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Emmanuel Macron und die Proteste: Was der Präsident einräumt und warum die Zeit drängt

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PARIS, 18. OKTOBER 2026: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vor einer interministeriellen Krisensitzung im Élysée-Palast. Das Treffen findet einen Tag nach Ausschreitungen und Plünderungen im Umfeld der landesweiten Proteste gegen die hohen Lebenshaltungskosten statt.

©AFP, APA, POOL, LUDOVIC MARIN

Hunderttausende demonstrieren in Frankreich, und Präsident Emmanuel Macron steht im Zentrum der Kritik. Was er selbst zu den Protesten sagt, warum ihm nur noch wenige Monate bleiben und wie er vom Finanzbeamten zum Staatschef wurde.

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In Frankreich gehen seit Wochen Hunderttausende Menschen auf die Straße, und im Zentrum der Kritik steht Präsident Emmanuel Macron. Bei einem Besuch in Marseille hat der 48-Jährige am 26. Oktober eingeräumt, dass der Staat auf die Ausschreitungen vom 17. Oktober nicht vorbereitet war. „Es hat ganz klar an Vorausschau gefehlt, und Sie waren an diesem Tag nicht genug Kräfte“, sagte er vor Polizistinnen und Polizisten, wie der Élysée-Palast in seinem Bericht über den Besuch in Marseille dokumentiert. Für den vergangenen Samstag hatte er vor einem weiteren „Samstag mit Risiko“ gewarnt, für den 5. November rufen alle Gewerkschaften zu einem nationalen Aktionstag auf.

Für Macron kommt die Krise zu einem heiklen Zeitpunkt. „Wir sind sechs Monate vor unserer Präsidentschaftswahl“, sagte er in seiner Ansprache an die Französinnen und Franzosen vom 18. Oktober. Antreten darf er dann nicht mehr: Artikel 6 der französischen Verfassung erlaubt nur zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten, und Macron regiert seit Mai 2017. Die Proteste fallen damit in das letzte halbe Jahr eines Präsidenten, der einst ohne etablierte Partei im Rücken den Élysée-Palast eroberte.

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Emmanuel Macron und Brigitte Macron beim Galadinner mit dem spanischen Königspaar im Königspalast in Madrid am 29. September 2026.

 © VIOLETA SANTOS MOURA, AFP, APA, POOL

Was Macron zu den Protesten sagt

Die Bewegung hat nach Macrons eigener Darstellung zwei Wurzeln. Sie sei eine soziale und politische Mobilisierung, die „ihre Wurzeln einerseits in der Mobilisierung der Schülerinnen und Schüler und andererseits in den hohen Lebenshaltungskosten“ habe, sagte er in Marseille. In seiner Fernsehansprache vom 18. Oktober hatte er die Sorgen der Demonstrierenden über die Lebenshaltungskosten und die Treibstoffpreise auf den Konflikt im Persischen Golf zurückgeführt, an dem sich Frankreich nicht beteiligt habe, dessen Folgen das Land aber zu spüren bekomme.

Die Forderungen und Sorgen der Demonstrierenden nannte der Präsident in derselben Rede „legitim“. Zugleich zog er eine scharfe Grenze. Mehrere Hundert Polizistinnen, Polizisten und Gendarmen seien verletzt worden, gegenüber Randalierern und allen, die Gewalt ausüben, werde man „unnachgiebig“ sein. Der Premierminister sollte nach Macrons Ankündigung mit Schülervertretungen, Lehrkräften, Gewerkschaften, Arbeitgebern, Gemeinden und Abgeordneten sprechen, mit den Treibstoffhändlern sollten Maßnahmen zu den Preisen vereinbart werden.

Bei seinem Besuch in Marseille verwies Macron auf einen Hilfsfonds von Staat, Gemeinden und Privatwirtschaft für Betriebe, die bei den Ausschreitungen Schaden genommen haben. Einen Ausnahmezustand sieht er vorerst nicht als nötig an: Republik und öffentliche Ordnung würden „heute ohne den Ausnahmezustand“ gesichert, sagte er. Die Demonstrationsrouten seien neu geplant worden und führten nun außerhalb der Innenstädte.

