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Tageszentren für Demenzerkrankte: Wirksam, aber ausbaufähig

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Diakonie unterstreicht Rolle für Betroffene und Angehörige
©Afp, APA, ED JONES
Die noch sehr ausbaufähige Rolle der Tageszentren für die Betreuung Demenzerkrankter hat die Diakonie anlässlich des Weltalzheimertags am Montag ins Zentrum einer Pressekonferenz in Wien gestellt. Aus Sicht der Diakonie-Präsidentin Maria Katharina Moser sind solche Zentren eine Antwort auf die weit verbreitete Meinung, "bei Demenz kann man nichts machen" - einer Meinung, die zudem nicht stimme.

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Moser unterstrich zwar die positive Wirkung dieser Zentren auf Betroffene, jedoch kritisierte sie das mangelnde Angebot und die hohen Preisunterschiede zwischen 25 und 80 Euro täglich, wobei auch nicht jede Einrichtung für Demenzerkrankte offen sei. "Ob ein Mensch mit Demenz ein Tageszentrum regelmäßig besuchen kann, darf nicht von der Postleitzahl und von der Geldbörse abhängen."

"Man kann aber die Lebensqualität von Menschen mit Demenz ganz effektiv verbessern, und man kann sogar den Verlauf einer Demenz ausbremsen", sagte Katharina Moser. Eine Aussage, die von Frau Friedrich-Hess, Tochter einer Mutter mit Demenz als inzwischen jahrelange Besucherin des Tageszentrums in Wels - einem von elf vom Dachverband von Sozialorganisationen der evangelischen Kirche betriebenen Einrichtungen -, bestätigt werden konnte.

Ihre Mutter finde hier nicht nur seit mehreren Jahren "eine ganz tolle Betreuung" inklusive Physiotherapie, erzählte die Frau, sondern "wenn sie heimkommt, dann hat sie einen Tagesablauf gehabt". Im Laufe der Zeit habe sich ihre Motorik verbessert, wie sie auch die Krankheit anzunehmen lernte. "Sie hat gelernt, Hilfe anzunehmen", was vorher nicht der Fall gewesen sei, und sie habe im Tageszentrum das Gefühl, dass sie nicht betreut werde, "sondern zu Freunden geht".

Ergebnisse, die laut Petra Rösler, Sozialexpertin bei der Diakonie, auch von einer Wirkungsanalyse der Tagesbetreuung des Diakoniewerks in Wels, durchgeführt von Master-Studierenden der FH Oberösterreich, gestützt würden. Die soziale Teilhabe habe positive Auswirkungen auf Demenzverlauf und Lebensqualität. Ebenso würden durch die Tagesbetreuung Angehörige entlastet und die Vereinbarkeit von Beruf und Betreuung erleichtert. Erkrankte Menschen könnten dadurch statt eines Heimeintritts länger zu Hause bleiben, und Angehörige stellten fest, "dass die Kompetenzen der Erkrankten wieder steigen". Ebenso brauchen Erkrankte oft auch weniger Medikamente, so Rösler unter Hinweis auf die positiven Effekte der Aktivität und Bewegung in der Tagesbetreuung.

"Tagesbetreuung ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer Pflege- und Betreuungslandschaft, leider ist diese Erkenntnis noch nicht in der österreichischen Pflegepolitik angekommen", sagte Präsidentin Moser angesichts des Mangels an derartigen Einrichtungen. 10.000 Menschen oder zwei Prozent der Personen mit Pflegegeldanspruch haben Tagesbetreuung, doch man wisse nicht einmal, wie viele davon mit Demenz leben. Bei der Frage nach dem tatsächlichen Bedarf müsse man sich auf Umfragen aus dem Ausland verlassen, jedoch sei davon auszugehen, dass dieser das Vierfache des jetzigen Angebots ausmache.

Die hohen Preisunterschiede für die Tageszentren verortete Moser "einmal wieder in den Untiefen des österreichischen Föderalismus", die Finanzierungen würden sich nicht nur von Bundesland zu Bundesland unterscheiden, sondern auch von Gemeinde oder Kommune. Unter Hinweis auf den Pflegevorsorgebericht des Sozialministeriums sagte Moser, dass bei Tageszentren "zwar der Ausbau um 36 Prozent vorgesehen ist", dieser aber durch die Sparmaßnahmen in Gefahr sei. Menschen müssten zudem über das Angebot und Möglichkeit "Tageszentrum" informiert werden.

Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) wies in einer Aussendung darauf hin, dass in Österreich derzeit rund 170.000 Menschen mit Demenz leben. "Aufgrund des demografischen Wandels wird diese Zahl in den kommenden Jahrzehnten stark ansteigen - Prognosen gehen von über 290.000 Betroffenen bis 2050 aus. Demenz stellt damit eine der größten gesundheitlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit dar", so der BÖP.

Der Berufsverband forderte angesichts der zu erwartenden Entwicklung einen deutlichen Ausbau gerontopsychologischer Angebote in Österreich ein, insbesondere auch einen niederschwelligen Zugang zu kassenfinanzierter psychologischer Behandlung für Menschen mit Demenz und der psychologischen Unterstützung von pflegenden Angehörigen. Zudem brauche es "fixe psychologische Stellen in Wohn- und Pflegeheimen, Tageszentren und mobilen Diensten, den Ausbau spezialisierter Weiterbildungen in Gerontopsychologie sowie eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit im Demenzbereich".

A person living with Alzheimers disease uses a phone to speak to an AI chatbot called 'Livanna', at a care home for people with neurodegenerative diseases, in Septfonds on September 17, 2026. According to France-Alzheimer, around 1.4 million people are affected by this neurodegenerative disease, which severely impacts memory, cognitive functions and independence. At La Septfontoise, near Montauban, the telephone used by the care home is equipped with an AI system called Livana, which has been trialled for several weeks by seven of the 29 residents in the secure unit for people with Alzheimer’s disease. (Photo by Ed JONES / AFP)

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