Zwischen Büro und Festspielhaus entfaltet sich Öffentlichkeit im Kleinen: Karoline Edtstadler über Langsamkeit, Wiedererkennen – und politische Präsenz abseits von Terminen.
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Wie lange brauchen Sie durch die Getreidegasse?
Lang! Wenn ich zum Beispiel von meinem Büro zu einer Kuratoriumssitzung der Salzburger Festspiele gehe, ist gefühlt alle fünf Meter jemand, der mich anspricht, ein Foto will, ein Anliegen vorbringt oder einfach nur Grüße an meinen Vater ausrichtet. Manchmal sind es auch Touristengruppen, die mich ansprechen, obwohl sie mich nachweislich nicht wählen können.
Ich muss sagen: Ich habe wahnsinnig gerne in Wien gelebt. Aber in Salzburg ist alles viel netter, kleiner, beschaulicher, man kennt einander. Da hupt man auch niemanden an der Kreuzung an. Es könnte ja der Nachbar sein, der dann am Abend sagt: „Bist du wahnsinnig, warum hupst du?“
Also: Wir planen für das kurze Stück mindestens eine halbe Stunde ein.

Steckbrief
Karoline Edtstadler
Die Salzburgerin hat Jus studiert, war Richterin, später Mitarbeiterin des damaligen ÖVP-Justizministers Wolfgang Brandstetter und arbeitete am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. 2017 wurde sie unter Kanzler Kurz Staatssekretärin im Innenministerium, 2019 Abgeordnete im EU-Parlament. Von 2020 bis 2024 war sie Kanzleramtsministerin. Seit 2. Juli 2025 ist sie Landeshauptfrau von Salzburg.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 07/2026 erschienen.







