Ein Forschungsprojekt soll zeigen, wo im südlichen Wiener Becken geeignete Thermalwasservorkommen liegen. Die Ergebnisse könnten wichtige Grundlagen für eine klimaneutrale Wärmeversorgung in Niederösterreich und im Raum Wien liefern.
Tiefengeothermie gilt als eine der zentralen Zukunftstechnologien für die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in Österreich. Während Projekte in Wien und im Großraum München bereits zeigen, welches Potenzial in der Nutzung von heißem Tiefenwasser liegt, soll nun auch das südliche Wiener Becken genauer untersucht werden.
Die Montanuniversität Leoben und die EVN arbeiten dazu an einem Forschungsprojekt, das die Verteilung möglicher Geothermielagerstätten im Süden Wiens besser prognostizierbar machen soll. Ziel ist es, geologische Unsicherheiten zu reduzieren und damit eine wichtige Grundlage für künftige Tiefengeothermieprojekte zu schaffen.
Südliches Wiener Becken bislang weniger erforscht
Eine der größten Herausforderungen bei der Nutzung von Tiefengeothermie ist die Frage, ob im Untergrund ausreichend geeignete Thermalwasservorkommen vorhanden sind. Davon hängen die technische Machbarkeit und die Wirtschaftlichkeit möglicher Projekte wesentlich ab. Besonders in der frühen Projektphase sind die Investitionskosten hoch.
Während das zentrale und nördliche Wiener Becken durch jahrzehntelange Öl- und Gasexploration vergleichsweise gut untersucht ist, liegen für das südliche Wiener Becken bislang weniger Daten vor. Genau hier setzt die gemeinsame Studie von Montanuniversität Leoben und EVN an.
Konglomeratgesteine im Fokus
Im Zentrum der Untersuchungen stehen Konglomeratgesteine, die dem alpinen Beckenuntergrund aufliegen und im Wiener Raum gute Lagerstätteneigenschaften aufweisen können. Auch Übergangszonen zum Untergrundgestein könnten für die Produktion von Thermalwasser interessant sein, wenn dort eine hohe Durchlässigkeit vorliegt.
Die Forschenden untersuchen jene Gesteine an den Beckenrändern, an denen sie an der Oberfläche sichtbar sind. Aus diesen Erkenntnissen soll auf ihr Potenzial im Beckenzentrum geschlossen werden, wo sie in mehreren Kilometern Tiefe liegen. Dort können Thermalwassertemperaturen von mehr als 90 Grad Celsius auftreten.
Die gewonnenen Grundlagendaten sollen später dabei helfen, neue seismische Untersuchungen oder Erkundungsbohrungen großräumiger zu interpretieren. Damit könnte das Risiko künftiger Geothermieprojekte deutlich besser eingeschätzt werden.
Wissenstransfer in Forschung und Lehre
Für Univ.-Prof. David Misch, Leiter des Lehrstuhls für Energy Geosciences an der Montanuniversität Leoben, zeigt das Projekt die zentrale Rolle geologischer Forschung für die Energiezukunft Österreichs. Um den Untergrund für CO₂-neutrale Energieproduktion und Speicherung bestmöglich nutzen zu können, müsse sein Aufbau bekannt sein.
Die laufenden Feldarbeiten liefern laut Misch nicht nur neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entwicklung des Wiener Beckens. Sie fließen auch direkt in die Ausbildung ein, etwa in Form von Bachelor- und Masterarbeiten. Dadurch soll Fachwissen an die nächste Generation von Expertinnen und Experten im Geoenergie-Bereich weitergegeben werden.
EVN sieht Geothermie als Generationenprojekt
Auch für die EVN hat das Projekt strategische Bedeutung. G. Götzl, Teamleitung Geothermie bei EVN Wärme, bezeichnet die Erschließung der Tiefengeothermie als Generationenprojekt für eine regionale und zukunftsfähige Wärmeversorgung in Niederösterreich. Im Zusammenspiel mit Biomasse könne Tiefengeothermie künftig einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Wärmeerzeugung leisten.
Die Kooperation mit der Montanuniversität Leoben ermögliche es, für dieses Vorhaben auf aktuelle wissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse zurückzugreifen. Damit soll die Basis geschaffen werden, das geothermische Potenzial im Süden Wiens fundiert zu bewerten und mögliche nächste Schritte für die Umsetzung vorzubereiten.






