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ORF: Personalkritik lenkt von Programmdebatte ab

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Peter Plaikner

©Matt Observe

Der Transparenzbericht liefert neue Munition für Angriffe auf den ORF. Manch Gage dort ist hinterfragbar. Doch wichtigere Problemzonen zeigt ein anderes Dokument. Ein Vergleich der Jahresberichte offenbart Probleme in der Programmentwicklung. Nicht qualitativ, aber quantitativ – durch Quotenminus.

Wie immer die unübersichtliche Affäre auch ausgeht: Roland Weißmann wird durch sie wohl als intern meistverachteter General in die Geschichte des ORF eingehen. Das schien bis vor einem Monat kaum möglich, weil Monika Lindner als uneinholbar in diesem Negativ-Ranking galt.

Und der „Roli“, wie ihn viele nennen durften, hatte sich im Haus durchaus an Schlüsselstellen beliebt gemacht. Journalistische Multiplikatoren schätzten seine Augenhöhe-Führungsart vom neuen Redaktionsstatut über die Verteidigung der blauen Seite bis zur Einbeziehung in den Strategieprozess.

Personal- statt Programmdebatte

Unter den Alpha-Generalen Gerd Bacher und Gerhard Zeiler wäre solch Integration der Mitarbeiter undenkbar gewesen. Das galt weniger auffällig ebenso für den Ministerialbeamten Otto Oberhammer, den kreativen Nonkonformisten Teddy Podgorski und das alte Schlachtross (Eigendefinition) Gerhard Weis. Auch Alexander Wrabetz gab die Strippen, die er vorzugsweise im Hintergrund zog, nie aus der Hand. Weißmann wäre in die Ahnengalerie der Chefs des Österreichischen Rundfunks wohl als „Der Kooperative“ eingegangen. Ein Teamspieler, obwohl er im persönlichen Umgang eher scheu und übervorsichtig wirkte.

Doch solche Kategorisierungen, die ihm 2024 die Auszeichnung „Medienmanager des Jahres“ bescherten, sind seit dem Rücktritt hinfällig. Damit gab er das Signal „Feuer frei!“ auf den gesamten Küniglberg. Die in vielen Facetten überprivilegierte öffentlich-rechtliche Trutzburg war schon lange im Visier der krisengebeutelten privaten Konkurrenz. Wenn nun von fragwürdigen Hierarchiebeziehungen über Unvereinbarkeiten im Aufsichtsorgan bis zu Neid erweckenden Gagen alles aufs Korn genommen wird, ist das zu einem großen Teil berechtigt, lenkt aber auch vom Kern des Verhältnisses zwischen dem Medienhaus und dem Publikum ab, das es unfreiwillig bezahlt – dem Programmangebot.

Das Quoten-Minus im Info-Sektor

Also stürzte sich in der Karwoche alles auf den Transparenzbericht mit Bestverdiener Pius Strobl, dessen Pensionsregelung infolge des Weißmann-Falls mehr Öffentlichkeit denn je findet. Doch niemand beschäftigte sich mit dem gleichzeitig veröffentlichten Geschäftsbericht 2025. Diese ebenfalls per Gesetz geforderte Leistungsschau offenbart erst im vieljährigen Vergleich Stärken und Problemzonen des ORF-Angebots. So haben „Zeit im Bild“ und „Bundesland heute“ gegenüber dem Vorjahr ein Prozent Marktanteil verloren. Sie sind aber mit 53 Prozent immer noch überragend. Die „ZiB 2“ verzeichnet ebenfalls ein Prozent weniger Quote (24 Prozent), bleibt aber – symbolisch wichtig – über einer halben Million Sehern. 505.000 sind allerdings der geringste Tagesschnitt seit zumindest zwölf Jahren.

Susanne Schnabl hingegen liegt mit „Das Gespräch“ (19 Prozent) im ersten Jahr ein Prozent höher als Claudia Reiterer zuletzt mit „Im Zentrum“ (18 Prozent). Doch die Publikumszahl ist die zweitgeringste seit 2014. Der von ihr an Eva Linsinger und Yilmaz Gülüm übergebene „Report“ geriet unterdessen gar zum Quoten-Sorgenkind. Er hat 15 Prozent seiner Seher verloren und so wenige Zuschauer wie nie zuvor (356.000). Ihr Interesse aber ist letztlich entscheidender für die Gesamtbeurteilung des ORF als die Neiddebatte um seine Gagen.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir: pp@plaikner.at

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 15/2026 erschienen.

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