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Ein bisschen Frieden

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Petra Ramsauer
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Warum ausgerechnet der gefürchtete Angriff des Iran auf Israel zum Moment der Hoffnung für Nahost wurde

Abdullah bin al-Hussein posierte zuletzt mehrmals im Kampfanzug vor den Kameras: Trotz seines Alters, 62, war er im Einsatz. Als Teil einer Crew eines Transportflugzeugs der jordanischen Armee half er, Hilfsgüter über dem Gazastreifen abzuwerfen. Seine 23-jährige Tochter Salma bint Abdullah war als Militärpilotin bei diesen Operationen im Einsatz, mit der die Not der palästinensischen Bevölkerung abgefedert werden sollte.
Die beiden sind nicht irgendwer, sondern der König und eine Prinzessin Jordaniens. Die Luftbrücke, an der sich auch zahlreiche Armeen beteiligten, half zwar der Bevölkerung in Gaza wenig, rettete dem jordanischen Königshaus aber das Gesicht und stützt es im Amt. Immerhin stellen die Nachkommen palästinensischer Flüchtlinge bis zur Hälfte der elf Millionen Einwohner Jordaniens. Straßenproteste gegen das Vorgehen der israelischen Armee in Gaza sind Alltag. Irakische Milizen, Verbündete des Iran, kündigten an, bis zu 12.000 Kämpfer in Jordanien zu trainieren. Sie sollten unter der Führung Teherans eine neue Front gegen Israel öffnen.

Passiert ist allerdings – vorerst – exakt das Gegenteil: König Hussein als Oberbefehlshaber seiner Streitkräfte griff auf Seiten Israels am 14. April ein. Bis zu einem Fünftel der 350 Marschflugkörper, Raketen und Drohnen, die das Mullah-Regime auf Israel abfeuerte, dürften vom jordanischen Militär abgeschossen worden sein. Es kursieren sogar Gerüchte, dass Prinzessin Salma auch Angriffe flog. Für ihren Vater war es ein historischer Moment. Sein Clan der Haschemiten hält die Kontrolle der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem, der jordanische Monarch ist eine stille Großmacht in Nahost, ein wichtiger Schlüssel zur Stabilität. Das hat König Hussein bei seinem Friedenshandschlag mit Israels Premier Yitzhak Rabin 1994 bewiesen. Und das hat sein Sohn Abdullah jetzt, 30 Jahre später, gezeigt.

Ein wertvoller Rat von US- Präsident Biden: „Nimm diesen Sieg, aber halte jetzt still“

Auch andere arabische Staaten, der Irak, Saudi-Arabien, die Vereinigen Arabischen Emirate, waren in die von US-Präsident Joe Biden eilig gezimmerte Allianz eingebunden. So öffnete dieser Moment der Krise den Blick auf eine Lösungsmöglichkeit im Dauerbrandherd. Die Koalition von moderaten arabischen Staaten, die sich gemeinsam gegen Terroristen und ihre Sponsoren stellen. Es steht viel auf dem Spiel: Die beiden Erzrivalen Israel und Iran führen seit Jahrzehnten einen Schattenkrieg. Mit dem Angriff auf ein Treffen von hochrangigen iranischen Revolutionsgardisten hat Israels Premier Benjamin Netanyahu viel riskiert. Dem Regime in Teheran drohte ein massiver Gesichtsverlust, hätte es auf einen Gegenschlag auf den Angriff auf sein Konsulat in Damaskus verzichtet. Fünf eigene militärische Verteidigungslinien halfen Israel, den Gegenangriff des Iran abzuwehren, die wichtigste war aber die sechste Linie der Verbündeten in der arabischen Welt.

„Nimm diesen Sieg, aber halte jetzt still“, soll US-Präsident Biden sinngemäß seinem engen Verbündeten Netanyahu zugeraunt haben. Es ist ein wertvoller Rat: Viel innenpolitischen Spielraum haben die arabischen Staaten, vor allem die Schlüsselfigur Abdullah, derzeit nicht. Der 14. April war eine historische Zeitenwende, nicht als befürchteter Beginn eines Flächenbrandes, sondern der Tag könnte der Anfang einer neuen Friedenshoffnung für Nahost sein, die es zu schützen gilt.

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