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Elke Kahr: „Keine Waffen in privater Hand“

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Elke Kahr

©ERWIN SCHERIAU / APA / picturedesk.com

Am 10. Juni tötet ein ehemaliger Schüler eines Grazer Gymnasiums neun Jugendliche und eine Lehrerin. Bürgermeisterin Elke Kahr über Soforthilfe und Maßnahmen gegen Gewalttaten.

Der Vormittag des 10. Juni beginnt für Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) mit einer der erfreulichen Aufgaben ihres Amts: Eine Volksschule hat sich im Rathaus angesagt. Die Politikerin führt die Kleinen gerade durch das Amtsgebäude, als kurz nach 10 Uhr die unfassbare Nachricht eintrifft: Im BORG in der Dreischützengasse wird geschossen, neun Schüler und eine Lehrerin sterben.

Für Elke Kahr ist klar, die Menschen, die von dieser Tragödie betroffen sind, brauchen mehr als Betroffenheitsbekundungen, sie brauchen Hilfe, und das sofort. „Wenn so etwas passiert, kommen auf die Angehörigen enorm hohe Kosten zu. Wir sind heute noch mit den Menschen in Kontakt. Wir sind für sie da, wenn sie etwas brauchen“, erklärt sie im Gespräch mit News.

Soforthilfe für die Angehörigen

Sie veranlasst Soforthilfe. Die Stadt Graz übernimmt die Begräbniskosten, insgesamt 100.000 Euro. Psychotherapien und andere Leistungen werden auch durch eine Spendenaktion finanziert. Die Hilfsbereitschaft ist groß. Das Eintreten für die Hinterbliebenen sei indes keine Vorleistung, um bei der 2026 anstehenden Gemeinderatswahl in Graz bessere Chancen zu haben, stellt die Politikerin heute klar. „Ich helfe aus Menschlichkeit. Das Leid kann den Betroffenen niemand abnehmen. Aber es ist wichtig, dass man nach so einer Tragödie in den Alltag zurückfindet. Deshalb muss man etwas finden, was einen zusammenschweißt.

Waffen sind kein Spielzeug. Das sind Instrumente zum Töten. Jäger und die Exekutive ausgenommen, hat niemand eine Waffe zu besitzen

Elke KahrPolitikerin

Elke Kahr ist eine der Ersten, die dieses Verbrechen zum Anlass nehmen, ein bundesweites Waffenverbot zu fordern. Auch stellt sie sich die Frage: Wie kann ein junger Mann, der vom Bundesheer abgewiesen wird, in den Besitz einer Schusswaffe kommen? „Ich bin für ein generelles Verbot von Waffen in Privatbesitz und werde dafür häufig kritisiert. Aber ich erkläre den Leuten dann immer, dass Waffen kein Spielzeug sind. Das sind Instrumente zum Töten. Jäger und die Exekutive ausgenommen, hat niemand eine Waffe zu besitzen.“

Bei Sportlern, die Waffen nur im Verein verwenden – etwa Biathleten – könne man eine Ausnahme machen, räumt sie ein. Und jedenfalls sei das Waffengesetz jetzt zumindest soweit geändert, dass sich Anwärter ihre Gutachter nicht mehr selbst aussuchen können.

Zum Frieden erziehen

Wird sie die Schulen mehr sichern lassen? „Es hat keinen Sinn, aus Schulen Hochsicherheitstrakte zu machen. Kinder sollen ohne Angst in die Schule gehen. Wir müssen ihnen Werte vermitteln und sie vor dem schützen, was sie in sozialen Medien erfahren. Wir müssen sie zum Frieden erziehen und nicht zur Kriegstreiberei. Das ist die Aufgabe der Eltern, der Lehrer, aber auch der Politik.“

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 51+52/2025 erschienen.

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