Österreich weist im EU-Vergleich einen der höchsten Gender Pay Gaps auf. Die Gründe sind mannigfaltig – und größtenteils nicht erklärbar.
Österreich zählt im EU-Vergleich zu den Ländern mit dem höchsten Gender Pay Gap. 2024 lag die Einkommensdifferenz bei 17,6 Prozent (unbereinigter Gender Pay Gap). Da für die Berechnung die durchschnittlichen Brutto-Stundenlöhne aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer herangezogen werden, sind Unterschiede durch Arbeitszeiten – also die hohe Teilzeitquote bei Frauen – schon berücksichtigt.


Nur ein Teil der Lohnlücke kann durch beobachtbare Faktoren erklärt werden, heißt es von Statistik Austria: Frauen arbeiten vermehrt in schlechter bezahlten Branchen wie Handel, Pflege und Gesundheit sowie Bildung. Sie sind seltener in Führungspositionen und leisten mehr unbezahlte Care-Arbeit, wie Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen. Auch Faktoren wie Ausbildung, Alter, Dauer der Unternehmenszugehörigkeit haben einen Einfluss. Berücksichtigt man diese strukturellen Faktoren, lag der bereinigte geschlechtsspezifische Lohnunterschied 2022 laut Statistik Austria bei 12,3 Prozent.
Den Analysen der Statistikbehörde zufolge können zwei Drittel des Pay Gaps nicht durch strukturelle Unterschiede erklärt werden. Möglich ist, dass Frauen systematisch benachteiligt werden – obwohl in Österreich das Recht auf gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit im Gleichbehandlungsgesetz verankert ist. Ob Männer und Frauen in der gleichen Position gleich viel verdienen, ist in vielen Fällen nicht nachvollziehbar. Unternehmen legen in der Regel nicht offen, wie viel Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verdienen. Die EU-Richtlinie für mehr Lohntransparenz soll ihnen einen besseren Zugang zu Informationen über Gehälter geben.


Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 13/2026 erschienen.






