Premieren-Abwehr, Probenbeginn-Irritation, Interview-Klarheit: Schauspieler Nicholas Ofczarek erzählt, warum Brillen für ihn mehr sind als Sehhilfen – und wie jedes Modell hilft, Abstand zu halten, Haltung zu zeigen oder einfach in Ruhe gelassen zu werden.
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Herr Ofczarek, wählen Sie für jeden Anlass eine bestimmte Brille?
Ich habe fatalerweise in meinem Wohnhaus in Wien einen hervorragenden Optiker. Er ist ein Berufener. Er hat fantastische Augengläser, und irgendwie habe ich ein Faible für Brillen entwickelt. Wenn er glaubt, dass er etwas für mich hat, holt er mich in sein Geschäft. Dann stellt er mir Kreationen vor, bei denen ich nie im Leben auf die Idee gekommen wäre, dass sie etwas für mich wären. Andere haben eine Krawattensammlung. Ich habe bis dato 15 Brillen, Sonnenbrillen inklusive. Daraus wähle ich aus, je nachdem, wie ich mich gerade verkleiden möchte.
Es gibt eine Premierenfeier-Abwehrbrille. Die ist leicht schwarz umrandet und hat einen leichten Verlauf. Man sieht die Augen nicht ganz. Das verschafft mir die Hoffnung, dass man mich in Ruhe lässt. Aber sie kommt nicht oft zum Einsatz, für den sie bestimmt ist, denn ich gehe nicht gern auf Premierenfeiern.
Ich habe auch eine Probenbeginn-Irritations-Brille. Die fällt auch in die Kategorie der „Lasst mich in Ruhe“-Brillen. Zu Interviews und Gesprächen trage ich eine, die leicht ins Bläuliche geht. Die führt zu einer gewissen Klarheit, ist hell und nicht zu abwehrend.

Steckbrief
Nicholas Ofczarek
Nicholas Ofczarek wurde in Wien geboren. Sein Vater war der Volksopernsänger und -schauspieler Klaus Ofczarek. Der Sohn studierte am Wiener Konservatorium und wurde von Claus Peymann ans Burgtheater verpflichtet, das er seither an führender Stelle repräsentiert. Seine Film- und Fernsehkarriere umfasst u. a. „Braunschlag“ und „Wir Staatskünstler“, zuletzt die Sky-Serie „Der Pass“. Er ist mit der Schauspielerin Tamara Metelka verheiratet, auch Tochter Maeve Metelka ist in der Branche erfolgreich. Derzeit verkörpert Ofczarek Shakespeares Richard III am Burgtheater. Sein Brillensortiment ist legendär.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 03/2026 erschienen.







