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wienerberger verdoppelt den Nettogewinn und greift mit Italcer im Renovierungsmarkt an

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Heimo Scheuch, CEO wienerberger

©Daniel Hinterramskogler/Wienerberger AG

Trotz schwachem Neubau hält der Baustoffkonzern sein operatives Ergebnis stabil, senkt die Verschuldung und kündigt die Übernahme eines italienisch spanischen Keramik-Spezialisten an

Wienerberger hat im Geschäftsjahr 2025 in einem schwierigen Umfeld die Profitabilität deutlich gesteigert. Der Gewinn nach Steuern verdoppelte sich nach Angaben des Konzerns auf 168 Millionen Euro, nach 84 Millionen Euro im Jahr davor. Der Gewinn je Aktie kletterte von 0,72 auf 1,52 Euro. Gleichzeitig meldet das Unternehmen einen Free Cashflow von 474 Millionen Euro, den zweithöchsten Wert in der Firmengeschichte.

Der Umsatz legte im Jahresvergleich leicht auf 4,6 Milliarden Euro zu, nach 4,5 Milliarden Euro 2024. Operativ blieb das Ergebnis nahezu stabil: Das operative EBITDA, also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, lag mit 754 Millionen Euro knapp unter dem Vorjahreswert von 760 Millionen Euro. Die EBITDA-Marge ging leicht auf 16,5 Prozent zurück, nach 16,8 Prozent.

Als zentrale Gründe nennt wienerberger stabile Infrastruktur und Renovierungsmärkte sowie Kostendisziplin. Der Neubausektor sei in den meisten europäischen und nordamerikanischen Märkten deutlich zurückgegangen. Zugleich reduzierte der Konzern die Nettoverschuldung weiter und verbesserte die Verschuldungsquote zum Jahresende 2025 auf 2,2, nach 2,3 im Jahr 2024. Der starke freie Mittelzufluss habe in dem Umfeld höchste Priorität gehabt und solle strategische Spielräume sichern.

Ausblick 2026: leichter EBITDA Anstieg erwartet

Für 2026 rechnet wienerberger weiterhin mit geopolitischer Instabilität und makroökonomischer Volatilität. Eine strukturelle Erholung im Wohnungsneubau sei ebenso wenig absehbar wie eine breite Marktbelebung. Trotzdem stellt der Konzern für das Geschäftsjahr 2026 ein leicht verbessertes operatives EBITDA von rund 760 Millionen Euro in Aussicht, ohne Akquisitionseffekte.

Belastend wirkt laut Unternehmen vor allem das erste Halbjahr 2026, das durch einen „extrem langen und kalten Winter“ in allen Märkten geprägt sein werde. Ab Sommer 2026 erwartet wienerberger eine Erholung, gestützt durch marktbedingte Effekte, Inflationsausgleiche und das Programm „Fit for Growth“, teils kompensiert durch Wechselkurs und energiebedingte Einmaleffekte. Strategisch setzt der Konzern für 2026 drei Schwerpunkte: überdurchschnittliche Marktperformance, Free Cashflow und Ausbau der Ertragsbasis.

Wachstumsschritt: Vereinbarung zur Übernahme von Italcer

Parallel zu den Zahlen kündigt wienerberger den nächsten Schritt in der Wachstumsstrategie an. Das Unternehmen hat eine verbindliche Vereinbarung zum Erwerb der Italcer-Gruppe unterzeichnet. Italcer gilt als führender Hersteller hochwertiger keramischer Lösungen für Böden, Wände und Fassaden, mit Produktionsstandorten in Italien und Spanien.

Italcer ist ein Multi Brand Spezialist mit Fokus auf Premium und Luxus und erzielt nach Angaben von wienerberger rund 350 Millionen Euro Jahresumsatz. Die EBITDA-Marge liege bei über 20 Prozent. Der Zukauf soll das Renovierungsgeschäft stärken, das Portfolio um Premium-Fassadensysteme erweitern und mittelfristig einen EBITDA-Beitrag von über 100 Millionen Euro auf Konzernebene liefern.

Auch Nachhaltigkeit spielt in der Begründung eine zentrale Rolle. Italcer habe branchenführende Standards umgesetzt und als erster europäischer Hersteller von Wand und Bodenfliesen einen zu 100 Prozent elektrisch betriebenen Brennofen eingesetzt. Wienerberger verweist in diesem Zusammenhang auf die Inbetriebnahme des weltweit ersten elektrischen Brennofens für die Ziegelproduktion im oberösterreichischen Uttendorf im November 2024.

Die Übernahme passt in die Diversifizierungsstrategie: Erst 2024 hatte wienerberger mit der Akquisition von Terreal im Dachsegment seine Position im Renovierungsmarkt ausgebaut. Mit Italcer soll nun entlang der Baustoff Wertschöpfungskette insbesondere bei Lösungen für die Gebäudehülle ergänzt werden. Italcer erzielt laut Angaben rund 75 Prozent seines Umsatzes weltweit und bietet ein breites Sortiment von kleinen Fliesen bis zu großformatigen Platten.

Konzernchef Heimo Scheuch betont, der Zukauf erweitere das Angebot vor allem im Renovierungssegment und stärke die Lösungskompetenz für die gesamte Gebäudehülle. Zugleich sollen Italcers Innovationen zur Dekarbonisierung des Keramiksektors die Ambitionen von wienerberger unterstützen, den ökologischen Wandel in der Bauindustrie mitzugestalten.

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