Als Wissenschafter hat sich Markus Marterbauer 37 Jahre lang mit Budgetpolitik beschäftigt. Seit neun Monaten tut er es als Finanzminister – und lernt dabei täglich dazu, sagt er. Beim Sparen ist er streng, die aktuellen Zahlen machen ihn selbstbewusst.
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Fünf Monate im Amt setzt Markus Marterbauer im August ein Sommerthema. Angesichts der hohen Inflation fordert er in einem Interview mit den Salzburger Nachrichten Eingriffe in die Lebensmittelpreise. Zum Ende des Jahres ächzen die Menschen immer noch über die hohen Kosten.
Kampf gegen den Österreich-Aufschlag
Im gleichen Monat senkt die Ratingagentur Moody’s den Ausblick für Österreich von „stabil“ auf „negativ“. Hat der Quereinsteiger hier die Grenzen seines Handelns sehen müssen? Marterbauer wirkt gar nicht irritiert. „Es war wichtig, die Debatte über die Lebensmittelpreise anzustoßen. Wir haben über das Shrinkflationsgesetz und mit der Rabattauszeichnung indirekt in die Preise eingegriffen, und wir kämpfen auf internationaler Ebene gegen diesen Österreich-Aufschlag.“
Die Finanzmärkte haben sehr großes Vertrauen in unsere Budgetpolitik. Zu Recht, wie ich finde
Was das Rating betrifft: „Die Sorge wäre ja, wenn sich Ratings massiv verschlechtern, dass dann die Zinsen für Staatsanleihen steigen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Finanzmärkte haben sehr großes Vertrauen in unsere Budgetpolitik. Zu Recht, wie ich finde.“
Berechtigtes Selbstvertrauen
Woher rührt dieses Selbstbewusstsein? „Was das Bundesbudget betrifft, ist das Selbstvertrauen berechtigt“, sagt der Minister. Man liege eine Milliarde Euro besser als im Budgetvoranschlag angenommen. „Das ist das Ergebnis eines wirklich sehr strengen Vollzugs, aber auch einer leichten konjunkturellen Erholung. Mehr Sorge bereiten uns die Budgets von Ländern und Gemeinden.“
Dass diese nun schneller mehr Budgetdaten an den Bund melden werden, soll die Misere eindämmen. Monatelang haben Marterbauer und ÖVP-Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl darüber mit den Ländern verhandelt. Und wer mit der Landeshauptleutekonferenz gerungen hat, ist in der Politik angekommen.
Wenig Zeit für große Fragen
Als Wissenschafter hat sich Marterbauer 37 Jahre lang mit Budgetpolitik beschäftigt. Dann wurde aus dem Theoretiker der Praktiker. „Das ist eine wirklich ganz andere Welt“, sagt er. „Ich habe in wenigen Monaten so viel gelernt, wie in den 37 Jahren davor nicht. Das ist superspannend.“ Unter anderem, dass „Budgetpolitik nicht immer rational erfolgt. Als Wissenschafter bedenkt man oft zu wenig, dass politische Parteien auch die Interessen von Lobbys, Bürgergruppen oder sozialen Schichten vertreten“.
Was hat ihn überrascht? „Dass man mit Minidetails, wie etwa die Steuerbegünstigung für Lifestyle-Pick-ups nächtelang diskutiert, während man für die großen Dinge, wie die Finanzierung des Sozialstaates oder ein gerechtes Gesundheitssystem viel zu wenig Zeit hat, um darüber nachzudenken.“
Freundliche Gelassenheit
Im Vertrauensindex liegt Marterbauer trotz harten Sparkurses ganz oben. Das könnte an der freundlichen Gelassenheit liegen, mit der er auch schlechte Nachrichten überbringt. Sind Sie immer so krisenfest, Herr Minister? „Immer weiß man nicht. Man weiß ja nicht, welche Krisen noch kommen. Aber bislang schon“, sagt er. Und lächelt entspannt.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 51+52/2025 erschienen.







