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Mehr Auswahl denn je für die Wahl des ORF-Chefs

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Peter Plaikner

©Matt Observe

Am letzten Donnerstag im Mai endet die Bewerbungsfrist zum Generaldirektor des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Am 11. Juni folgt seine oder ihre Wahl durch den Stiftungsrat. Schon jetzt steht fest, nicht wer es wird, sondern dass es kompetente interne und externe Kandidaten gibt. Das war nicht immer so.

Ja, der parteipolitische Postenschacher um die nächste Führung des ORF ist abscheulich. Nein, es ist nicht schlimmer als früher, sondern besser als je zuvor. Zum Redaktionsschluss dieser Kolumne gab es immerhin schon zwei respektable Kandidaturen, war mit einer weiteren fix zu rechnen und eine vierte nicht auszuschließen: ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer hatte sich wie Puls4-Pionier Markus Breitenecker öffentlich deklariert, von APA-Chef Clemens Pig wurde dies fix erwartet, von der bis Jahresende amtierenden Titelverteidigerin Ingrid Thurnher eher nicht. Doch sie legte sich vor Pfingsten nicht fest. Die Bewerbungsfrist endet am Erscheinungstag dieses Hefts. Die Wahl ist 14 Tage später.

Wer das Rennen als schon gelaufen bezeichnet, hat Eigeninteressen oder sich zu wenig mit der ORF-Geschichte beschäftigt – oder beides. Zur Erinnerung: Richard Grasl, der heutige Kurier-Chef, glaubte 2016 bis zuletzt daran, Alexander Wrabetz zu besiegen. Doch der gewann mit dem Minimalabstand 18:17. Nahezu im Gegensatz zu 2011, als er kontra Christian Wehrschütz 29 Stimmen und sechs Enthaltungen erhielt. Bei seiner ersten Kür 2006 hatte er durch eine bunte Koalition die ÖVP-Kandidatin Monika Lindner abgelöst. Ausschlaggebend für diese Überraschung waren Peter Westenthaler und Pius Strobl.

Der Favorit zögert am längsten

Das Beispiel des mittlerweile blauen Wieder-Stiftungsrats und Oe24-Talkers sowie des grünen ORF-Bestverdieners von 2025 zeigt: Nix ist fix vor dem Abend des 11. Juni. Dass vor allem im Boulevard das Gegenteil behauptet wird, soll Pig schaden. Denn Unterstellung von Parteinähe ist das wirksamste Gift gegen Unabhängige. Das öffentlich bekundetete Wohlwollen von ÖVP-General Nico Marchetti und Kanzler Christian Stocker war ein Bärendienst für den erfolgreichen Chef der Nachrichtenagentur.

Auch deshalb zögerte er mit seinem längst erwarteten Bekenntnis zur Kandidatur. Umgekehrt war die Kampagne vom „ausgemachten Spiel“ der stärkste Schub zur Antrittsentscheidung von Breitenecker. Dass beide im Hintergrund mit Vertretern aller Parteien Gespräche führen, ist bloß professionell angesichts der Realität des Stiftungsrats, in dem es kaum Unabhängige gibt.

Verlierer sind nicht beschädigt

Diese Kontrahenten sind auch der beste Beweis, dass die öffentlich-rechtliche Kür weniger widerlich als früher abläuft. Es gab in der ORF-Geschichte noch nie zwei derart profilierte externe Kandidaten für den Chefposten. Und das gegen beachtliche interne Konkurrenz auch bei einem Rückzug von Thurnher: Totzauer hatte schon 2021 respektabel gegen den einstigen Grasl-Wegbegleiter Roland Weißmann und Wrabetz abgeschnitten.

Der Stiftungsrat hat also mehr Auswahl denn je und ist so unberechenbar wie noch nie. Heinz Lederer und Gregor Schütze, die Hüter der SPÖ- und ÖVP-Freundeskreise im höchsten ORF-Gremium werden große Mühe haben, ihre Schäfchen unter Kontrolle zu halten.

2026 lassen sich erstmals renommierte externe Manager weder durch die Gefahr, parteilich vereinnahmt, noch das Risiko, es nicht zu werden, vom Ringen um den besten Medienjob des Landes abhalten. Das ist gut für Abgabenzahler, ORF-Publikum und Demokratie. Wer die Wahl verliert, ist nicht beschädigt, sondern hat Österreich einen Dienst erwiesen.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir: pp@plaikner.at

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 22/2026 erschienen.

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