Heinz Sichrovsky
©Matt ObserveDie Kürzungen bei Universitäten und Kultur sind ein Angriff auf Bildung und Kunst. Studierende, Gewerkschaft und Künstler müssen gemeinsam auf die Straße gehen.
Sie verzeihen mir den dreisten Plural: Aber was sollen wir uns seitens der Regierung noch gefallen lassen? Wir: das sind die Bildungs- und Kunstaffinen (den Vorwurf der Arroganz halte ich aus), die nicht im Traum dran denken, die offenen Verachtungsbekundungen gegen Kunst und Bildung zur Kenntnis zu nehmen.
Nun wird also als Resultat monatelanger Verhandlungen das Universitätsbudget demonstrativ auf jene Summe gekürzt, die der Rektor der Wiener Uni zuvor als katastrophal bezeichnet hat. Der arme Babler durfte dann noch verlautbaren, dass von dem Betrag auch die Ärztegehälter zu bezahlen sind.
Zum Ersticken eng
Was das bedeutet, braucht nicht ausgeführt zu werden: Nur einer Partei mit der intensiven Suizidneigung der SPÖ kann es einfallen, vor Regionalwahlen die Gesundheitsversorgung auszuhebeln. Zumindest die ÖVP will aber in Oberösterreich und Tirol gern noch etwas weiterregieren. Also wird sie propagandistisch dafür Sorge tragen, dass die Ärzte unbehelligt bleiben (was ich ihnen herzlich gönne). Und dass dafür das, was Minderbemittelte für Orchideenfächer halten, bis zur Existenzvernichtung abkassiert wird.
Auch für die SPÖ wird es jetzt zum Ersticken eng: Die zuständige Ministerin Holzleitner hat schon im Mai verlautbart, dass in ihrem Portfolio die Wissenschaft zweiten Rang einnimmt. Folgerichtig wird das Frauenbudget (dem ich genau das wünsche, was es tatsächlich braucht) um 62 Prozent erhöht. Um die Summe übrigens, um die der Katastrophenvizekanzler die Kultur kürzt. Irrer, als Wissenschaft, Kunst und Frauenpolitik gegeneinander auszuspielen, kann eine linke Partei nicht agieren, wenn sie sich gleichzeitig von allen linken Mindestforderungen verabschieden musste und dafür gigantische Summen für die Rüstung abnickt.
Es wird Zeit, sich zu wehren
Dass die überforderte Politikerin, statt das verursachte Debakel in Schach zu halten, jetzt auch noch nebenberuflich die halb havarierte Partei am Sinken hindern soll: Das ist die nächste Verachtungsbekundung gegen die Wissenschaft, zudem geeignet, die letzten roten Jungwähler irgendwohin zu jagen.
Es wird, so meine ich, Zeit für Gegenwehr. Auch die Beklagenswerten, die jetzt von den Universitäten gefeuert werden, sind arbeitende Menschen. Also soll sich die Gewerkschaft mit den Studenten auf den Weg machen, wie es im Jahr 1968 ein Traum geblieben ist. In Frankreich und Belgien geschieht das gerade, und bewahre uns wer immer vor ähnlichen Entwicklungen. Aber auf die Straße gehen, wochenlang in immer größerer Zahl, das wäre es. Uni, Löwelstraße, Ballhausplatz und Minoritenplatz, wo die Ministerin residiert, sind nicht weit voneinander entfernt, aber weit genug, um die Erde beben zu lassen. Die Künstler sollen sich beim Burgtheater anschließen und ihre Expertise aus der Coronazeit einbringen: Ulrike Lunacek war damals binnen 129 Tagen Ex-Staatssekretärin.
Und Donnerstag, 22. Oktober 2026 rufen die Universitäten wieder zur Demo auf! Vielleicht sehen wir einander dort.
