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Kuba in der Krise: Abhängigkeit von Trump wächst

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Für US-Präsident Donald Trump – und vor allem dessen Außenminister Marco Rubio – ist Kuba eine persönliche Angelegenheit.©IMAGO/ZUMA Press Wire

Trump scheint mehr daran interessiert zu sein, einen Vasallenstaat zu schaffen, als ein freies Kuba.

Am 16. März trat Oscar Pérez-Oliva Fraga, ein Großneffe von Fidel Castro, in der staatlichen Fernsehsendung „Mesa Redonda“ auf. Er kündigte an, dass im Ausland lebende Kubaner nun Unternehmen besitzen und in die Infrastruktur der Insel investieren dürften. Ein landesweiter Stromausfall während seines Auftritts sorgte allerdings dafür, dass nur wenige Kubaner hörten, was er zu sagen hatte.

Es war das zweite große Zugeständnis des Regimes innerhalb weniger Wochen. Im Februar begann die Regierung stillschweigend, privaten Firmen den Import von Treibstoff zu gestatten, und brach damit das langjährige Monopol des Staates.

Wirtschaftliche Liberalisierung durch Druck

Diese Reformen stellen die bedeutendste wirtschaftliche Liberalisierung dar, seit Fidel Castro in den 1990er-Jahren erstmals begrenzte private Unternehmen in Kuba zuließ. Sie sind dank des starken Drucks seitens der Vereinigten Staaten zustande gekommen. Kuba ist nicht das auffälligste Ziel für Kanonenbootdiplomatie. Es verfügt weder über den Ölreichtum Venezuelas noch über die nukleare Macht des Iran. Doch Donald Trump und Marco Rubio, sein Außenminister, konzentrieren sich dennoch darauf.

Kuba, das seit Fidel Castros Machtübernahme im Jahr 1959 von demselben repressiven Regime regiert wird, liegt vor Amerikas Toren. Die Unterstützung des Regimes für China und Russland sowie der stetige Zustrom kubanischer Migranten nach Florida stellen seit Langem eine außenpolitische Herausforderung dar. Für Marco Rubio, einen Sohn kubanischer Exilanten, ist dies eine persönliche Angelegenheit. Kuba, so hat er wiederholt betont, muss sich ändern.

Verschärfte Lage

Im Januar holten amerikanische Spezialeinheiten Nicolás Maduro aus Venezuela und die Trump-Regierung übernahm die Kontrolle über die Ölförderung des Landes, die zuvor Kubas wichtigste Energiequelle gewesen war. Seitdem haben die Vereinigten Staaten Kubas Wirtschaft belagert. Sie haben Treibstofflieferungen blockiert und Länder dazu gezwungen, kubanische medizinische Missionen auszuweisen, wodurch die Devisenversorgung des Regimes gestoppt wurde. Man hoffte, dass die Bevölkerung sich erheben und das Regime entmachten würde, oder dass dem Regime keine andere Wahl bliebe, als mit den Amerikanern zu günstigen Bedingungen zu verhandeln.

Das Leben in Kuba war aufgrund der katastrophalen Wirtschaftsideologie des Regimes und des amerikanischen Handelsembargos ohnehin schon hart. Trumps neue Druckkampagne hat die Lage noch weiter verschärft. In den menschenleeren Straßen der Hauptstadt Havanna müssen die Einwohner jeden Tag stundenlang Schlange stehen, um Treibstoff zu kaufen. Die Rollläden der leeren staatlichen Geschäfte sind geschlossen. Da der Peso auf dem Schwarzmarkt immer weiter fällt, reicht ein typisches Monatsgehalt mittlerweile kaum noch für ein Dutzend Eier.

