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Während sich El Niño in Ostafrika eher so auswirkt, dass zu viel Regen zu erwarten ist und oft Fluten kommen, fürchten die Menschen im südlichen Afrika eher die Dürre. Für die Landwirtschaft in Simbabwe wäre ein De-facto-Ausfall der Regenzeit eine Katastrophe. "Für die erste Hälfte der Regenzeit von Oktober bis Dezember erwarten wir fast gar keinen Regen oder jedenfalls nur sehr wenig. In der zweiten Hälfte der Regenzeit soll es bestenfalls Niederschlagsmengen im langjährigen Schnitt - oder auch hier deutlich weniger als normal - geben", sagte CARE-Simbabwe-Länderdirektorin Delilah Takawira vor Journalisten aus Österreich, Deutschland und Frankreich. Der Ackerbau ist extrem abhängig vom Regenwasser, und mehr als jeder und jede zweite Beschäftigte arbeitete im Vorjahr in der Landwirtschaft.
Doch auch unter viel schwieriger werdenden Bedingungen versucht die Hilfsorganisation CARE, die Widerstandskraft der Menschen gegen den Klimawandel und gerade jetzt gegen das Wetterphänomen zu steigern. Schließlich haben mehrere Länder ihre Unterstützung gekürzt oder gar gestoppt, allen voran die USA. Die wichtigsten Maßnahmen sind: Brunnen graben, Wasserstellen mit Zugang zu sauberem Wasser schaffen, Bewässerungsanlagen bauen, nachhaltigere Feuermethoden wie etwa Biogas einrichten, Diversifikation beim Anbau bzw. in der Nutztierzucht und die Verwendung von widerstandsfähigeren bzw. indigenen Sorten. So will die NGO mit ihren Partnern die Bevölkerung fit gegen den Klimawandel machen. Das kommt vor allem auch Frauen und Kindern zugute, die auf diese Weise auch zu einer reichhaltigeren Ernährung kommen, sich somit besser entwickeln und gesünder sind.
In den Bezirken Buhera, etwa 170 Kilometer südlich von der Hauptstadt Harare, und Tsholotsho im Westen des Landes hat CARE mit lokalen Partnern sogenannte Sustainable Roots Programme (SRP) etabliert. In zehn Gemeinden in den beiden Bezirken wollen die Projektpartner von Oktober 2024 bis September 2029 die Ernährungssituation von 9.000 Kindern, 4.500 Müttern, dazu Frauen im gebärfähigen Alter und 9.000 weiteren Gemeindemitgliedern verbessern. Der erste Zugang dabei: Die Grundlage ist Wasser.
Wasser holen ist in Simbabwe, wie in vielen anderen afrikanischen Ländern auch, Aufgabe der Frauen. Vor Projektbeginn im Oktober 2024 mussten die Bewohnerinnen des siebenten Wards (Bezirk, Anm.) drei bis vier Kilometer zum Fluss gehen, Wasser in einem 20-Liter-Kübel sammeln und auf dem Kopf wieder nach Hause tragen. "Und das viermal am Tag", schildert die 30-jährige Laina Makwindi, Mutter von sechs Kindern. Die jüngste, die erst elf Monate alte Janet, schläft auf ihrer Schulter. Obendrein war das Wasser aus dem Fluss kontaminiert und der Weg hin und zurück gefährlich. "Das Wasser war so dreckig. Vor allem Cholera und Bilharzia hat es immer wieder gegeben", erzählte Makwindi.
Dieses Problem gehört nun so gut wie der Vergangenheit an. Im Rahmen des SRP-Projekts wurde ein Brunnen gegraben. Tests ergaben, dass das auf diese Weise geförderte Wasser Trinkwasserqualität hat und ein 75 Meter tiefes Brunnenloch ausreichend sein müsste, um ein Austrocknen, egal bei welchen klimatischen Bedingungen, zu verhindern. So blickt der "Herr des Wassers", der 60-jährige Martin Gopo, offiziell Vorsitzender der örtlichen Wasserversorgung, auch dem kommenden Super-El-Niño einigermaßen sorgenfrei entgegen.
