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Eva Blimlinger muss mit 65 "niemandem mehr Freude bereiten"

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Die streibare Historikerin, Rektorin und Politikerin wird 65
©APA, EVA MANHART
Eva Blimlinger, die Ex-Rektorin der Kunstakademie und spätere Nationalratsabgeordnete der Grünen, hat das Pensionsantrittsalter erreicht - und der APA ein Pensionsantrittsinterview gegeben. Wie immer nimmt sie sich dabei kein Blatt vor den Mund und teilt gegen den roten Medien- und Kulturminister ebenso aus wie gegen ihre eigene Partei.

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APA: Frau Blimlinger, Gratulation zu Ihrem 65. Geburtstag, den Sie am Samstag feiern. Damit erreichen Sie in Österreich das Regelpensionsantrittsalter, das in Österreich aber nur eine Minderheit wirklich im aktiven Dienst erreicht ...

Eva Blimlinger: Am 1. Oktober ist es bei mir so weit. Ich bin ja Beamtin. Weil ich zuletzt vier Monate quasi im Krankenstand war, mache ich bis Juni 2027 noch ein kleines Forschungsprojekt mit einem Werkvertrag fertig. Österreich ist ja das einzige Land, in dem alle Universitäten inklusive der Kunstunis in einem einzigen Gesetz geregelt sind. Ich schaue mir an, wie es eigentlich unter Blau-Schwarz zu diesem UG 2002 gekommen ist.

APA: Eine universitätshistorische Arbeit, also?

Blimlinger: Ich bin ja Historikerin, aber es hat schon auch aktuelle Aspekte, weil es ja immer wieder darum geht, welche Universitäten man zusammenlegen kann - etwa die IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) mit der JKU (Johannes Kepler Universität Linz). Man fragt sich auch, ob die Bruckner Uni, die als Privatuni ja in Wirklichkeit vom Land gezahlt wird, und die Linzer Kunstuni nicht einfach zusammengeführt werden können. Das werde ich am Ende schon schreiben - nicht zur Freude aller, aber ich muss ja niemandem mehr Freude bereiten.

APA: Von wem haben Sie den Auftrag dafür bekommen bzw. in welchem Rahmen haben Sie dieses Forschungsprojekt finanzieren können?

Blimlinger: Nach meiner Tätigkeit als Abgeordnete bin ich zurück auf die Angewandte gekommen. Was macht aber eine Universität mit einer Person wie mir, die Rektorin und dann Abgeordnete im Parlament war? Aus meiner Sicht hat es zwei Möglichkeiten gegeben: Ich werde so etwas wie eine Beraterin der Rektorin, die damals Petra Schaper Rinkel war (die im Jänner 2025 nach kaum eineinhalb Jahren ihren Rücktritt erklärte, Anm.), oder ich überlege mir irgendein Projekt für meine letzten zweieinhalb Jahre, ohne mich da groß aktuell einzumischen. Und so habe ich eben das vorgeschlagen, auch im Hinblick auf die 25 Jahre UG, die 2027 begangen werden.

APA: Von Ihrem Krankenstand ist Ihnen noch eine Krücke geblieben?

Blimlinger: Ja - es war ein typischer Haushaltsunfall. Ich bin in der Küche gestolpert - Wirbel gebrochen, operiert, zementiert, zugeschraubt und sechs Wochen Spital. Das war aber eh' super, muss ich sagen. Kein schlechtes Wort über das Wiener Gesundheitswesen - alles auf Kasse ohne Privatversicherung! Ich war da in der Akutgeriatrie, dann auf Reha. Jetzt mache ich brav Physiotherapie und gehe zum Kieser und so weiter. Wenn ich durch die Spinalkanalstenose nicht solche depperten Schmerzen hätte, wäre eh' alles gut. Das Wichtigste ist aber, dass ich zum Rauchen aufgehört habe, keine Smart Export mehr. Komischerweise ist es mir nicht wahnsinnig schwer gefallen.

APA: Wie schwer ist es Ihnen gefallen, plötzlich nicht mehr in einer Position zu sein, in der Sie etwas bewegen können?

Blimlinger: Das ist mir gar nicht schwer gefallen, weil mir immer schon klar war: Das steht und fällt mit der Position, und dann bin ich weg. Ich habe das einmal sehr eindrucksvoll erlebt: Ursula Pasterk war seit zwei Wochen nicht mehr Kulturstadträtin - und stand bei einer Eröffnung in der Kunsthalle am Karlsplatz vollkommen alleine. Das hat mich auf gut Wienerisch derbarmt und ich hab' mir gedacht: "Blimlinger, das musst du dir merken für dein Leben." Aber ich bin ja noch in verschiedenen Funktionen, etwa im Kuratorium vom MAK, im Kuratorium vom DÖW, vom Nationalfonds, im Aufsichtsrat der KUGES in Vorarlberg ... Und es macht mir weiterhin Spaß.

APA: Wie viel Spaß haben Sie denn, wenn Sie die Entwicklungen in der Medienpolitik verfolgen?