Die Lage in Caracas

Vor der Blockade verbrauchte Kuba täglich rund 100.000 Barrel Öl und produzierte selbst 40.000. Die Hälfte des Defizits, etwa 30.000 Barrel pro Tag, wurde zu einem erheblichen Preisnachlass aus Venezuela geliefert. Die restlichen Lieferungen, hauptsächlich aus Mexiko und Russland, versiegten im Jänner, nachdem Präsident Trump mit Zöllen gegen jedes Land gedroht hatte, das bei der Belieferung der Insel erwischt würde. Das letzte Schiff, das sich der Insel näherte – ein russisches Schiff mit 200.000 Barrel Diesel an Bord – kehrte am 28. Februar um.

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 © Grafik: The Economist

Die Folgen sind dramatisch. Fluggesellschaften aus Kanada und Russland, die in Summe mehr Touristen nach Kuba schicken als der Rest der Welt zusammen, haben Flüge gestrichen, da auf der Insel kein Kerosin für den Rückflug vorhanden ist. Die glanzvollen Hotels entlang der Küste, die im letzten Jahrzehnt von Gaesa – dem Militärkonzern, der einen Großteil der Wirtschaft kontrolliert – gebaut wurden, stehen leer. Krankenhäuser fahren ihren Betrieb zurück. Nachts liegt ein Großteil des Landes im Dunkeln.

Es herrscht Einigkeit darüber, dass die Lage schlimmer ist als während der „Sonderperiode“ Anfang der 1990er-Jahre, als der Zusammenbruch der Sowjetunion und der Verlust ihrer wirtschaftlichen Unterstützung Kuba in eine Rezession stürzten.

Angst vor Repressalien

Die einfachen Leute leiden mehr als das Regime. Die Zahl der von Cubalex – einer in Washington ansässigen Menschenrechtsgruppe – dokumentierten Proteste stieg von 30 im Januar auf 130 in der ersten Märzhälfte (siehe Grafik).

Am 13. März plünderten Demonstranten ein Gebäude der Kommunistischen Partei in Morón in Zentralkuba. Doch die Angst vor Repressalien wie den Massenverhaftungen, welche auf die Proteste im Juli 2021 folgten, hält viele Menschen zurück. Auswanderung ist die bevorzugte Reaktion. Seit 2021 ist Kubas Bevölkerung von 11,2 Millionen auf geschätzt 8,6 Millionen gesunken. Etwa 80 Prozent derjenigen, die das Land verlassen haben, waren zwischen 15 und 59 Jahre alt, womit Kuba das älteste Land Amerikas wurde. Ein Viertel der Bevölkerung ist über 60 Jahre alt.

Das Regime ist kein leichtes Ziel. Die Kommunistische Partei, die Streitkräfte und Sicherheitsdienste bilden ein ineinandergreifendes System. Dieses System wurde über Jahrzehnte hinweg von Fidels Bruder Raúl während seiner langen Amtszeit als Chef der Streitkräfte aufgebaut: Er übernahm das Präsidentenamt im Jahr 2006 von Fidel.

Hochrangige Beamte steuern via Gaesa die lukrativsten Wirtschaftszweige. Im Nordamerika-Referat des Außenministeriums, das die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten pflegt, arbeiten Geheimdienstmitarbeiter. Die Macht liegt nach wie vor bei der Familie Castro: Miguel Díaz-Canel, der derzeitige Präsident, gelobte bei seiner Amtseinführung 2018 öffentlich, sich bei allen wichtigen Entscheidungen Raúl unterzuordnen.

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 © Grafik: The Economist

Doch der jüngste Druck seitens der USA hat das Regime zu Gesprächen gezwungen, zum Teil wegen des Verlusts von Kubas venezolanischer Lebensader: Seit die Vereinigten Staaten Maduro ins Visier genommen haben, hat das kubanische Regime zum ersten Mal in seiner Geschichte keinen Schutzherrn mehr, an den es sich wenden kann. Am 13. März trat Díaz-Canel im Fernsehen auf und räumte ein, dass seine Regierung mit der Trump-Regierung im Gespräch sei. Er wirkte angespannt und schlug einen für ihn ungewöhnlich unterwürfigen Ton an.

