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Was man von Elke Kahr lernen kann

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Elke Kahr©APA-Images / APA / ERWIN SCHERIAU

Regierende können in Zeiten wie diesen nur verlieren und einzig Freiheitliche gewinnen? Das ist kein Naturgesetz: Die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr hat gute Chancen, den Gegenbeweis anzutreten.

Für den Erfolg der FPÖ von Herbert Kickl bei der Nationalratswahl 2024 hatte der Sozialforscher Christoph Hofinger eine bemerkenswerte Erklärung: Ihre zentrale Botschaft sei nicht Migration, sondern dass Regierende empathielos seien. Dass sie, mit anderen Worten, keine Ahnung davon hätten, wie es zum Beispiel ist, wenn man sich aufgrund der Teuerung einschränken muss; und dass sie daher nicht in der Lage seien, angemessen darauf zu reagieren. Kickl hatte das im Wahlkampf tagein, tagaus behauptet.

Die Macht der Empathie

Tatsächlich wird die Bedeutung von Empathie für politische Erfolge unterschätzt: Insbesondere Vertreter von ÖVP und SPÖ erklären sich ihre miss­liche Lage gerne damit, dass sie sich in Zeiten wie diesen nur unbeliebt machen könnten. Auf die Idee, bei Sparpaketen etwa zuerst bei sich und der Parteienförderung anzusetzen, kommen sie jedoch nicht. Bei der Präsentation des Doppelbudgets 2027/28 Ende April haben sie ausschließlich eine reale Kürzung von Pensionen und Familienbeihilfen angekündigt.

Wie wichtig Empathie ist, sieht man am Beispiel von Elke Kahr: Die Grazer Bürgermeisterin kann zuversichtlich in die Gemeinderatswahl am 28. Juni gehen. Umfragen zufolge darf sie damit rechnen, gestärkt zu werden – obwohl sie Regierungsverantwortung trägt und nicht bei den Freiheitlichen, sondern bei den Kommunisten tätig ist.

Populistisch aber glaubwürdig

Sogar die New York Times hat es schon erwähnenswert gefunden, dass sie als „marxistische Bürgermeisterin“ in einer „wohlhabenden Stadt“ die Wähler für sich gewinne. Zurückzuführen ist es sehr wahrscheinlich darauf, dass sie niemanden durch ideologische Ansätze weit links der Mitte verstört, sondern sich als oberste Sozialarbeiterin konkreten Pro­blemlagen von Bürgerinnen und Bürgern widmet, die ihr bei Sprechstunden zugetragen werden.

Außerdem spendet sie seit Jahren einen großen Teil ihres Gehalts Bedürftigen und lässt das gerne auch wissen. Das ist einerseits populistisch. Es stärkt andererseits aber ihre Glaubwürdigkeit, nicht nur zu reden, sondern auch zu tun; Sorgen und Nöte nicht hinzunehmen, sondern persönlich einen Beitrag dagegen zu leisten.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 20/2026 erschienen.

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