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Klinisch-psychologische Therapie startete als Kassenleistung

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©APA, dpa, Julian Stratenschulte
Seit Montag dieser Woche wird die klinisch-psychologische Behandlung als vollfinanzierte Kassenleistung angeboten. Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) stellte dazu am Mittwoch eine neue Serviceplattform unter dem Titel "psyhelp" vor, über die ab sofort die Vermittlung der Kassenplätze erfolgt. Bis 2029 stehen jährlich 120.700 kostenlose klinisch-psychologische Behandlungseinheiten zur Verfügung, hieß es.

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Versicherte von ÖGK, SVS und BVAEB können sich über die neue Servicestelle (abrufbar unter https://psyhelp.at) anmelden und werden nach einem sogenannten "Clearing" mit verfügbaren und wohnortnahen Behandlern und Behandlerinnen zusammengebracht.

"500 geprüfte Klinische Psychologen und Psychologinnen bieten bereits Kassenplätze im psyhelp-Pool an", erklärte die operative Leiterin von psyhelp, Viola Ghavidel, auf einer Pressekonferenz. Die Vermittlung erfolgt nach festgelegten Kriterien, etwa dem Schweregrad der Erkrankung, der Wohnortnähe und spezifischen Anforderungen - etwa die Behandlungssprache oder auch Kriterien wie barrierefreier Zugang.

Erfreut zeigte sich BÖP-Präsidentin Beate Wimmer-Puchinger, die von einem "europaweit einzigartigen Schritt für die psychische Versorgung" sprach. Mit den kostenfreien Kassenplätzen werde die klinisch-psychologische Behandlung bzw. Psychologische Therapie rascher, fairer und ohne finanzielle Hürden zugänglich gemacht.

Die ersten zehn Einheiten der Therapie sind bewilligungsfrei. Wie viele Personen insgesamt einen Kassenplatz in Anspruch nehmen können, hänge vom individuellen Bedarf und der Anzahl der benötigten Einheiten ab, hieß es seitens des Verbandes.

Auch der Kostenzuschuss für klinisch-psychologische Behandlung / Psychologische Therapie (für die Inanspruchnahme von Wahl-Therapeutinnen wie bisher) wird neben den kostenfreien Kassenplätzen weiterhin bestehen.

Bekanntgegeben wurde die Einigung auf einen österreichweiten Vertrag zwischen den Kassen und dem BÖP bereits Mitte Dezember. Ob mit den 120.700 Behandlungseinheiten der Bedarf gedeckt werden kann, sei derzeit nicht abzuschätzen, hieß es damals. Zahlen zum Bedarf und der zu erwartenden Abdeckung desselben durch das neue Projekt lägen keine vor.

In Summe stehen laut ÖGK für die Jahre 2026 bis 2029 Mittel in Höhe von 75 Millionen Euro zur Verfügung, gesichert ist die Finanzierung bis 2029. Bisher gab es für klinisch-psychologische Behandlungen nur Kostenzuschüsse, und das auch erst seit dem Jahr 2024 (davor reine Selbstzahler-Leistung).

Nicht zu verwechseln ist die Neuerung mit dem Bereich der Psychotherapeutinnen und -therapeuten, für die es schon bisher Kassenleistungen gab und die ein anderes Berufsbild darstellen.

Informationen zur Vermittlung der Kassenplätze finden sich auf der Webseite https://psyhelp.at sowie über die kostenlose Serviceline 0800 10 02 03 (für Patient:innen) zur Verfügung.

Der Gewerkschaftsbund (ÖGB) begrüßte den Schritt. In einer Aussendung hieß es, psychische Belastungen in der Arbeitswelt würden seit Jahren stark zunehmen. "Steigender Arbeitsdruck, Personalmangel und die zunehmenden Herausforderungen der Digitalisierung beeinträchtigen die Beschäftigten besonders", so die Arbeitnehmervertreter. Laut Fehlzeitenreport 2025 seien bereits elf Prozent aller Krankenstandstage auf psychische Erkrankungen zurückzuführen. Besonders auffällig sei, dass psychische Erkrankungen mittlerweile zu den häufigsten Ursachen für Langzeitkrankenstände zählen.

"Umso mehr freut es uns, dass es nun endlich kostenfreie Kassenplätze für die Behandlung gibt", sagt Julia Stroj, Expertin im Referat für Gesundheits- und Sozialversicherungspolitik im ÖGB. Gleichzeitig betont Stroj, dass weitere Schritte notwendig seien: "Wir fordern weiterhin die Anerkennung arbeitsbedingter psychischer Erkrankungen als Berufskrankheit."

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