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Ohne die sonst bei Parteitagen mittlerweile üblichen Fanfarenklänge oder Pop-Hymnen und unter Verzicht auf große Inszenierung begann der Parteitag mit rund 350 Delegierten im Saal Innsbruck. Eine bewusste Vorgangsweise, schließlich soll rund fünf Stunden lang möglichst "grundsätzlich" und tiefgründig über Werte, Weltbild und Selbstverständnis diskutiert werden.
"Unser Heimatland Tirol steht im Mittelpunkt, Tirol steht für uns an erster Stelle", meinte Mattle in seiner rund zehnminütigen Wortmeldung zu Beginn der Veranstaltung. Dafür stehe das Grundsatzprogramm mit dem Titel "Aus eigener Kraft". 1.500 Mitglieder, Funktionäre und Sympathisanten hätten vor allem in den vergangenen Monaten daran mitgearbeitet: "Ich bin begeistert. Das haben unsere Leute geschrieben und keine Wissenschafter."
"Wir sind die Tirol-Partei. Und wir sind die Partei der Mitte. Das ist ein Raum, wo vieles Platz hat", propagierte Mattle und zählte dann die Begriffe bzw. Werte auf, die auch das Grundsatzprogramm ausmachen würden: "Die Freiheit ist uns ein wichtiges Anliegen. Und wir stehen für Leistung, Eigentum, Familie und Sicherheit. Auch für die Erhaltung der sozialen Sicherheit." Auch die Abgrenzung zu den politischen Ebenen in Tirol strich der Landesparteiobmann einmal mehr hervor, denn: Die Anliegen der Tiroler seien nun einmal oftmals andere als jene der Menschen in den anderen Bundesländern oder in Wien.
Bis zum frühen Abend werden die Delegierten das Grundsatzprogramm diskutieren und dann beschließen. 60 Delegierte hatten sich im Vorfeld für Redebeiträge angemeldet. Debattiert wird zu den Kapiteln "In Tirol verwurzelt", "In Tirol aufwachsen", "In Tirol leben und leisten", "In Tirol alt werden" und "In Tirol auf das Übermorgen vorbereiten".
Pikant wird eine Statutenänderung: Damit will man eine eigene "Tirol-Mitgliedschaft" ins Leben rufen. Es soll künftig möglich sein, ausschließlich Mitglied der Tiroler ÖVP zu werden, ohne automatisch auch der Bundes-ÖVP anzugehören. Mitglied der Bundes-ÖVP sowie einer Teilorganisation zu werden, sei "zusätzlich" möglich. "Mehr Selbstständigkeit und mehr Tirol" sei auch hier das Motto. Man wolle die Tiroler ÖVP "inhaltlich von der Bundespolitik emanzipieren", hatten Landesparteiobmann Mattle und die Seinen im Vorfeld keinen Hehl daraus gemacht, Distanz zu ebendieser und damit auch zur Bundes-ÖVP halten zu wollen.
Von einer Abspaltung oder einem Bruch mit der Mutterpartei ÖVP will man freilich nicht sprechen und auch nicht Bundesparteiobmann Bundeskanzler Christian Stocker infrage stellen. Mattle attestierte dem Kanzler vor dem Parteitag, einen "guten Job" zu machen, das Verhältnis sei "intakt".
Samstagabend folgt dann der eigentliche schwarze Höhepunkt des Tages: Die Abendveranstaltung mit über 1.000 erwarteten Teilnehmern unter dem Titel "Aufbruch für Tirol" in der Dogana des Congresses: Als Ehrengäste und Redner werden Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP), Vorarlbergs Landeschef Markus Wallner (ÖVP) und vor allem der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Markus Söder erwartet. Damit soll eine "Achse geschmiedet" werden, wie es hieß. Diese ist wegen der Person Söder nicht unumstritten, bezieht der Ministerpräsident doch in Sachen Transit teils durchaus gegensätzliche Positionen.
Ein Jahr vor der Landtagswahl stehen Mattle und Co. gehörig unter Druck. Der Volkspartei sieht sich laut Umfragen mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der oppositionellen FPÖ um Platz eins konfrontiert. FPÖ-Chef Markus Abwerzger will Mattle als Landeshauptmann ablösen.