Ein Nagelbett

Um die missliche Lage des Regimes zu verstehen, muss man sich die Wirtschaft ansehen. Kubas Wirtschaft ist seit Langem eine der seltsamsten und ärmsten der Welt. Das ursprünglich zentralisierte, von der ­Sowjetunion abhängige System hat sich allmählich zu einem Hybrid entwickelt.

In den späten 1990er-Jahren – inmitten einer tiefen Rezession, die durch den Zusammenbruch der Sowjetunion ausgelöst wurde – erlaubte das Regime widerwillig die begrenzte Selbstständigkeit: Taxifahrer, Friseure, Entertainer und andere konnten sich selbstständig machen. Im Jahr 2021, als die Covid-19-Pandemie die Einnahmen aus dem Tourismus drastisch einbrechen ließ, wurde die Rolle privater Unternehmen erweitert (auch wenn diese nach wie vor klein und stark besteuert sind).

Die staatlich gelenkte Wirtschaft ist stark geschwächt. Sie läuft mittlerweile parallel zum privaten Sektor. Die Zuckerexporte, einst die Haupteinnahmequelle des Staates, gingen in den zwei Jahrzehnten bis 2010 um 90 Pro­zent zurück, während eine Million Kubaner auswanderten. Die Regierung legt nach wie vor die Preise fest und besitzt die meisten Unternehmen. Sie verfügt über fast alle wirtschaftlichen Ressourcen und setzt weiterhin hartnäckig auf kriselnde Branchen wie den Bergbau und die kleinbäuerliche Landwirtschaft. Ernten gibt es praktisch keine.

Die Exporte sind, in US-Dollar von 2022, zwischen 2000 und 2025 um mindestens 75 Prozent gesunken, was teilweise auf den Zusammenbruch der Landwirtschaft zurückzuführen war. Sie machte 2025 nur noch 15 Prozent der Exporte aus, gegenüber 52 Prozent im Jahr 2000. Da die staatlichen Gewinne verschwunden sind, hat die Zentralbank Geld gedruckt, um die inländischen Schulden wegzuinflationieren, wodurch der Peso und die staatlichen Gehälter nahezu wertlos wurden. Laut mehreren westlichen Stellen erzielte Kuba im Jahr 2025 nur magere neun Milliarden US-Dollar an Auslandseinnahmen – etwa ein Viertel dessen, was Honduras, ein regionaler Nachbar mit ähnlicher Bevölkerungszahl, einnahm.

Rubios Strategie

Ein Teil von Rubios Strategie bestand darin, jede verbleibende Dollarquelle systematisch anzugreifen. Der größte Teil, etwa vier Milliarden Dollar im Jahr 2025, stammte aus dem Export von Kubas hervorragenden Ärzten.

Zu Beginn des Jahres 2026 waren etwa 20.000 kubanische medizinische Fachkräfte in Ländern von Italien bis Jamaika tätig. Ausländische Krankenhäuser müssen die kubanische Regierung direkt bezahlen, wobei den Ärzten nur ein Almosen als Gehalt gewährt wird. Mindestens die Hälfte von ihnen befand sich in Venezuela und wurde nun, auf Anweisung der USA, nach Kuba zurückgeschickt.

Rubio hat mindestens 15 weitere Länder dazu gedrängt, ihre kubanischen Ärzteteams auszuweisen. Er bezeichnete diese Praxis als Menschenhandel und drohte mit Sanktionen sowie dem Entzug von Visa. Italien und Katar, wo ein ganzes Krankenhaus mit Kubanern besetzt ist, haben sich bisher gewehrt. Ärmere Länder wie Jamaika, Honduras und Guate­mala haben nachgegeben.

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Havanna: Während eines inselweiten Stromausfalls am 21. Februar 2026 mussten Hunderttausende Kubaner ohne Strom ausharren. Das Stromnetz ist aufgrund der veralteten Infrastruktur und einer US-Ölblockade stark überlastet.

