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"Wien um 1900 war zweifellos eine Stadt der Fassaden, in der jede Mietskaserne aussehen musste wie ein Adelspalais, mit Stuck und griechischen Säulen und Atlas-Figuren an den Türen, klassischen Masken, Putten, Gesimsen und Girlanden - alle bereits massenproduziert und in Fachkatalogen zum Kauf angeboten", schreibt Herausgeber Blom in seinem Vorwort. Das Buch versucht einen Blick hinter diese Fassaden. "Wien um 1900 war die Stadt von Gustav Klimt und Otto Wagner, aber auch die der Immigranten und Tagelöhner, die ihre Sprachen, ihren Humor, ihre Küche und ihre Ängste mitbrachten, die Stadt der Kleinbürger und Kaffeehaustypen, der Prostituierten im Prater und der großen Damen auf der Ringstraße. Wien war vielschichtig und kompliziert, ethnisch durchmischt und innerlich zerrissen."
Die Perspektiven der einzelnen Aufsätze sind erfreulich vielschichtig. So schreibt der Wirtschafts- und Sozialhistoriker Peter Eigner über "Lebenswelten von Wiens Unterschichten um 1900", Georg Gaugusch über "Strukturen in der Wiener Gesellschaft vor dem Zweiten Weltkrieg". Veronika Helfert widmet sich den "Wienerinnen um 1900", der Kulturhistoriker Gavin Plumley unter dem Titel "Sex, Lügen und Scheinheiligkeit" den "geheimen Leidenschaften in Wien um 1900". Der britische Historiker und Journalist Richard Cockett fasst unter dem Titel "Die Wiener Melange - Kultur, Kunst und Wissenschaft" die Thesen seines 2024 mit dem Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch ausgezeichneten Werks "Stadt der Ideen. Als Wien die moderne Welt erfand" zusammen, und Philipp Blom selbst liefert mit Exkursen über Sigmund Freud, Arthur Schnitzler und Gustav Mahler drei biografische Variationen zum Thema "Wer war Jude im Wien der Habsburger?"
(S E R V I C E - Philipp Blom (Hg.): "Wien. Aufbruch um 1900", Brandstätter Verlag, 272 Seiten, über 300 Abbildungen. 75 Euro, ISBN: 978-3-7106-0978-7. Für Plätze für die Präsentation am 29. um 18.30 Uhr im Leopold Museum gibt es bereits eine Warteliste.)
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Brandstätter Verlag
