Andreas Babler, Christian Stocker und Beate Meinl-Reisinger
©APA-Images, photonews.atDie Regierung hat auf bessere Zeiten gehofft. Umso verhängnisvoller ist, wovon ÖVP und SPÖ getrieben werden. Noch könnten sie die Krise allerdings als Chance begreifen.
Das erste Jahr hat die Regierung überstanden, das zweite ist nicht einfacher für sie. Im Gegenteil: Das Budget ist, wie man heute weiß, nicht saniert. Weitere Einschnitte werden notwendig. Und überhaupt: Hoffnungen, dass sich die Inflationsrate bei gut zwei Prozent einpendelt und die Wirtschaft wieder in Schwung kommt, zerschlagen sich gerade. Damit wird alles viel schwieriger.
Schlimmer: Während sich NEOS einigermaßen halten können, liegen ÖVP und SPÖ in sämtlichen Umfragen so schlecht, dass sie bei all den kommenden Urnengängen ab 2027 mit dramatischen Verlusten rechnen müssen. Egal auf welcher Ebene. Das macht was: Es trägt zu einer Angst bei, von Wählerinnen und Wählern nur noch mehr abgestraft zu werden, wenn man ihnen mit weiteren Dingen kommt, die unangenehm sind.
Im Lichte des Nahostkriegs und der Folgen, die damit einhergehen, riskiert man damit aber nur noch mehr Probleme. Beispiel eins: Weil es dabei immer auch um die Neutralität geht, um die sich Mythen ranken, verdrängt man eine Klarstellung, wie sich Österreich verteidigungspolitisch ausrichten und etwa im Falle von Angriffen auf ein anderes EU-Land reagieren soll. Bis es zu spät ist. Beispiel zwei: Man tut so, als könne man Sprit durch eine Preisbremse spürbar billiger machen, weiß jedoch, dass das falsch ist und Benzin und Diesel trotzdem um so viel teurer werden wird, dass am Ende ausschließlich Enttäuschungen übrigbleiben werden.
Es wirkt aussichtslos, ist es aber nicht zwangsläufig: Noch sind eineinhalb wahlfreie Jahre, haben ÖVP und SPÖ gemeinsam mit den NEOS die Möglichkeit, die Krise als Chance zu begreifen und sich zu ändern: Alle Wähler mögen sich nach besseren Zeiten sehnen. Der Punkt ist jedoch, dass vielen bewusst ist, was es geschlagen hat. Und dass man sie gerade dadurch gewinnen könnte, dass man erstens Herausforderungen offen benennt, und zweitens bei allen Antworten zum Ausdruck bringt, dass sie von Sorge um Land und Leute getragen sind. Dass man also FPÖ-Chef Herbert Kickl widerlegt, der behauptet, man sei vollkommen empathiebefreit.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 14/2026 erschienen.