Das Wasser aus dem Brunnen wird mit einer Solarpumpe in drei 10.000-Liter-Tanks gepumpt. Mit diesen 30.000 Litern kommen die neun angeschlossenen Dörfer mit etwa 80 bis 90 Haushalten etwa drei bis vier Tage aus. Von den Tanks verlaufen Rohre zu den 18 Wasserstellen, keine mehr als 300 Meter von der nächsten entfernt, wie Gopo erläutert. Damit wurden auch die Wege zu Wasser von den Haushalten um ein Vielfaches kürzer, was wiederum eine enorme Zeitersparnis speziell für die Frauen bringt.
Die Wassersicherheit hilft natürlich auch beim Ackerbau, von dem die Gemeinden abhängig sind. Grundnahrungsmittel ist in Simbabwe Mais, aus dem vor allem Sadza, ein fester cremiger Brei, zubereitet wird. Ein wichtiger Punkt des SRP-Projekts ist aber auch, die Ernährung vielfältiger und reichhaltiger zu machen. Obendrein werden indigene Sorten propagiert, die den Wetterkapriolen eher trotzen können. Das kommt Erwachsenen und Kindern zugute.
Makwindi erzählte, dass sie früher gar nicht so recht wusste, wie sie ihre Kinder richtig ernähren sollte. Das begann beim Stillen und ging bei der Zubereitung des Porridge weiter: "Mais, Wasser und ein bisschen Öl", nannte sie die Zutaten, die sie damals verwendete. Die Folge war, dass sich ihre Kinder körperlich nicht altersadäquat entwickelten, unterernährt und oft krank waren. "Ein- oder zweimal im Monat mussten wir ein Krankenhaus besuchen", sagt Makwindi. "Das Körpergewicht war zu gering, oft hatten sie auch Durchfall." Das sei nun vorbei. Eier gibt es jetzt zum Porridge, und Kürbis, auch Kräuter, Nüsse und vieles mehr.
Dazu hat sich die Art und die Höhe des Einkommens massiv zum Besseren verändert. "Früher habe ich Brennholz gesammelt und verkauft", so Makwindi. Das brachte der Familie vier Dollar (3,51 Euro) am Tag ein. Jetzt verkauft sie selbst angebautes Gemüse. Dazu produziert sie Ziegelsteine, und sie ist Mitglied in der örtlichen Spargruppe. Das Einkommen hat sich mehr als verzehnfacht, aber "es könnte noch besser sein", betont Makwindi. Schließlich will sie ihre Kinder in die Schule schicken, und später einmal ins College.
Wie in Buhera ist auch im Bezirk Chiredzi im Südosten des Landes, nahe der mosambikanischen Grenze, die Wasserversorgung das Thema. Eine Kooperative baute dort mit Hilfe eines anderen CARE-Projekts namens Reclaim die Fungai-Bewässerungsanlage. Diese wird aus dem Wasserschacht einer stillgelegten Mine gespeist, mit der Anlage können derzeit zwölf Hektar Land bebaut werden. Das Wasser wird mit einer Solarpumpe von der Mine zu den Feldern transportiert. "Wir haben 46 Bäuerinnen, darunter drei Jugendliche, und 39 Bauern, davon zwei mit Behinderungen und zwei Jugendliche als Mitglieder", schildert Peter Baker, Vorsitzender der Gruppe.
Drei Saatperioden nützen die Menschen in der Kooperative: Zweimal pro Jahr wird Mais angebaut, einmal sind es Bohnen. Dabei verkaufen alle Beteiligten der Kooperative ihre Produkte selbst. Viele züchten auch Hühner oder Ziegen, mit deren Erlös sie ihr Einkommen aufbessern.
Die Bewässerung half enorm: "Beim letzten El Niño litten die Menschen enorm. Und unser Vieh starb", erzählen die Bauern. Sie sind optimistisch, dass es dank der Bewässerung diesmal nicht so sein wird.
Ungemach droht eher von anderer Seite: Offenbar ist geplant, das Bergwerk wieder aufzusperren, was die Kooperative um ihren Wasserzugang bringen würde. "Wir müssten eine Wasserleitung zum Fluss, etwa 300 Meter entfernt, legen und eine neue Pumpe kaufen", erläutert Baker die Herausforderung. Auf der anderen Seite könnten die Bauern die Anbaufläche enorm erweitern, von zwölf auf dann bis zu 50 Hektar. Damit wäre es auch möglich, deutlich mehr Menschen aus den beteiligten Dörfern ins Boot zu holen.