Herkunft und Ausbildung

Emmanuel Macron wurde im Dezember 1977 in Amiens im nordfranzösischen Département Somme geboren, so die offizielle Biografie des Élysée-Palasts. Er studierte Philosophie und besuchte danach die École nationale d'administration (ENA), die Hochschule für den höheren Staatsdienst, die er 2004 abschloss.

Auch seine Frau Brigitte Macron stammt aus Amiens, wo sie 1953 geboren wurde. Die beiden heirateten laut Élysée am 20. Oktober 2007 in Le Touquet an der Kanalküste. Als Première Dame begleitet sie ihren Mann bei Staatsbesuchen und offiziellen Anlässen.

Vom Finanzinspektor zum Wirtschaftsminister

Nach der ENA arbeitete Macron vier Jahre lang in der Generalinspektion der Finanzen (IGF), danach wechselte er in den Bankensektor. 2012 kehrte er in den Staatsdienst zurück, diesmal an die Spitze: Er wurde stellvertretender Generalsekretär im Präsidialamt unter François Hollande.

Im Juli 2014 verließ er den Élysée, im August 2014 wurde er Minister für Wirtschaft, Industrie und Digitales. Das Amt hatte er bis August 2016 inne. Macron kannte den Staatsapparat damit von innen, bevor er sich überhaupt zum ersten Mal einer Wahl stellte.

Mit En Marche in den Élysée-Palast

Noch während seiner Zeit als Minister gründete Macron am 6. April 2016 die Bewegung En Marche. Mit ihr trat er zur Präsidentschaftswahl 2017 an, die er am 7. Mai 2017 gewann. Er führte die Bewegung bis zu diesem Wahlsieg, aus ihr ging später seine Partei hervor.

Fünf Jahre später, am 24. April 2022, wurde Macron wiedergewählt. In der Stichwahl gegen Marine Le Pen erhielt er laut der Ergebnisverkündung des Verfassungsrats 18.768.639 Stimmen, Le Pen kam auf 13.288.686. Das entspricht gut 58,5 Prozent der gültigen Stimmen für den Amtsinhaber.

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Emmanuel Macron mit König Harald V. von Norwegen beim Staatsbesuch im Königlichen Palast in Oslo am 23. Juni 2025.

 © JAVAD PARSA, AFP, APA, POOL, NTB

Warum die Zeit für Macron drängt

Die Verfassung der Fünften Republik setzt seiner Präsidentschaft eine klare Grenze. Das Staatsoberhaupt wird für fünf Jahre direkt vom Volk gewählt, und „niemand darf mehr als zwei aufeinanderfolgende Mandate ausüben“, heißt es in Artikel 6. Die Präsidentschaftswahl, die nach Macrons Worten vom 18. Oktober in sechs Monaten ansteht, findet also ohne ihn als Kandidaten statt.

Damit bleibt ihm wenig Zeit, die Lage zu beruhigen und sein politisches Erbe zu sichern. Seine Linie hat er in der Ansprache vom 18. Oktober selbst vorgegeben: Verständnis für die Anliegen der Demonstrierenden, Härte gegenüber Gewalt. Ob dieser Kurs trägt, zeigt sich spätestens beim landesweiten Aktionstag der Gewerkschaften am 5. November.

Steckbrief

Name: Emmanuel Macron

Geboren: Dezember 1977 in Amiens (Frankreich)

Amt: Präsident der Französischen Republik seit Mai 2017, wiedergewählt am 24. April 2022

Ausbildung: Studium der Philosophie, École nationale d'administration (Abschluss 2004)

Stationen: Generalinspektion der Finanzen, Bankensektor, stellvertretender Generalsekretär im Élysée (2012 bis 2014), Minister für Wirtschaft, Industrie und Digitales (2014 bis 2016), Gründer von En Marche (2016)

Familie: verheiratet mit Brigitte Macron seit 2007

Quellen

Politik Ausland
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