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Trump droht Iran mit „völliger Zerstörung“: Was das bedeuten würde

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Donald Trump

©VCG, IMAGO

US-Präsident Donald Trump verschärft den Ton gegenüber dem Iran und droht mit massiven Angriffen auf Infrastruktur. Experten warnen vor gravierenden Folgen für Zivilbevölkerung, Region und Weltwirtschaft.

Die Eskalation im Iran-Konflikt hat eine neue Stufe erreicht. US-Präsident Donald Trump droht Teheran offen mit massiven Angriffen auf zentrale Infrastruktur – und zeichnet ein Szenario, in dem „eine ganze Zivilisation“ ausgelöscht werden könnte. Hintergrund ist ein Ultimatum an die iranische Führung, ihr Atomprogramm zu beenden und die Straße von Hormuz wieder zu öffnen.

Noch vor Ablauf der Frist kam es zu Angriffen und Explosionen in der Hauptstadt Teheran. Gleichzeitig kündigten die iranischen Revolutionsgarden Vergeltungsschläge auch außerhalb der Golfregion an. Die Spannungen betreffen damit längst nicht mehr nur den unmittelbaren Krisenraum.

Wie ist die Infrastruktur im Iran?

Der Iran verfügt trotz harter internationaler Sanktionen über eine vergleichsweise gut ausgebaute und moderne Infrastruktur. Vieles davon ist staatlich organisiert und wurde in den vergangenen Jahrzehnten teils mit chinesischer Unterstützung weiterentwickelt. Das Land mit seinen rund 90 Millionen Einwohnern und einer Fläche von knapp 1,65 Millionen Quadratkilometern verbindet große Metropolräume wie Teheran, Isfahan oder Mashhad mit weitläufigen, schwer zugänglichen Regionen.

Autobahnen, Ringstraßen und U-Bahnen bilden das Verkehrsnetz innerhalb der Ballungsräume. Auf dem Land wird die Infrastruktur deutlich dünner. Das Schienennetz verbindet die wichtigsten Städte und wird seit Jahren ausgebaut, auch mit Blick auf internationale Handelsrouten. Der Luftverkehr leidet unter den Sanktionen, viele Flugzeuge sind alt, Ersatzteile sind knapp.

Der Iran gehört zu den größten Öl- und Gasproduzenten weltweit und betreibt ein dichtes Netz aus Kraftwerken, darunter große Gaskraftwerke wie in Damavand bei Teheran sowie zahlreiche Staudämme. Diese Anlagen sichern die Versorgung, sind aber zugleich empfindliche Ziele.

Wie ist die Stimmung bei der Bevölkerung im Iran?

Trump hatte bereits vergangene Woche gedroht, die Iraner mit heftigen Angriffen zurück in die Steinzeit zu versetzen – „wo sie hingehören“, wie er sagte. Bei vielen Menschen im Land, auch Regierungsgegnern, löste dies große Empörung aus. Heute überwiegen jedoch Sorgen und Fassungslosigkeit.

Behsad, ein Taxifahrer, lebt nun in täglicher Angst. Seine anfängliche Euphorie über die Schwächung der politischen Führung ist der Ernüchterung über Trump gewichen. „Eins werde ich ihm nie verzeihen. Ich habe jetzt so eine Angst vor Brücken und fahre bis auf Weiteres über keine einzige mehr, selbst wenn das einen Umweg von 100 Kilometern bedeutet.“

Ähnlich äußert sich Mostafa, ein etwa 70 Jahre alter Rentner. „Wir sind Herrn Trump ja dankbar, dass er den Sturz des Regimes wollte“, sagt der Mann, der früher als Buchhalter im Ölministerium gearbeitet hat. „Aber derzeit trifft es eher uns. Er hat uns zu Flüchtlingen im eigenen Land gemacht.“

Eine pensionierte Lehrerin aus dem Westen der Hauptstadt hat sich entschieden, die Stadt zu verlassen. „Wir fahren erst einmal raus, um unser Leben zu retten“, sagt sie. „Bomben und Raketen, jetzt die hohen Preise und ab morgen dann kein Strom und Wasser“, beschreibt sie ihre Befürchtungen.

Sind Angriffe auf Kraftwerke und Brücken Kriegsverbrechen?

Das humanitäre Völkerrecht verpflichtet Konfliktparteien dazu, jederzeit zwischen zivilen und militärischen Zielen zu unterscheiden. „Selbst wenn bestimmte zivile Infrastruktur als militärisches Ziel eingestuft werden könnte, würde das humanitäre Völkerrecht Angriffe darauf dennoch verbieten“, wenn „übermäßige“ Schäden für Zivilisten zu erwarten seien, so der Sprecher von UNO-Generalsekretär António Guterres in New York.

Nach dem humanitären Völkerrecht sind gezielte Angriffe auf zivile Infrastruktur verboten, es sei denn, dass diese auch militärisch genutzt wird. Das könnte etwa für Brücken gelten, über die auch Truppen verlegt oder militärischer Nachschub organisiert werden. Aber selbst wenn ein ziviles Objekt auch militärisch genutzt wird, muss der erwartete militärische Vorteil im Verhältnis zu den absehbaren zivilen Schäden stehen.