Einmal mehr hoffen sie dabei auf die Hilfe von CARE. Das Reclaim-Projekt, das neben Chiredzi auch in den Nachbarbezirken Mwene und Beitbridge installiert wurde, startete im August 2025 und läuft noch bis November 2028. Den Menschen wird im Hinblick auf die Ziele - keine Armut, null Hunger, Geschlechtergleichheit sowie gutes Arbeits- und Wirtschaftswachstum - auf vielfältige Art geholfen.
Es gibt dabei einige Erfolgsgeschichten. Eine davon schrieb Officer Machamba, der als Erstgeborener seiner Familie das Grundstück übernahm, mit Hilfe des Reclaim-Projekts einen Brunnen grub und eine Solarpumpe für die Bewässerung seiner Felder installierte. Angebaut wird Vielfältiges: Paradeiser, Kohl, Sonnenblumen usw. 2,5 Hektar hat Machamba zur Verfügung, mit dem Land und den Produkten daraus ernährt er die gesamte Familie.
Machamba hat aber noch gut El Niño 2023/24 in Erinnerung. "Das Wasser damals wurde knapp, wir hatten mit der Dürre zu kämpfen. 23/24 war am schlimmsten", schilderte er. Und diesmal? "Ich glaube, ich habe ein paar Strategien."
Ebenfalls im Rahmen des Reclaim-Projektes hat es die Bäuerin Angeline Bhande geschafft, Geflügel und Tiere zu züchten. Darüber hinaus betreibt sie diversifizierten Ackerbau mit Mais, Paradeiser, Kohl und zahlreichen anderen Gemüsearten. Bei den Tieren sind es vor allem Hühner, von denen sie sowohl die Eier als auch die Tiere selbst verkauft. Gerade erst hat sie mit der Zucht von Puten begonnen. Dazu kommen Ziegen und Schafe. Auf ihrem Hof steht ein Traktor, den sie sich von ihren Einnahmen geleistet hat. Die Zugmaschine ist in hervorragendem Zustand und könnte genauso gut auch auf Niederösterreichs Straßen zu sehen sein.
Mary Mundau wiederum, deren Mann eine schwere Gehbehinderung hat, bekam eine Biogas-Anlage installiert: "Als die Experten von Reclaim zu mir kamen und mir sagten, was sie vorhaben und dass das Biogas mit Rinderdung funktioniert, habe ich zuerst geglaubt, die sind verrückt", erzählt sie. Doch dann hätten sie die Anlage installiert und ihr gezeigt, wie es funktioniert. "Jetzt können wir 24 Stunden an sieben Tagen die Woche schnell kochen", sagt Mundau, deren Nachbarn ebenfalls von der Anlage profitieren.
"Wir lebten vom Sammeln von Brennholz. Ich bin den ganzen Tag unterwegs gewesen und hundemüde nach Hause gekommen. Und dann musste ich erst Feuer machen, um uns etwas kochen zu können. Dabei wollte ich oft nur mehr schlafen", schilderte die Frau. Jetzt ist alles anders. Mit einer Solarpumpe wird ihr das Gas, das durch die Fermentation des Rinderdungs entsteht, direkt in die Küche geleitet. Mundau öffnet den Hahn und zündet die Kochplatte mit einem Streichholz an. Ihre sieben Kühe produzieren mehr als genug Gas für beide Familien.
Mary Mundau hat selbst nun deutlich mehr Zeit, für Einkommen zu sorgen. Statt Brennholz sammeln und verkaufen, baut sie landwirtschaftliche Produkte an und verkauft diese. Die Erfolgsgeschichten von ihr, Machamba und Bhande verdeutlichen das Ziel des Reclaim-Programms und letztlich auch der anderen CARE-Projekte: dass die Menschen möglichst bald nicht mehr auf diese Hilfe angewiesen sind.
(von Gunther Lichtenhofer/APA)