 © YAMIL LAGE, AFP, APA

Die Treibstoffblockade hat den Rest der Wirtschaft lahmgelegt. Tourismus, Bergbau und verarbeitendes Gewerbe, die im vergangenen Jahr weitere zwei Milliarden US-Dollar an Devisen einbrachten, sind zusammengebrochen. Die Exporte von Kobalt, Nickel und Zink hatten 2025 einen Wert von mindestens 600 Millionen US-Dollar. Nun hat Sherritt, ein kanadisches Unternehmen, das als einziges westliches Bergbauunternehmen auf der Insel tätig ist, den Betrieb wegen Treibstoffmangels eingestellt.

Die einzige unberührte Quelle für Deviseneinnahmen sind die drei Milliarden US-Dollar, die jedes Jahr als Überweisungen auf die Insel fließen. Die staatlichen Wechselstuben, die den aktuellen offiziellen Kurs von 460 Pesos pro Dollar anbieten, werden jedenfalls schon lange vom Schwarzmarkt unterboten, der derzeit rund 500 Pesos pro Dollar zahlt.

Die Rolle von Gaesa

Die Aufmerksamkeit richtet sich auch auf Gaesa, das Wirtschaftsimperium der Streitkräfte, dem Kubas größte Bank, die meisten Touristenhotels und die größten Geschäfte gehören. Es wird gemunkelt, dass es sagenhaft reich sei und Dutzende Milliarden Dollar für die Familie Castro und andere Machthaber umleite.

Die Realität, die sich aus der Überprüfung seiner Konten und Gesprächen mit mehreren kubanischen Beamten ergibt, erscheint bescheidener. Bevor die USA die Restriktionen verschärften, verfügte Gaesa über kaum eine Milliarde Dollar an Reserven. Diese Zahl sinkt nun rapide, da seine noblen Hotels leer stehen. Das Konglomerat hatte in den letzten zehn Jahren mehr als 70 Prozent seiner Investitionen in den Tourismus gesteckt – eine Wette, die spektakulär gescheitert ist.

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Havanna: Menschen warten in Havanna darauf, ihre Kanister und Eimer an einem Wassertankwagen zu füllen.

 © YAMIL LAGE, AFP, APA

Kubas gesamte Devisenreserven sind ein streng gehütetes Geheimnis. Mehrere Beamte schätzen, dass die Zentralbank nicht mehr als drei Milliarden Dollar hält. Die Economist Intelligence Unit, eine Schwesterfirma von The Economist, prognostiziert, dass das BIP im Jahr 2026 um 7,2 Prozent schrumpfen wird. Dagegen fällt die Erlaubnis für Exilanten, in Kuba zu investieren, kaum ins Gewicht.

Juan A. Triana, ein kubanischer Ökonom, sagt, die beiden großen Fehler des Regimes seien gewesen, Kubas Abhängigkeit von ausländischen Geldgebern nicht zu verringern und tiefgreifende Strukturreformen abzulehnen. Die Umstrukturierung staatlicher Unternehmen, die Schaffung eines glaubwürdigen Währungssystems und eines funktionierenden Steuersystems hätten das sozialistische Modell bewahren können, das viele Kubaner noch immer schätzen. Nicht jeder will einen McDonald’s am Malecón, der Strandpromenade von Havanna – aber sie wollen eine funktionierende Wirtschaft.

„Flexible Handelsbeziehungen“

Die Frage ist, ob ein Abkommen mit den Vereinigten Staaten dies erreichen kann. Die an den Gesprächen beteiligten Kubaner haben sicherlich die Macht, Veränderungen herbeizuführen. Marco Rubio hat mit Raúl Guillermo Rodríguez Castro, dem Enkel von Raúl Castro, gesprochen. Der 41-Jährige bekleidet zwar kein offizielles Amt, verfügt aber, als vertrauter ehemaliger Leibwächter seines Großvaters, über einen direkten Draht zu ihm.

Zwei weitere, erfahrenere Persönlichkeiten sind ebenfalls beteiligt: Oberst Alejandro Castro Espín, Raúl Castros Sohn und Rodríguez Castros Onkel, eine Schlüsselfigur in den geheimen Gesprächen während der Obama-Ära, sowie Josefina Vidal, eine erfahrene Diplomatin, die einst die Nordamerika-Abteilung des Außenministeriums leitete.

