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Bundespräsidentenwahl 2028: Tritt Kickl selber an?

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Herbert Kickl

©Andreas Stroh, IMAGO

In zweieinhalb Jahren wird die Nachfolge von Bundespräsident Van der Bellen bestimmt. Ungewöhnlich früh ist das schon ein Thema. Grund: Der Ausgang wird relevant für die nächste Regierungsbildung

„Sie werden sich wundern, was alles gehen wird“, sagte FPÖ-Kandidat Norbert Hofer im April 2016 in einer Elefantenrunde vor der damaligen Bundespräsidenten-Wahl. Es bezog sich auf die Möglichkeiten des Staatsoberhaupts.

Heute, zehn Jahre später, hat man eine bessere Vorstellung davon: Amtsinhaber Alexan­der Van der Bellen, dem Hofer letzten Endes unterlegen war, hat nach der jüngsten Nationalratswahl mit einer Gepflogenheit gebrochen und nicht automatisch Herbert Kickl (FPÖ) als dem Vorsitzende der stärksten Partei den Regierungsbildungsauftrag erteilt. Dafür ist er kritisiert worden, es war jedoch rechtlich gedeckt, und außerdem hätte er sagen können, dass er als direkt gewählter Bundespräsident über eine besondere demokratische Legitimation verfügt, zu tun, was er für richtig hält.

Kandidatensuche hat begonnen

Das Ganze leitet über zur Bedeutung der kommenden Bundespräsidenten-Wahl: Sie wird zwar erst in zweieinhalb Jahren stattfinden, der Ausgang wird jedoch relevant für die nächste Regierungsbildung; vor allen für Kickl, der davon ausgehen kann, dass seine Partei noch länger die Nummer eins sein wird.

Die Kandidatensuche hat begonnen: Bei ÖVP und SPÖ, zumal sie seit 2016 wissen, dass sie mit den falschen Leuten gleich in der ersten Runde groß untergehen können (damals mit Andreas Khol und Rudolf Hundstorfer); sowie bei den Kleinparteien, zumal durch Ex-GrünenChef Van der Bellen klar geworden ist, was für sie drinnen ist mit einer geeigneten Persönlichkeit.

Starker Mann

Und bei der FPÖ? Ihr Chef braucht einen Mann oder eine Frau, die es in die Hofburg schaffen kann und ihm nach der nächsten Nationalratswahl im Unterschied zu Van der Bellen keine Steine in den Weg legt, sondern ganz in seinem Sinne agiert.

Oder Kickl riskiert und bemüht sich selbst darum, Staatsoberhaupt zu werden. Kalkül: Wird er es und bleibt die FPÖ vorne, könnte er jemanden, der von einer parlamentarischen Mehrheit zumindest geduldet wird und ständig tut, was er ihm anschafft, zum Kanzler machen. Dann könnte er ein starker Mann sein. Klar: Es ist die weniger wahrscheinliche Variante. Sie unterstreicht jedoch, was unter bestimmten Umständen alles möglich ist – es würde in Richtung einer parlamentarischen Präsidentschaftsrepublik gehen, die der Verfassungsrechtler Manfried Welan einmal skizziert hat.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 16/2026 erschienen.

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