Ein bewaffneter Angreifer dringt bei einem Gala-Dinner mit US-Präsident Donald Trump bis zu einer Sicherheitsschleuse vor. Der Vorfall löst Kritik am Sicherheitskonzept aus. Der Kongress will Aufklärung, während Trump den Angriff politisch nutzt.
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Ein vereitelter Angriff auf ein Gala-Dinner mit US-Präsident Donald Trump und zahlreichen hochrangigen Regierungsvertretern hat in den USA eine Debatte über Sicherheitsstandards ausgelöst. Im Zentrum steht die Frage, ob die Veranstaltung ausreichend geschützt war – und warum offenbar nicht alle verfügbaren Sicherheitsressourcen eingesetzt wurden.
Sicherheitsstufe zu niedrig
Wie die Washington Post unter Berufung auf ungenannte Quellen berichtete, wurde das Event nicht mit jener Sicherheitsstufe klassifiziert, die für vergleichbare Zusammenkünfte politischer Spitzenvertreter üblich ist. Dadurch seien nicht sämtliche Schutzmaßnahmen aktiviert worden.
Der republikanische Senator Chuck Grassley reagierte und setzte eine Anhörung an. Der Secret Service soll dabei über das Sicherheitskonzept und mögliche Versäumnisse Auskunft geben. Neben Trump befanden sich bei der Veranstaltung auch Vizepräsident James Vance, Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Peter Hegseth sowie weitere Regierungsmitglieder im Saal. Auch der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, war anwesend.
Angreifer überwindet äußere Sicherheitskontrollen
Der Täter, ein 31-jähriger Mann aus Kalifornien, konnte laut Medienberichten einen Sicherheitsposten des Secret Service überwinden und drang schwer bewaffnet in den Veranstaltungsbereich vor. Erst an einer Sicherheitsschleuse unmittelbar vor dem Ballsaal wurde er gestoppt. Gäste mussten diese Kontrolle erst kurz vor dem eigentlichen Veranstaltungsraum passieren – nicht bereits beim Betreten des Hotels.
Zusätzliche Kritik entzündet sich daran, dass sich der Angreifer offenbar bereits Tage zuvor als regulärer Gast im Washington Hilton eingemietet hatte und so äußere Kontrollen umgehen konnte. In einem Manifest soll er sich selbst über die aus seiner Sicht „lockeren Standards“ gewundert haben.
Die Evakuierung der anwesenden Regierungsmitglieder verlief laut Berichten teilweise unkoordiniert. Während Trump nach etwa 30 Sekunden von der Bühne gebracht wurde, dauerte es bei anderen Ministern rund 150 Sekunden, bis sie den Saal verlassen konnten. Der geschäftsführende Justizminister Todd Blanche verteidigte dennoch das Vorgehen. Gegenüber NBC News erklärte er, das Sicherheitskonzept habe „so funktioniert wie vorgesehen“. Der Angreifer sei kaum über die Sicherheitsschleuse hinausgekommen.
Massive Kritik an Sicherheitsvorkehrungen
Aus dem politischen Umfeld kam hingegen deutliche Kritik. Die MAGA-Aktivistin Kari Lake schrieb auf der Plattform X: „Ich kann kaum glauben, wie lax die Sicherheitsvorkehrungen heute Abend beim White House Correspondents' Dinner waren.“ Später ergänzte sie, es habe „praktisch keine Sicherheit“ gegeben. Auch ehemalige Sicherheitsbeamte fordern Konsequenzen. Künftig müssten die Sperrzonen bei Großveranstaltungen deutlich ausgeweitet werden, um vergleichbare Vorfälle zu verhindern.
Der Verdächtige soll noch am Montag in Washington vor einem Haftrichter erscheinen. Ihm werden unter anderem die Verwendung einer Schusswaffe bei einer Gewalttat sowie ein tätlicher Angriff auf einen Bundesbeamten mit einer gefährlichen Waffe vorgeworfen. Weitere Anklagepunkte könnten folgen. Das Motiv ist bislang unklar.
Trump nutzt Vorfall politisch
US-Präsident Donald Trump griff den Vorfall rasch politisch auf. Bereits kurz nach der Tat erklärte er: „Wenn man viel bewegt, wird man angegriffen.“ Am folgenden Tag zog er in sozialen Medien Parallelen zum früheren Präsidenten Abraham Lincoln und stellte einen Zusammenhang zu seiner politischen Agenda her. Ohne seine Zölle auf Importe und die hohen Militärausgaben wäre er weniger gefährdet, so Trump.
Zudem nutzte er den Angriff als Argument für den geplanten Bau eines neuen Ballsaals im Wert von 400 Millionen Dollar. Dieser soll unter anderem über einen Bunker, ein drohnensicheres Dach und kugelsicheres Glas verfügen. Republikanische Verbündete kündigten an, entsprechende Gesetzesinitiativen einzubringen, um das derzeit gerichtlich gestoppte Projekt doch noch umzusetzen.
Ein Bundesrichter hatte Ende März einen Baustopp verhängt und das Vorhaben ohne Zustimmung des Kongresses für rechtswidrig erklärt. Ein Berufungsgericht setzte diese Entscheidung später vorläufig aus. Nun will das Justizministerium erreichen, dass das Verfahren vollständig eingestellt wird.
Der Vorfall beim Gala-Dinner dürfte die Debatte über Sicherheitsstandards bei Veranstaltungen mit politischer Spitzenbesetzung weiter verschärfen – sowohl im Kongress als auch innerhalb der Sicherheitsbehörden.