Das klarste Ziel der USA ist wirtschaftlicher Natur. Die Umrisse sind vage, dürften aber den Zugang amerikanischer Firmen zu den Bereichen Energie, Häfen, Tourismus und Telekommunikation beinhalten. Trump hat Kubas Gastgewerbemarkt seit Jahrzehnten im Visier: die Trump Organization ließ 2008 in Havanna ihr Markenzeichen für Hotels, Casinos und Golfplätze eintragen und entsandte 2013 Führungskräfte zur Standortsuche. Pérez-Oliva Fraga erklärte gegenüber dem amerikanischen Fernsehsender NBC, Kuba sei offen für „flexible Handelsbeziehungen“ mit amerikanischen Unternehmen.

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Während Kubas Präsident im Falle eines Angriffs durch die USA öffentlich vor einem „Blutbad“ warnt, geht das scheinbar normale Leben für die Kubaner weiter.

 © YAMIL LAGE, AFP, APA

Im Gegenzug erwartet die Trump-Regierung eine Liberalisierung: die Aufhebung von Beschränkungen hinsichtlich der Größe privater Unternehmen, die Öffnung des Bankensystems und schließlich sogar den Abbau der Monopole von Gaesa. All dies würde erfordern, dass die Vereinigten Staaten ihre eigenen Gesetze ändern, einschließlich derjenigen, die das Korrespondenzbankwesen regeln. Yulieta Hernández Díaz, die eine kleine private Baufirma in Kuba besitzt, befürchtet, dass die Hauptnutznießer große amerikanische Konzerne wären, die sich beim Regime einschmeicheln, während lokale Unternehmen benachteiligt würden.

Auf politischer Ebene ähnelt die amerikanische Politik zunehmend jener Art Facelifting, wie es das Regime in Venezuela erhalten hat. Mit den Gesprächen vertraute Personen sagen, dass die amerikanischen Unterhändler es auf Díaz-Canel abgesehen haben. Ihn jedoch zu stürzen, wäre kein wirklicher Sieg, da er weithin und offen als „singao“ verspottet wird: ein kubanischer Ausdruck, der irgendwo zwischen „Arschloch“ und „Idiot“ liegt.

Er wurde vom Regime gerade deshalb eingesetzt, weil er eben keine drastischen Veränderungen vornehmen würde (seine zweite fünfjährige Amtszeit endet im April 2028). Kuba hat zudem zugestimmt, politische Gefangene freizulassen: Am 12. März hieß es, 51 würden freikommen. Damit bleiben mehr als tausend hinter Gittern.

Die Castros behalten

Bemerkenswert ist, dass die Vereinigten Staaten offenbar keine Maßnahmen gegen Mitglieder der Castro-Familie fordern, die weiterhin Kubas Machthaber sind. Ein Deal, bei dem ein Castro hinter den Kulissen die tatsächliche Macht ausübt, während eine neue Marionette das Amt bekleidet, wäre ein „surreales“ Ergebnis, sagt Ric Herrero von der Cuba Study Group in Washington, die sich für eine Annäherung an Kubas Regierung einsetzt. Trump hat sich nicht zu Demokratie oder politischer Liberalisierung geäußert. Rubio ebenso wenig.

Ob die Trump-Regierung die Drohung mit wirtschaftlichem und militärischem Druck nutzen kann, um Kuba nach ihren Vorstellungen zu lenken, ist unklar, auch wenn ihr Einfluss weitaus größer ist als der, den Barack Obama hatte, als er 2014 eine Öffnung aushandelte. Kubas Regime ist viel schwächer, seine wichtigsten Förderer sind weg, und die neue Blockade gibt Amerika die Macht, die Insel zu ruinieren. „Sie stehen mit dem Rücken zur Wand“, sagt ein ehemaliger US-Beamter, der den Verhandlungen nahesteht. „Sie werden alles tun, um ihre Haut zu retten.“ Bundesstaatsanwälte in Miami wurden angewiesen, Strafverfahren gegen kubanische Führer einzuleiten, was ein weiteres Druckmittel darstellt.