Sollten die USA zum Beispiel ein Kraftwerk wie das Gaskraftwerk Damavand in der Nähe der Hauptstadt Teheran angreifen, wären die Folgen für die Zivilbevölkerung absehbar schwer. Sollte der US-Präsident seine Drohungen also tatsächlich so drastisch meinen, wie er sie formuliert, würde er damit offen Kriegsverbrechen androhen.

Ist so ein massiver Schlag gegen den Iran überhaupt möglich?

Russland ist es mit seinen dauerhaften Angriffen auf die Energieinfrastruktur der Ukraine nicht gelungen, das Land in den Blackout zu bomben. Militärexperten erklären aber, dass der Iran sich in einer anderen Situation befindet. Die iranischen Streitkräfte haben die Lufthoheit über das eigene Staatsgebiet demnach weitgehend verloren und sind der israelisch-amerikanischen Übermacht stärker ausgeliefert, auch wenn sie ihrerseits noch schmerzhafte Gegenangriffe führen können.

Ist eine „völlige Zerstörung“ innerhalb weniger Stunden denkbar?

Für großangelegte Angriffswellen müssen Streitkräfte genaue Informationen über die verwundbare oder militärisch wichtige Infrastruktur des Gegners haben. Diese sogenannten Hochwertziele werden in einem Prozess, der als „targeting“ bezeichnet wird, permanent auf eine Bekämpfung und mögliche Zerstörung hin analysiert und ihrer Bedeutung nach geordnet. Dazu gehört auch, die Koordinaten und besten Anflugwege für Marschflugkörper oder Raketenwaffen vorzuhalten. Wenn ausreichende Feuerkraft vorhanden und die Abwehr schon geschwächt ist, können einem Gegner in kurzer Zeit erhebliche Schäden zugefügt werden.

Was würde das militärisch bewirken?

Militärisch hätte ein Angriff auf Irans Energie- und Wasserinfrastruktur nach Einschätzung des Energieexperten Joseph Webster von der US-Denkfabrik Atlantic Council nur geringe Auswirkungen. Während die Zivilbevölkerung großen Gefahren ausgesetzt wäre, wenn Stromnetz, Wasserinfrastruktur und Raffinerien zerstört würden, hätte das Militär „kaum direkte Einbuße“ zu erwarten. Abgesehen von einigen Produktionsanlagen, die an das Stromnetz angeschlossen sind und gezielt angegriffen werden könnten, nutzt das Militär nur begrenzt das nationale Stromnetz.

Stattdessen nutzt es – wie die meisten Streitkräfte – vor allem Mitteldestillate wie Diesel, der sich gut lagern lässt. „Die iranischen Streitkräfte werden mit ziemlicher Sicherheit weiterhin reichlich Zugang zu Diesel für militärische Operationen haben und in der Lage sein, weiterzukämpfen“, so der Experte.

Danny Citrinowicz, einer der führenden Iran-Experten, schrieb auf X, auch schwere Angriffe auf Irans Infrastruktur würden „keine Kapitulation herbeiführen“. Sie würden Vergeltung provozieren, die Entschlossenheit der iranischen Führung stärken und wahrscheinlich eine Eskalation in der ganzen Region auslösen. „Die Annahme, dass allein Druck Teheran brechen kann, ist keine Strategie, sondern Wunschdenken“, schrieb er.

Welche Ziele könnte der Iran seinerseits ins Visier nehmen?

In den Golfstaaten könnten etwa Entsalzungsanlagen angegriffen werden. Die Wasserversorgung von Millionen Menschen wäre gefährdet, denn die Länder sind auf diese Anlagen angewiesen. Angriffe oder Schäden durch herabfallende Trümmerteile gab es etwa schon in Bahrain und Kuwait.

Gemeinsam haben die Länder etwa 3.400 solche Anlagen, in Staaten wie Katar und Bahrain sorgen diese für mehr als 90 Prozent der Trinkwasserversorgung. Viele Anlagen befinden sich an der Küste des Persischen Golfs und nur Hunderte Kilometer vom Iran entfernt. Öl- und Gasanlagen sind bereits Ziel von Angriffen, aber die Lage könnte weiter eskalieren. Technologiezentren und Rechenzentren könnten ebenfalls zum Ziel werden.

Verhandlungen unter Zeitdruck

Parallel zu den militärischen Drohungen laufen laut US-Vizepräsident JD Vance weiterhin Gespräche über eine mögliche Lösung. Beide Seiten liegen jedoch in zentralen Punkten auseinander.

Ob es zu einer Einigung kommt oder die Eskalation weiter voranschreitet, dürfte sich kurzfristig entscheiden. Klar ist bereits jetzt: Die Umsetzung der angekündigten Maßnahmen hätte weitreichende Folgen – weit über den Iran hinaus.

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