ABO

So entsteht das Bühnenbild für „Tosca“ in St. Margarethen

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Artikelbild

vlnr Herbert Herl Ben Reichert Christopher Winter Daniel Serafin Günther Kittler Edi Edelhofer

©Andreas Hafenscher

Für die Inszenierung von Puccinis „Tosca“ entstehen monumentale Kulissenteile, bewegliche Spezialkonstruktionen und eine barocke Bildwelt mit enormem technischem Aufwand.

Noch bevor sich die Bühne im Steinbruch St. Margarethen ab 15. Juli 2026 in das Rom um 1800 verwandelt, nimmt das Bühnenbild in den Werkstätten von Winter Artservice Gestalt an. Bei einer Führung durch den Betrieb wurde deutlich, mit welchem Aufwand die Kulisse für „Tosca“ realisiert wird. Das Unternehmen setzt die Bühnenbilder für die Oper im Steinbruch heuer bereits zum 16. Mal um.

Zu den prägenden Elementen der Inszenierung zählen ein monumentaler Hauptaltar, große Kerzenständer, ein Heiligtum und ein Weihrauchfass. Die tragenden Stahlkonstruktionen entstehen in Zusammenarbeit mit der burgenländischen Metallbaufirma Pinterich, die für die technische Umsetzung verantwortlich ist.

Barocke Bildsprache für das Drama von Puccini

Regisseur und Bühnenbildner Thaddeus Strassberger setzt bei „Tosca“ auf eine opulente, zugleich bedrohliche Ästhetik. Gold- und Marmoroberflächen, Skulpturen und großformatige Architekturelemente sollen das Spannungsfeld zwischen barocker Pracht und Verfall sichtbar machen. Die Bildsprache orientiert sich an der Kunst des römischen Barock und greift Einflüsse von Caravaggio, Artemisia Gentileschi, Domenichino und Bernini auf.

Daniel Serafin, Intendant der Oper im Steinbruch, sieht darin ein Beispiel für das enge Zusammenspiel von Musik, Raum und Bild. Das Bühnenbild sei eigens für den Steinbruch entwickelt worden und füge sich stimmig in die besondere Topografie des Spielorts ein.

9.000 Arbeitsstunden, 80 Tonnen Stahl, 500.000 Schrauben

Die Dimensionen der Produktion sind beträchtlich. Laut den Verantwortlichen fließen mehr als 9.000 Arbeitsstunden in die Herstellung der Kulisse, dazu kommen rund 6.500 Maschinen- und Roboterstunden. Eingesetzt werden unter anderem CNC-Holzbearbeitung, 3D-Fräsen, 3D-Druck und robotergestützte Fertigung.

Allein für Planung und Programmierung wurden rund 1.300 Stunden aufgewendet. Entstanden sind mehr als 50 technische Pläne mit einem Datenvolumen von über 80 Gigabyte. Verbaut werden unter anderem 80 Tonnen Stahl und Gerüstbau, 500.000 Schrauben, sechs Kilometer Staffeln und Theaterlatten sowie 8.300 Quadratmeter Holzplatten. Hinzu kommen mehr als sechs Tonnen Putz und Farbe.

Christopher Winter, Gründer und Geschäftsführer von Winter Artservice, sprach von einer besonders anspruchsvollen Produktion. Die Zusammenarbeit mit Thaddeus Strassberger sei für sein Team von großer Bedeutung. Erfahrungen aus seiner Ausbildung bei Walt Disney kämen bei den monumentalen Bauten spürbar zum Einsatz.

Bewegliche Spezialelemente als technische Herausforderung

Zu den auffälligsten Bauteilen zählt der rund 24,5 Meter breite und bis zu 7,6 Meter hohe Hauptaltar mit einer zwölf Tonnen schweren Stahlkonstruktion. Das Heiligtum misst etwa 16,5 Meter in der Breite sowie rund zwölf Meter in Höhe und Tiefe und bringt rund 40 Tonnen auf die Waage. Zwei große Kerzenständer erreichen Höhen von 7,5 und 6,5 Metern.

Besonders anspruchsvoll ist laut technischem Leiter Edi Edelhofer das Weihrauchfass, das nach dem Vorbild des berühmten Kessels aus Santiago de Compostela konstruiert wurde. Es wird während der Aufführung von Menschenhand in Bewegung gesetzt und über eine spezielle Mechanik wie ein Pendel geschwungen. Auch ein Engel mit beweglichen Bauteilen gehört zu den kompliziertesten Konstruktionen der diesjährigen Produktion, weil er auf der Bühne kontrolliert zerfallen und wieder in seinen Ausgangszustand zurückkehren soll.

Hinzu kommt eine überdimensionale Kanone an der rechten Felskante in 20 Metern Höhe. Sie wiegt rund zwei Tonnen und bleibt nicht nur Dekoration, sondern wird auch akustisch Teil der Inszenierung.

Nachhaltigkeit bleibt Teil des Konzepts

Neben Größe und Technik spielt auch Nachhaltigkeit eine Rolle. Einzelne Elemente des Bühnenbildes sind so geplant, dass sie später möglichst weiterverwendet werden können. Damit knüpft die Oper im Steinbruch an ihren Anspruch an, große Bühnenwelten nicht nur spektakulär, sondern auch ressourcenschonend zu realisieren.

https://www.operimsteinbruch.at

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER