horizont
Dass auf Bundesebene eigene Leute mitregieren und mit Markus Marterbauer ein Genosse sogar Finanzminister ist, bringt immer weniger: Auch sie planen schmerzliche Einschnitte, die gerade auch für Wien ein Problem darstellen würden. Zum Beispiel bei den Universitäten.
Außerdem ist diese Regierungsbeteiligung nicht unbefristet. Infolge von Nationalratswahlen kann es jederzeit vorbei sein damit, zumal eine blau-schwarze Mehrheit wahrscheinlich ist.
Finanziell viel zu holen
Für das rote Wien wäre eine rechtspopulistische Regierung, die es nicht gut meint mit ihr, bedrohlich: Kürzungen in Bereichen wie den Hochschulen könnten dann noch viel größer ausfallen, gerade weil sie in der Bundeshauptstadt mit Zehntausenden Lehrenden und Studierenden so zahlreich sind. Abgesehen davon fließen die meisten Einnahmen der Stadt über den Bund. Wer dort das Sagen hat, kann ihr daher noch viel mehr Schwierigkeiten machen, als sie ohnehin schon hat.
In der SPÖ fühlt man sich in diesem Zusammenhang an das erinnert, was in einem der berüchtigten Chats aus dem Umfeld von Ex-ÖVP-Chef Sebastian Kurz im Jahr 2017 gestanden ist: In sozialdemokratischen Hochburgen sei finanziell „viel zu holen“. Es gilt dort bis heute als Warnung.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 22/2026 erschienen.







