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US-Demokraten hoffen auf Wahlsieg und politische Kehrtwende

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El-Sayed hat sich den Zorn seiner Parteikollegin Stevens zugezogen
©Getty Images North America, APA, SPENCER PLATT
Bei den US-Kongresswahlen wollen die oppositionellen Demokraten den Republikanern von Präsident Donald Trump am Dienstag die Mehrheiten in den zwei Parlamentskammern entreißen, werden aber kurz davor von offenem Streit erschüttert. Im Staat Michigan stellte sich die demokratische Abgeordnete Haley Stevens überraschend hinter den republikanischen Senatskandidaten Mike Rogers und gegen ihren Parteikollegen Abdul El-Sayed, dem sie in der parteiinternen Vorwahl unterlag.

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Die Demokraten reagierten entsetzt und wütend, zumal das Rennen um die Senatssitze in Michigan entscheidend sein könnte beim Versuch, die Mehrheit in der Kongresskammer zu erringen. Die frühere Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, und der derzeitige demokratische Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, warfen Stevens "Verrat" vor. New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani - wie El-Sayed ein Vertreter des linken Parteiflügels der Demokraten - warf Stevens vor, die Arbeiterschicht "verraten" zu haben. Die Demokraten in Michigan verkündeten den Rauswurf der Abgeordneten aus der Partei.

US-Präsident Trump frohlockte hingegen: "Wow, das ist groß!", schrieb er am Sonntag auf seiner Onlineplattform Truth Social. Stevens habe ausgesprochen, was nur wenige zu sagen bereit seien, und habe damit "Mut" und "Loyalität" gegenüber den Bürgern von Michigan gezeigt. Bei einem Wahlkampfauftritt in Iowa sprach er eine Einladung an Stevens aus, sich seiner Partei anzuschließen. In der Vergangenheit hatte Trump sich noch kritisch über sie geäußert. Den aufstrebenden Linkspolitiker El-Sayed, der als erster Muslim der Geschichte in den US-Senat einziehen könnte, beschimpfte Trump wiederholt als "Jihadist".

Stevens war El-Sayed im August in einer erbittert umkämpften Vorwahl unterlegen. Die Beziehungen zwischen den beiden Demokraten verschlechterten sich zuletzt zunehmend, unter anderem wegen El-Sayeds Israel-kritischer Haltung. Am Sonntag warf Stevens dem 42-Jährigen vor, er wolle sie nicht im Wahlkampf an seiner Seite haben. Sie bezichtigte El-Sayed gar der Verbreitung von "Hass". "Ich spreche Mike Rogers meine Unterstützung für den US-Senat aus", sagte die Abgeordnete in einem Onlinevideo.

In einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN hatte Stevens allerdings große Schwierigkeiten, ihren Seitenwechsel zu begründen. "Ich bin heute in der Früh aufgewacht, klarsichtig, frisch und fokussiert auf das, was in meinem Herzen ist", sagte sie. Stevens bezeichnete sich zudem als "wirklich stolze Demokratin", die ihrer Partei helfen wolle.

Stevens vertritt seit 2019 einen Wahlkreis des Bundesstaates im Repräsentantenhaus, sie kandidiert nun nicht erneut. Welche Auswirkung Stevens' Seitenwechsel auf die Wahl in Michigan haben wird, war zunächst unklar. In Umfragen hatte El-Sayed zuletzt vor Rogers gelegen. El-Sayed zeigte sich vor Journalisten unbeeindruckt von dem ungewöhnlichen Schulterschluss zwischen Stevens und Rogers: "Am Ende des Tages denke ich eigentlich gar nicht an Haley Stevens", sagte er.

Die Demokraten hoffen, Trumps Republikanern bei den Kongresszwischenwahlen - den sogenannten Midterms - die Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus entreißen zu können. Während eine künftige Mehrheit für die Demokraten im Repräsentantenhaus als nahezu sicher gilt, dürfte das Rennen um den Senat sehr eng werden. Im Oberhaus stehen 35 der insgesamt 100 Sitze zur Wahl. Derzeit stellen die Republikaner 53 Senatoren und die Demokraten 47.

Von der "New York Times" veröffentlichte neue Umfragen zeigen, dass die Demokraten bei fast allen der sieben besonders umkämpften Senatssitze leicht vorn liegen. Dabei geht es um die Staaten Alaska, Kansas, Maine, Michigan, Ohio und Texas; in Iowa liegen die Kandidaten nahezu gleichauf.

Bemerkenswert ist, dass die Demokraten selbst in Republikaner-Hochburgen wie Texas und Kansas gute Chancen auf einen Sieg haben. Gründe sind die Unzufriedenheit vieler Wähler über gestiegene Lebenshaltungskosten und den Iran-Krieg - und die damit verbundenen historisch schlechten Zustimmungswerte für Präsident Trump.

Dieser zeigte sich kurz vor der Wahl dennoch siegesgewiss. "Wir werden gewinnen", sagte Trump am Sonntag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa. Die Demokraten seien "extreme und gefährliche Radikale". Sie würden den Wohlstand der Bürger "stehlen" und Migranten ins Land lassen, die dann "plündern, vergewaltigen und brandschatzen" würden.

Trump konnte seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Jänner 2025 mit einer republikanischen Mehrheit in beiden Kongresskammern regieren. Selbst wenn die Demokraten nur die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewinnen, könnten sie künftig wichtige Vorhaben des Präsidenten stoppen und über das Budget mitentscheiden. Die Oppositionspartei würde außerdem den Vorsitz über wichtige Ausschüsse übernehmen und könnte Untersuchungen zu Korruptionsvorwürfen gegen die Trump-Regierung und die früheren Verbindungen des Präsidenten zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein einleiten.

Allerdings hat Trump schon in den vergangenen beiden Jahren versucht, am Kongress - und an den Gerichten - vorbei zu regieren und dabei die Macht der Exekutive auszubauen. Zudem könnte er Gesetzesvorhaben der Demokraten mit seinem Veto blockieren.

DETROIT, MICHIGAN - NOVEMBER 01: Michigan Democratic Senate candidate Dr. Abdul El-Sayed speaks to supporters at a "Knock Out The Vote Tour" rally on November 01, 2026 in Detroit, Michigan. El-Sayed is running against GOP candidate Mike Rogers for the open U.S. Senate seat. Spencer Platt/Getty Images/AFP (Photo by SPENCER PLATT / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP)

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