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Schumann sprach von einem Leuchtturmprojekt und verwies auf die "erschütternden Zahlen": "In diesem Jahr wurden bereits 18 Femizide verzeichnet, bei denen Frauen und Mädchen mutmaßlich von Männern aus ihrem Familien- oder Bekanntenkreis getötet wurden. In Österreich erlebt jede dritte Frau im Lauf ihres Lebens körperliche oder sexuelle Gewalt, häufig in ihrem nahen sozialen Umfeld." Beim Gewaltschutz müsse man auf mehreren Ebenen vorgehen. "Das 'StoP'-Projekt setzt dort an, wo Gewalt besonders frühzeitig erkannt wird und bekämpft werden kann: im unmittelbaren Lebensumfeld, in der Nachbarschaft."
Der Fokus liegt auf dem Erwerb von Kenntnissen im Bereich Gewaltprävention und der Stärkung von Zivilcourage. "Denn nur wer informiert ist, kann auch handeln. Und nur wer handelt, kann Veränderungen bewirken. Ziel ist es, möglichst viele Menschen zu sensibilisieren, zu mobilisieren und zu stärken, damit diese aktiv werden können, wenn sie Gewalt wahrnehmen. Dem Schweigen und Wegsehen soll entgegengewirkt werden", erläuterte die Sozialministerin.
"StoP" wirke am stärksten, wenn "Nachbarschaftstische, Schulungen und lokale Kooperationen ineinandergreifen, wenn Prävention wirklich auch sehr umfassend gedacht wird und als Netzwerk funktioniert", sagte Holzleitner. Es gehe darum: "Dass ein Opfer von Gewalt immer weiß: Es gibt Hilfe. Dass Menschen, die vielleicht nicht unmittelbar von Gewalt betroffen sind, aber sie im Umfeld mitbekommen, wissen: Man kann auch Zivilcourage zeigen. Und dass auch eben Tätern gezeigt wird: Man kann die Gewaltspirale durchbrechen."
Elisabeth Cinatl, Vorstandsvorsitzende der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser (AÖF), des "StoP"-Trägervereins, betonte das dichte Angebot - über 30 Frauenhäuser, über 60 Frauen- und Mädchenberatungsstellen und die Gewaltschutzzentren - und warum mehr und andere Hilfen trotzdem wichtig sind: "Frauen, die von ihren Männern ermordet worden sind", hätten "oft vorher keinen Kontakt zu diesem Unterstützungsnetz" gehabt. "Genau da beginnt das Umfeld zu wirken."
Am Institut für Konfliktforschung (IKF) wurde "StoP" auf seine Wirkung evaluiert. Das Projekt spreche überwiegend Frauen im Alter von 30 bis 60 Jahren an bzw. durch Schulungen auch Jüngere (14 bis 29 Jahre). Eine weitere erreichte Zielgruppe seien (ehemals) Betroffene. Die Arbeit sei "in Bezug auf Gewaltsensibilisierung, Zivilcourage und Aktivitäten über alle Zielgruppen hinweg äußerst wirksam", berichtete Brigitte Temel vom IKF. Empfehlenswert wären ein Ausbau, vor allem auf dem Land, mehr Präsenz etwa auf Social Media und die Stärkung der Männerarbeit, um diese mehr als bisher "ins Boot zu holen". Im Moment stehen die Zeichen eher nicht auf Ausweitung. Schon die Weiterführung stand "sehr an der Kippe", war bei der Pressekonferenz zu hören. Eine Möglichkeit sei, dass sich Städte und Gemeinden stärker beteiligen.
Elisabeth Cinatl schilderte, was ein aufmerksames Umfeld bewirken kann - eine Klientin habe es so auf den Punkt gebracht: "Als mich meine Nachbarin auf meine Situation angesprochen hat, habe ich zuerst verneint, dass mein Mann gewalttätig ist. Aber sie hat mir einfach nur in die Augen geschaut und mir einen Zettel mit den Kontaktdaten des nächsten Frauenhauses und der nächsten Frauenberatungsstelle in die Hand gedrückt und einfach nur gesagt: Weißt du, die sind wirklich nett dort." Eine wichtige Telefonnummer ist die Frauenhelpline 0800/222-555.
(S E R V I C E - Informationsstelle gegen Gewalt: www.aoef.at - Frauenhelpline: www.frauenhelpline.at - HelpChat: https://haltdergewalt.at/ - StoP: https://www.stop-partnergewalt.at/ )
