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USA und Iran: Die Geschichte einer komplizierten Beziehung

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Ein antiamerikanisches Graffiti in Teheran

Von der Islamischen Revolution bis zu den Atomstreitgesprächen: Die beiden Staaten sind seit über 45 Jahren verfeindet.

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Geisel-Krise, "Achse des Bösen", Atomabkommen: Das Verhältnis zwischen dem Iran und seinem erklärten Erzfeind USA ist seit mehr als 45 Jahren auf dem Tiefpunkt. Seit 1980 unterhalten Washington und Teheran keine direkten diplomatischen Beziehungen mehr.

Inmitten der jüngsten Spannungen infolge der brutalen Niederschlagung der Anti-Regimeproteste im Iran treffen sich Vertreter beider Seiten nun zu Gesprächen im Oman. Eine Chronologie des seit Jahrzehnten andauernden Konflikts:

1979: Revolution und Massen-Geiselnahme

Nach monatelangen Protesten verlässt der von den USA gestützte Schah Mohammad Reza Pahlavi im Jänner den Iran. Revolutionsführer Ayatollah Khomeini kehrt aus dem Exil in Paris nach Teheran zurück. Am 1. April wird die Islamische Republik ausgerufen.

Am 4. November 1979 besetzen radikale Studenten die US-Botschaft in Teheran und bringen 52 Diplomaten und Botschaftsmitarbeiter in ihre Gewalt. Mit der Geiselnahme fordern sie die Auslieferung des früheren Schahs aus den USA. Im April 1980 bricht Washington seine Beziehungen zum Iran ab und verhängt Handels- und Reisesanktionen. Erst nach 444 Tagen werden im Januar 1981 die letzten Geiseln freigelassen.

2002: "Achse des Bösen" nach 9/11

US-Präsident Bill Clinton verhängt am 30. April 1995 ein vollständiges Handels- und Investitionsverbot gegen den Iran. Er wirft der Führung in Teheran vor, nach Atomwaffen zu streben und den Terrorismus zu unterstützen.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington setzt US-Präsident George W. Bush im Jänner 2002 den Iran auf die Liste der von ihm als "Achse des Bösen" bezeichneten Länder wie Irak und Nordkorea, die er beschuldigt, den Terrorismus zu unterstützen.

2018: USA kündigen Wiener Atomabkommen auf

Anfang der 2000er Jahre lösen Enthüllungen über nicht deklarierte Atomanlagen im Iran Befürchtungen aus, Teheran strebe nach Atomwaffen – was Teheran bis heute bestreitet. Deutschland, Frankreich und Großbritannien sowie die USA, Russland und China schließen 2015 ein Abkommen mit dem Iran, um das Land am Bau der Atombombe zu hindern.

Die USA steigen 2018 während der ersten Amtszeit von Präsident Donald Trump einseitig aus dem Abkommen aus und verhängen erneut Sanktionen gegen den Iran. Ein Jahr später zieht sich Teheran schrittweise von seinen in dem Abkommen festgehaltenen Verpflichtungen zurück und fährt die Anreicherung von Uran hoch. Nach Einschätzung Internationalen Atomenergie-Agentur (IAEA) ist der Iran das einzige Land ohne eigene Atomwaffen, das Uran auf 60 Prozent anreichert. Für Waffen sind nicht weit davon entfernte 90 Prozent nötig.

2020: US-Militär tötet hochrangigen Elite-General

Trump ordnet die Tötung des mächtigen iranischen Generals Qassem Soleimani an. Der Kommandant der den Revolutionsgarden unterstehenden Al-Quds-Brigaden wird am 3. Jänner 2020 bei einem US-Drohnenangriff in der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet. Washington hatte Soleimani seit 2005 als Terroristen eingestuft, im April 2019 stuften die USA die Iranischen Revolutionsgarden, der zweiten, mächtigen Säule der Streitkräfte, insgesamt als Terrororganisation ein. Der Iran reagiert auf die Tötung von Soleimani mit Raketenangriffen auf US-Stützpunkte im Irak.

2025: USA bombardieren Atomanlagen

Die USA greifen in den zwölftägigen Krieg zwischen seinem Verbündeten Israel und dem Iran ein und bombardieren am 21. Juni drei wichtige iranische Atomanlagen. Trump zufolge wurden die Anlagen Fordo, Natanz und Isfahan vollständig zerstört, der wirkliche Umfang der Schäden ist aber nicht klar.

2026: USA entsenden Flugzeugträger in die Nahost-Golf-Region

Nach der gewaltsamen Niederschlagung der jüngsten Protestwelle im Iran mit tausenden getöteten Demonstranten erhöht Trump den Druck auf Teheran massiv. Er droht mit einer Militärintervention und schickt unter anderem den Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" in den Persischen Golf. Washington fordert zudem von Teheran ein Abkommen über das iranische Atomprogramm.

Seit Freitag laufen im Oman neue Gespräche zwischen den USA und dem Iran. Teheran besteht darauf, dass sich die Gespräche auf die Atomfrage und die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran beschränken. Die USA und Israel drängen dagegen auch auf die Einstellung von Irans Raketenprogramm.

Der Iran wird von westlichen Regierungen beschuldigt, sowohl Drohnen als auch ballistische Raketen an Russland zu liefern, um sie im Krieg gegen die Ukraine einzusetzen. Zudem unterstützt der Iran finanziell wie militärisch mit ihm verbündete Milizen in Nahost, darunter die Hisbollah-Miliz im Libanon, die militant-islamistische Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen und die Houthi im Jemen.

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