Blimlinger (schmunzelt): Dieses Zeitungs-Zustellung-Förderungs-Gesetz war gerade in Begutachtung. Da hab' ich natürlich eine Stellungnahme schreiben müssen. Das ist fast eine reine Finanzierung für die Mediaprint. Über 22,5 Millionen Euro jährlich in etwas zu investieren, das eigentlich im Sterben ist, nämlich in Print-Tages- und -Wochenzeitungen - das ist einfach dumm! Und wenn ich als sozialdemokratischer Vizekanzler schon so etwas mache, dann muss das doch gebunden sein an eine faire Bezahlung der Zusteller! Davon ist aber nicht die Rede. Zufällig referiere ich gerade heute bei einer Veranstaltung über Medienpolitik und gebe dort auch einen historischen Rückblick. Als 1975 die Presseförderung eingeführt wurde, übrigens parallel zur Parteienförderung, war eines der Ziele, die regionale Medienvielfalt zu erhalten. Da denke ich mir schon: Ist ja super gelungen nach mehr als fünfzig Jahren, was?

APA: Nun gibt es einen neuen Anlauf, die Medienförderung auf neue Beine zu stellen. Hat das in dieser Regierungskonstellation eine Chance?

Blimlinger: Ich hoffe, dass daraus etwas wird - die Frage ist nur: was? Es sollte darum gehen, qualitätsvolle journalistische Arbeit zu fördern, und nicht darum, Medienhäuser zu unterstützen.

APA: Die ORF-Wahlen sind so transparent abgelaufen wie noch nie. Sind dafür nur die neuen EU-Medienregeln verantwortlich?

Blimlinger: Es sind schon vor allem diese neuen europäischen Regularien. Von selber passiert ja in dem Land gar nichts - ob das die Renaturierung ist oder der ORF. Aber auch die Wahl der Direktorinnen und Direktoren war im Großen und Ganzen eine gute. Und auch die jetzige Konstellation an der Spitze ist gut, weil Ingrid Thurnher jetzt noch alles Mögliche machen kann, wofür sie abgewatscht wird, dabei aber nicht auf später Rücksicht nehmen muss.

APA: Gibt es irgendeine Chance auf ein verändertes ORF-Gesetz, auf wirklich unabhängige Stiftungsräte ohne politische Freundeskreise?

Blimlinger: Mir geht es immer auf die Nerven, wenn man sagt: Man muss das entpolitisieren! Das ist natürlich Blödsinn, weil ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk muss politisch sein. Er darf nur nicht parteipolitisch sein. Unabhängige Stiftungsräte sind so eine Geschichte: Wie wählt man die aus? Und vor allen Dingen: Wer wählt sie aus? Das ist bei den Höchstgerichten dasselbe. Wie wählt man die ganz ohne parteipolitischen Einfluss? Das ist die große Kunst - und bis heute hat mir niemand sagen können, wie man das gescheit löst.

APA: Sie waren viele Jahre im ORF-Publikumsrat. Braucht es dieses Gremium wirklich?

Blimlinger: Meiner Meinung nach ja, aber mit viel stärkerer Kompetenz. Er muss mehr Rechte haben - und er muss bessere Repräsentanz aus der Bevölkerung bieten.

APA: Gibt es etwas, was Sie von der Seitenoutlinie der jetzigen Grünen-Parteichefin zurufen möchten?

Blimlinger: Sie soll sich bitte, bitte, bitte, bitte mehr um Kunst und Kultur kümmern! Wenn die Basisabgeltung für Bundesmuseen und Bundestheater gleich bleibt, heißt das de facto, sie wird immer weniger. Da sagt man ununterbrochen, wir sind eine Kunst- und Kulturnation - und dann macht man nichts. Kunst und Kultur hat mehr Wertschöpfung als die Bauern. Nichts gegen die Bauern - aber so viel Engagement des zuständigen Ministers, wie es für die Bauern gibt, würde man sich ansatzweise für Kunst und Kultur wünschen.

APA: So wie es aussieht, wird die Streaming-Abgabe nicht so kommen, wie man sie angekündigt hat.

Blimlinger: Wir haben sie schon fertig in der Schublade gehabt. Die ÖVP hat leider, muss ich sagen, bis heute nicht kapiert, dass das nichts Böses ist. Das haben Länder wie Frankreich seit Jahren. Wir machen eine Zustellförderung, aber keine Streaming-Abgabe - wie absurd ist das denn? Es heißt immer, es ist kein Geld da. Aber bei der Digitalsteuer, wo man ursprünglich so 20 Millionen jährlich erwartet hat, kommen bereits über 100 Millionen rein. Das könnte man natürlich super im Medien- und Kulturbereich verwenden - wenn man bloß wollte.

APA: Letzter Punkt: das Haus der Geschichte Österreich (hdgö). Der Umzug ins Museumsquartier liegt nun wieder auf Eis.

Blimlinger: Ich habe es ja nie gewollt, jedenfalls nicht in dieser Form. Wenn man es in dieser Form beibehalten will, dann passt es sicher gut ins Museumsquartier. Aber ich finde, das Heeresgeschichtliche Museum, das jetzt eine sehr gute Entwicklung nimmt, wäre mittelfristig der geeignete Platz für die Behandlung der österreichischen Zeitgeschichte. Zuerst müsste es endlich ein richtiges Bundesmuseum werden. Danach könnte man es mit dem hdgö zusammenlegen.

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

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