Die Castros mögen glauben, sie könnten durch Dialog eine Abrechnung vermeiden, und darauf setzen, dass Trumps Macht nach den US-Zwischenwahlen im November schwinden wird. Das wäre ein Missverständnis darüber, wie aussichtslos ihre Lage ist, sagt ein regionaler Diplomat, selbst wenn der derzeitige Druck der USA nachlassen sollte.

Rubio, der seine politische Karriere auf seiner harten Linie gegen das Regime aufgebaut hat, und den einige Wettmärkte mittlerweile als den wahrscheinlichsten nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten sehen, scheint bereit zu sein, Geduld zu üben. Im Februar legte er eine Vision für einen schrittweisen Wandel dar. „Kuba muss sich ändern“, sagte er. „Es muss sich nicht auf einmal ändern.“ Doch er klingt noch nicht zufrieden mit den Angeboten des Regimes. Am 17. März sagte er, die Ankündigungen vom Vortag seien „nicht dramatisch genug … Das wird das Problem nicht lösen“, sagte er.

Misstrauisch bei Übergangsabkommen

Rubio wird die Kubanoamerikaner im Auge behalten müssen, die ihm zum Aufstieg verholfen haben. Jeder Weg ins Präsidentenamt führt wahrscheinlich über sie. Sie stehen jedem Übergangsabkommen misstrauisch gegenüber. Die Aussicht, sich in Kuba engagieren zu dürfen, sei „unglaublich spannend“, sagt Joe Garcia, ein in Miami geborener kubanischstämmiger Amerikaner und ehemaliges Kongressmitglied.

Doch er vertraut, wie andere auch, nicht darauf, dass das Regime irgendwelche Versprechen einhält. „Es wäre verrückt, wenn irgendjemand dorthin gehen und sein Geld investieren würde“, denn die Regierung könne die Regeln jederzeit ändern, sagt Bryan Calvo, der kubanisch-amerikanische Bürgermeister von Hialeah, Floridas Stadt mit dem höchsten Anteil an kubanischen Einwohnern. Wenn sich das Regime stark fühlt, erstickt es die Privatwirtschaft mit neuen Vorschriften oder willkürlichen Prüfungen.

Wir haben nicht 67 Jahre lang gekämpft, mit Gefangenen und Toten, um uns das Recht zu verdienen, nach den Regeln eines kommunistischen Regimes zu investieren

Marcell Felipe

Drei kubanisch-amerikanische Kongressabgeordnete – Carlos Giménez, María Elvira Salazar und Mario Díaz-Balart – haben noch härtere Positionen bezogen und bestehen darauf, dass nichts weniger als ein Regimewechsel und ein Abgang der Castros ausreichen würde. „Wir haben nicht 67 Jahre lang gekämpft, mit Gefangenen und Toten, um uns das Recht zu verdienen, nach den Regeln eines kommunistischen Regimes zu investieren“, sagt Marcell Felipe vom Museum der kubanischen Diaspora in Miami.

In Miami, in der Nacht, als Trump begann, den Iran zu bombardieren, dröhnte aus den Lautsprechern eines Konvois von Pick-ups, die mit kubanischen Flaggen und „Trump 2024“-Bannern geschmückt waren, der Slogan „Iran jetzt, Kuba als Nächstes“. In Havanna sagt eine Frau, die 1959, im Jahr von Fidel Castros Revolution, geboren wurde, sie werde sich nicht einreden lassen, dass ein Wandel kommen werde. „Es ist wie die Kurve auf dem Bildschirm eines sterbenden Patienten“, sagt sie. „Es geht einfach langsam den Bach runter.“

Trump versprach, das Regime zu strangulieren. Nun ist er bereit, einen Deal zu schließen, der es am Leben erhält. Er mag dem Regime weiterhin die Daumen drücken. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass dies zu einer wirklich positiven Veränderung führt?

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 22/2026 erschienen.

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