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Weiter schreibt der 48-jährige Starmer-Vertraute: "Die Entscheidung, Peter Mandelson zu ernennen, war falsch." Mandelson habe der Labour-Party, dem Land und dem Vertrauen in die Politik geschadet.
Vor zehn Tagen waren neue Dokumente aufgetaucht, die das Ausmaß der Beziehungen Mandelsons, der 2024 Botschafter in Washington wurde, zu dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein belegen. Die Unterlagen deuten zudem darauf hin, dass er 2009 und 2010 Regierungsdokumente an Epstein weitergegeben hat. Inzwischen laufen polizeiliche Ermittlungen wegen möglichen Fehlverhaltens im Amt. Labour-Abgeordnete hatten McSweeneys Rücktritt gefordert. Sie und seine politischen Gegner hatten ihm vorgeworfen, bei der Ernennung seines Freundes Mandelson keine gründliche Überprüfung sichergestellt zu haben.
Für Starmer entwickelt sich der Vorgang zur wohl schwersten Krise seiner 18-monatigen Amtszeit. Der Rücktritt seines wichtigsten Strategen, der als Architekt von Starmers Wahlsieg vor knapp zwei Jahren galt, wirft Fragen über die künftige Ausrichtung der Regierung auf. Angesichts schlechter Umfragewerte wird auch innerhalb der Labour-Party offen Kritik an Starmers Urteilsvermögen laut. Es gilt als offen, ob der Rücktritt McSweeneys ausreicht, um die Kritiker zu beruhigen. McSweeney hatte das Amt des Stabschefs erst im Oktober 2024 übernommen, nachdem seine Vorgängerin Sue Gray im Streit um Gehaltsfragen zurückgetreten war.
Grünen-Chef Zack Polanski sagte der Nachrichtenagentur PA zufolge am Samstag, Starmer müsse jetzt zurücktreten und beschrieb die Ernennung Mandelsons zum Botschafter als "katastrophales Fehlurteil". "Starmer wusste, dass Peter Mandelson immer noch mit einem bekannten Pädophilen befreundet war", sagte Polanski demnach. Dennoch habe er ihn geholt, "weil er wusste, dass er in Donald Trumps Ohren flüstern konnte".
Konservativen-Chefin Kemi Badenoch hatte bereits vor Tagen Starmers Rücktritt gefordert. Im Onlinenetzwerk X schrieb sie kurz nach McSweeneys Ankündigung: "Es wurde auch Zeit. Aber wieder einmal schiebt dieser Premierminister die Schuld auf andere." Starmer müsse Verantwortung für seine schrecklichen Entscheidungen übernehmen. "Aber er tut es nie."
Den Botschafter-Posten verlor Mandelson wegen des Epstein-Skandals bereits im vergangenen Jahr, zuletzt trat er auch aus der Regierungspartei Labour aus und gab seinen Sitz im Oberhaus des Parlamentes ab. Zu McSweeneys Rücktritt sagte Starmer laut BBC, es sei eine Ehre gewesen, so viele Jahre mit ihm zusammenzuarbeiten. "Unsere Partei und ich sind ihm zu großem Dank verpflichtet." McSweeney war maßgeblich am Erdrutschsieg der Labour-Party bei den Parlamentswahlen 2024 beteiligt. Seinen Rückzug hatten am Sonntag selbst Labour-Minister nicht kommen sehen.
Während McSweeney für manche Labour-Politiker schon länger ein rotes Tuch war, sind andere überzeugt, dass der Rücktritt kaum etwas nützen wird - im Gegenteil. Ohne den engen Berater, auf dessen Instinkt Starmer sich stets verlassen habe, stehe der Premier eher schlechter da, zitierte die BBC eine Quelle aus der Labour-Party: "Er wäre nicht Premierminister ohne Morgan, und ich frage mich, ob er das jetzt noch viel länger sein wird."
In seinem Abschiedsstatement ergriff McSweeney unterdessen noch einmal Partei für seinen künftigen Ex-Chef: "Er arbeitet jeden Tag daran, Vertrauen wieder aufzubauen, Standards wiederherzustellen und dem Land zu dienen." Ob das flammende Plädoyer für Starmer reichen wird, um diesen im Amt zu halten, ist fraglich.






