4 Juli 1776: Die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung markiert die Geburtsstunde der Vereinigten Staaten u.a. mit John Hancock (Mitte), Thomas Jefferson und John Adams
©IMAGO / H. Tschanz-Hofmann56 Visionäre, Exzentriker und tragische Helden gründeten Amerika.
Vor 250 Jahren beschlossen 13 britische Kolonien an der Ostküste Nordamerikas, sich von der damals mächtigsten Nation der Welt loszulösen und einen unabhängigen Staat zu gründen. Sie verfügten über keine reguläre Armee, keine gemeinsame Regierung, keine gemeinsame Währung und waren sich untereinander nicht einig.
Am 4. Juli 1776 verabschiedete der Kontinentalkongress den endgültigen Text der Unabhängigkeitserklärung. An diesem Tag unterschrieben nur zwei Personen – John Hancock als „President of the Congress“ und Charles Thomson als „Secretary“. Die meisten unterschrieben am 2. August 1776, der letzte, Thomas McKean aus Delaware, ein Jahr später.
Die Delegierten wussten nicht, ob sie Geschichte schrieben oder sich wegen Hochverrats selbst den Strick um den Hals legten. „Wir müssen alle zusammenhalten – oder wir werden ganz gewiss einzeln aufgehängt werden“, kommentierte Benjamin Franklin die Entscheidung.
Todesstrafe
Aus Sicht der britischen Krone war es Hochverrat. Im Falle einer Niederlage drohte eine grausame Hinrichtung: hängen, ausweiden und vierteilen (hanged, drawn and quartered). Fünf Unterzeichner wurden tatsächlich gefangen genommen und auf Gefängnisschiffen und in Kerkern brutal gefoltert. Mehr als ein Dutzend verloren ihre Häuser, ihre Besitztümer und die Plantagen, die von britischen Truppen geplündert oder niedergebrannt wurden. Neun der Unterzeichner starben während des Unabhängigkeitskriegs. Zwei wurden später Präsident, Thomas Jefferson und John Adams.
Die 56 Unterzeichner waren keine Revolutionäre. Unter ihnen waren Anwälte, Kaufleute, Schmuggler, Plantagenbesitzer, ein Richter und ein Musiker. Der jüngste war der 26-jährige Edward Rutledge aus South Carolina. Er wurde von den Briten gefangen genommen und ein Jahr im Gefängnis gefoltert.
Der älteste war der 70-jährige Benjamin Franklin, ein Verleger und Erfinder, der mit dem gefährlichen Drachen-Experiment den Blitzableiter erfand. 41 stammten aus englischen, acht aus schottischen, vier aus irischen Familien, einige waren walisischer und französischer Herkunft.
Die Unterschrift von John Hancock ist größer als alle anderen. Er wolle so groß unterzeichnen, dass der britische König es auch ohne Brillen sehen könne, kommentierte er seine Unterschrift. Bis heute existiert das Sprichwort: „Setze deinen Hancock darunter“ – als Aufforderung, ein Dokument zu unterzeichnen.
Autor der Unabhängigkeitserklärung war der 33-jährige Thomas Jefferson, die er in einem kleinen gemieteten Raum in Philadelphia verfasste, und er schrieb den berühmtesten Satz der amerikanischen Geschichte: „Alle Menschen sind gleich geschaffen.“ Er selbst besaß allerdings mehr als 600 Sklaven.
Symbolfigur der Staatsgründung war George Washington, von 1789 bis 1797 der erste Präsident der Vereinigten Staaten. Nach dem Sieg über die Briten – er war Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee – hätte er sich selbst zum König ausrufen können. Er verzichtete darauf und unterzeichnete 1787 eine Verfassung mit einem auf Zeit gewählten Präsidenten, und schuf damit die Grundlage aller zukünftigen republikanischen Demokratien.
Vergiftung
Caesar Rodney ritt 80 Meilen bei Gewitter von Dover nach Philadelphia, um seine Stimme abzugeben. Delaware hätte sonst 1:1 unentschieden gestimmt. Er hatte Hautkrebs im Gesicht und verbarg es in der Öffentlichkeit immer mit einem grünen Schal.
Stephen Hopkins, der 69-jährige Gouverneur von Rhode Island, litt an Parkinson. Er unterschrieb mit zittriger Hand und sagte laut in den Saal: „Meine Hand zittert, aber mein Herz nicht.“
George Wythe, ein angesehener Richter in Virginia, brachte seinem ehemaligen Sklaven Lesen und Schreiben bei, und setzte ihn als Erben ein. Einer seiner Verwandten sah sich um sein Erbe betrogen und vergiftete Wythe mit Arsen. Beim Prozess wurde er freigesprochen. Der Beweis des ehemaligen Sklaven, der als Zeuge aussagte, hatte keine Bedeutung – schwarze Zeugen vor Gericht durften damals nicht gegen Weiße aussagen.
Carter Braxton, ein reicher Kaufmann aus Virginia, spendete für die Revolutionsarmee. Die Briten vernichteten daraufhin alle seine Handelsschiffe.
Francis Lewis aus New York – die Briten zerstörten sein Haus in Long Island und nahmen seine Frau als Geisel. Sie wurde monatelang ohne Bett oder Kleidung festgehalten und starb kurz nach ihrer Freilassung.
Richard Stockton aus New Jersey wurde von den Briten verschleppt und so brutal gefoltert, dass er einen Schwur auf den König leistete, um freizukommen. Er starb 1781 verarmt und gebrochen.
Frieden von Paris
Der Krieg der 13 amerikanischen Kolonien gegen das Königreich Großbritannien dauerte acht Jahre und endete nach der militärischen Niederlage der Briten am 3. September 1783 mit dem Frieden von Paris, in dem Großbritannien die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten anerkannte.
Der letzte Satz der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 lautet: „Und zur Unterstützung dieser Erklärung, im festen Vertrauen auf den Schutz der göttlichen Vorsehung, verpfänden wir einander unser Leben, unser Vermögen und unsere heilige Ehre.“
Mit ihrer Unterschrift riskierten die 56 Unterzeichner wegen Hochverrats die Todesstrafe, setzten ihr Leben, ihren Besitz und ihren Ruf aufs Spiel.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 27/2026 erschienen.
