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Meloni will diesen Moment nicht verstreichen lassen, ohne ihn politisch zu nutzen. Gefeiert wird der Rekord am Freitag bei einer Großveranstaltung ihrer Partei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) in der süditalienischen Hafenstadt Bari. Rund 6.000 Teilnehmer werden am Freitagnachmittag erwartet. Vor Anhängern, Abgeordneten und regionalen Mandatsträgern will die Ministerpräsidentin vor allem eines herausheben: Sie hat geschafft, was in Rom selten gelingt - eine Regierung zusammenzuhalten.
Melonis Kabinett nähert sich inzwischen der Vierjahresmarke, die am 22. Oktober erreicht wird. Ihre Rechtsregierung hat damit eine politische Realität geschaffen, die in Italien lange kaum vorstellbar schien: Stabilität über eine gesamte Legislaturperiode hinweg. Noch vor der Parlamentswahl 2022 galt Meloni als Außenseiterin der italienischen Politik. Renommierte Politologen prophezeiten ihrer Regierung ein kurzes Leben. Doch Meloni hat sämtliche Prognosen widerlegt.
Mit mehreren Faktoren kann Meloni bei den Wählern punkten. Italiens Wirtschaft entwickelt sich trotz des schwierigen internationalen Umfelds vergleichsweise stabil. Die Verbraucherpreise stiegen in Italien zuletzt im August um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im August 2022, also vor der letzten Parlamentswahl, hatte die Inflation noch 8,4 Prozent betragen. Auch der Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Für 2026 erwartet das staatliche Statistikamt ein Beschäftigungswachstum von 0,9 Prozent und eine Arbeitslosenquote von unter sechs Prozent. Italiens Wirtschaft hat hier von den milliardenschweren Finanzierungen aus dem EU-Wiederaufbaufonds PNRR profitiert.
Die Opposition indes bemängelt, dass die Realeinkommen laut einer vor Kurzem publizierten Langzeitstudie in Italien als einzigem OECD-Land seit 1995 gesunken sind. Löhne und Gehälter bleiben gegenüber anderen Industrienationen vergleichsweise niedrig, und die Produktivität wächst kaum. Von einer besonders dynamischen Wirtschaft könne - aus ihrer Sicht - keine Rede sein. Positiv ist, dass Italiens Budgetdefizit unter der Regierung Meloni gesunken ist. Es lag 2025 bei 3,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts BIP, nach 3,4 Prozent 2024. Für 2026 und 2027 erwartet die EU-Kommission jeweils 2,9 Prozent des BIP. Die Schuldenquote ist hingegen auf 138 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen. Die Staatsverschuldung ist damit das große Sorgenkind Melonis.
Überrascht hat Meloni auf internationalem Parkett, besonders in Brüssel. Entgegen ihrer pointiert europaskeptischen Rhetorik im Wahlkampf hat sie sich schnell als verlässliche Partnerin profiliert, und das besonders in den Bereichen, die zählen, u. a. bei der Unterstützung der Ukraine und in Sachen europäische Verteidigung. Zugleich kommt gut an, dass die Zahl der Migranten, die über das Mittelmeer nach Süditalien kommen, deutlich zurückgegangen ist. Die gebürtige Römerin kann diese Entwicklung in Brüssel als Erfolg ihrer Migrationspolitik präsentieren, für die sie auch in Europa inzwischen viel Unterstützung genießt.
Ihr einst sehr enges Verhältnis zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump bröckelt inzwischen. Ihr verbaler Schlagabtausch mit dem US-Präsidenten sorgte weltweit für Aufsehen. Auch in der Innenpolitik musste Meloni Rückschläge einstecken. Eines ihrer Prestigeprojekte scheiterte im März. In einem Referendum lehnten die Italiener ihre Justizreform ab. Es war Melonis erste große politische Niederlage. Einige Regierungsmitglieder sorgten außerdem für Skandale, unter anderem Melonis Vertrauensleute wie die inzwischen zurückgetretene Tourismusministerin Daniela Santanché und Ex-Justiz-Staatssekretär Andrea Delmastro (beide Fratelli d'Italia). Ein weiterer Rückschlag folgte für Meloni vor der Sommerpause: Sie verlor eine Abstimmung im Parlament für eine von ihr vorangetriebene Wahlrechtsreform, über die inzwischen im Parlament aber noch weiter gerungen wird.
Trotz Höhen und Tiefen will Giorgia Meloni die Legislatur im kommenden Jahr zu Ende führen und sich auf neue Parlamentswahlen vorbereiten. Denn die 49-jährige Römerin hegt weitere ehrgeizige Ziele: So möchte sie auch nach den Parlamentswahlen 2027 im Amt bleiben. Insider zufolge spielt sie sogar mit dem Gedanken, 2029 Nachfolgerin von Staatspräsident Sergio Mattarella zu werden. Damit würde sie zur ersten italienischen Staatschefin aufrücken und einen weiteren Rekord aufstellen.
