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Keiner der beiden Blöcke kommt jedoch auf die für eine Mehrheit erforderlichen 61 Sitze in der 120 Sitze zählenden Knesset. Die Wahlbeteiligung am Dienstag erreichte mit 77,7 Prozent den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten.
Laut den Prognosen der drei Sender wird Netanyahus rechtskonservative Likud-Partei mit 27 Mandaten stärkste Kraft im Parlament, auf Platz zwei kommt Eisenkots Mitte-Partei Yashar mit 21 bis 22 Mandaten. Nur der TV-Sender C14, der als Sprachrohr Netanyahus gilt, sieht eine klare Mehrheit von 62 der 120 Mandate für das Lager des Ministerpräsidenten.
Ex-Militärchef Eisenkot will unterdessen rasch eine neue Regierung bilden. Das Land sei "auf dem Weg zu einer neuen Ära der Hoffnung", sagte der Vorsitzende der Mitte-Partei Yashar am Wahlabend vor Anhängern. "Wir haben Geschichte geschrieben", sagte Eisenkot. Er bezeichnete die Parlamentswahl als "Volksbefragung über die künftige Führung Israels". Die Antwort sei eindeutig: "Die Öffentlichkeit hat für eine Veränderung gestimmt." Netanyahus Koalition habe "das Vertrauen des Volkes verloren".
Die Wähler hätten sich "gegen eine Fortsetzung der Amtszeit Netanyahus als Regierungschef" ausgesprochen, sagte Eisenkot. Ein aufrechter politischer Anführer würde sich angesichts eines solchen Ergebnisses "aus dem politischen Leben zurückziehen". Eine weitere Parlamentswahl - die angesichts des unklaren Ergebnisses durchaus möglich erscheint - wäre aus seiner Sicht ein Fehler: "Wir müssen alles tun, um den Willen des Volkes umzusetzen."
Eisenkot bekräftigte zudem drei Grundsätze für die Bildung einer Koalition: die Anerkennung Israels als jüdischer und demokratischer Staat, die Verpflichtung auch ultraorthodoxer Juden zum Wehrdienst sowie die Zerschlagung der palästinensischen Terrororganisation Hamas.
Das Zünglein an der Waage könnten nun arabische Parteien sein. Eisenkot hat eine Regierungsbildung mit ihnen jedoch praktisch ausgeschlossen. Dies erschwert seinen Weg an die Macht selbst dann, wenn sein Block am Ende vorne liegen sollte. Die rechtsextremen religiösen Parteien in Netanyahus Block kommen den Prognosen zufolge auf 13 Mandate. Diese Pattsituation könnte es Netanyahu wiederum ermöglichen, während der voraussichtlich langwierigen Koalitionsverhandlungen als geschäftsführender Regierungschef im Amt zu bleiben.
Der 66-jährige Eisenkot hat sich als stärkster Herausforderer Netanyahus positioniert. Der ehemalige Militärchef, der im Gaza-Krieg einen Sohn und zwei Neffen verlor, gilt innenpolitisch als moderat, vertritt in Sicherheitsfragen jedoch eine harte Linie. Er lehnt einen palästinensischen Staat ab und fordert die Zerstörung des militärischen Flügels der Hamas. Eisenkot ging vor vier Jahren in die Politik. Nach dem Hamas-Angriff 2023 trat er Netanyahus Kriegskabinett bei, verließ dieses jedoch acht Monate später unter scharfer Kritik an der Amtsführung des Ministerpräsidenten.
Netanyahu ist mit fast 19 Amtsjahren der dienstälteste Ministerpräsident in der Geschichte Israels. Er steht wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht, die er zurückweist. Zudem sieht er sich massiver Kritik wegen der Geheimdienstversäumnisse ausgesetzt, die den Hamas-Angriff ermöglichten. Im Wahlkampf hatte der 77-Jährige auf die Unterstützung von US-Präsident Donald Trump gesetzt. Die Pattsituation könnte es Netanyahu nun ermöglichen, während der voraussichtlich langwierigen Koalitionsverhandlungen als geschäftsführender Regierungschef im Amt zu bleiben.
Es war die erste Wahl seit dem Überraschungsangriff der Hamas am 7. Oktober 2023, bei dem 1.200 Menschen getötet und 251 als Geiseln genommen wurden. Der Angriff löste den Krieg im Gazastreifen sowie Konflikte mit der libanesischen Hisbollah-Miliz und dem Iran aus. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden im Gazastreifen wurden bei der israelischen Offensive bisher mehr als 74.000 Palästinenser getötet.
