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Smith ist nur wenige Tage in Großbritannien. "Das Erste, was ich mache: eine Wurst essen. Weil ich die Würstchen in Großbritannien vermisse. Es gibt einfach bestimmte Sachen, die ich hier sofort essen muss." Der Lebensmittelpunkt hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verschoben. Smith lebt an der US-Ostküste, ist verlobt und rundum glücklich. Das ist auf "Hazel Eyes" deutlich zu hören - nicht nur, weil fast das komplette Album im New Yorker Stadtteil Brooklyn aufgenommen wurde.
Auf dem fünften Studioalbum schlägt Smith ein neues Kapitel auf. Die Platte steht im Zeichen der Liebe zu Christian Cowan (32). Der Titel verweist auf die haselnussbraunen Augen des Modedesigners. Im Mittelpunkt stehen Nähe, Glück, Streit und Verlust - und damit eine Partnerschaft, die lebt, sich verändert und nicht immer nur einfach ist.
"Ich bin in einer wunderschönen, erwiderten Beziehung. Und das Album zeigt genau das, aber eben auch die Höhen und Tiefen der Liebe - und dass Liebe manchmal schwierig sein kann und man bereit sein muss, harte Dinge durchzustehen und schwierige Gespräche zu führen."
Damit unterscheidet sich "Hazel Eyes" deutlich von Smiths bisherigen Alben. Der Popstar, der mehrere Grammys und einen Oscar für den Bond-Titelsong "Writing"s on the Wall" gewann, wurde mit Liedern über Herzschmerz berühmt. Der Welthit "Stay With Me" (2014) war Soundtrack gebrochener Herzen, auch die Platten "The Thrill of It All" (2017) und "Love Goes" (2020) kreisten um Verlust und emotionale Trennungen.
"Gloria" brachte 2023 zusätzlich eine provokantere Seite hervor. Der Welthit "Unholy" mit der Deutschen Kim Petras setzte auf elektronische Wucht und eine bewusst aufsehenerregende Inszenierung mit viel Haut und Latex.
Auf der neuen Platte klingt Smith dagegen persönlicher und unmittelbarer. Zum ersten Mal geht es um eine Liebe, die von beiden Seiten ausgeht. "Alle meine Songs waren schon immer meine eigenen Geschichten und meine eigenen Lebenserfahrungen. Aber das ist jetzt das erste Mal, dass ich über eine Beziehung singe, die gut gelaufen ist. Und das ist emotional, weil es etwas ist, das noch lebt und atmet, das mir immer noch so viel Freude macht", sagt Smith. Das Album solle sich "wie eine warme Umarmung" anfühlen.
Die Ballade "Everlasting Love" eröffnet die Platte dann auch als große Liebeserklärung mit Akustikgitarre, Streichern und Blasinstrumenten. Den Song begann Smith in der Nacht vor dem ersten Date mit Cowan. Fertiggestellt wurde er erst, als die Beziehung bereits gewachsen war.
In der bereits veröffentlichten Single "My Guy" hört man Smith das Glück und den Stolz auf den Partner regelrecht an, darin heißt es: "Du kannst träumen, er gehört dir, soviel du willst, aber er gehört mir, mir, mir. Er ist mein Typ."
"Als wir "My Guy" geschrieben haben, habe ich einfach nur Rotz und Wasser geheult, weil ich das Gefühl hatte, ich hätte ein ganzes Leben lang darauf gewartet, so einen Song zu singen — etwas so Einfaches mit so viel echter Liebe dahinter."
Dass es in der verträumt-melodischen Liebesballade um zwei männlich gelesene Personen geht, macht es für Smith, der sich selbst als nicht ausschließlich männlich oder weiblich identifiziert, noch besonderer.
"Man muss queere Liebeslieder nicht immer tanzen. Manchmal kann man einfach mit einer Tasse Tee oder einem Glas Wein dasitzen und zuhören", erzählt der britische Popstar. "Gerade für nicht-binäre Personen und Transmenschen ist es gerade überall auf der Welt beängstigend und gefährlich. Und ich wollte etwas veröffentlichen, das sich warm anfühlt."
Nicht nur thematisch, sondern auch musikalisch schlägt "Hazel Eyes" einen neuen Weg ein, der die angesprochene Wärme unterstreicht. Die Aufnahmen entstanden überwiegend mit echten Instrumenten: Gitarren, Streicher, Bläser, Klavier und Chöre prägen den Klang. Elektronische und künstlich polierte Sounds wurden weitgehend vermieden.
Selbst die extrem hohe Stimme (nur im poppigen "Constant Companion" singt Smith außergewöhnlich tief) blieb möglichst roh und wurde nur sparsam bearbeitet. Der Popstar war außerdem stärker in den Produktionsprozess mit seinem alten Freund Simon Aldred eingebunden als je zuvor. Die Aufgabe im Studio bestand für Smith vor allem darin, die beteiligten Musikerinnen und Musiker "in den richtigen Kopf- und Gefühlsraum" zu führen.
"Moondance" mit der kanadischen Musikerin Feist ist für Smith der ungewöhnlichste Titel der Platte. E-Gitarren, dunkle Klangflächen und ein Underground-Club-Gefühl bestimmen den Song. Smith löst sich hier bewusst von den gewohnten Pop-Strukturen. "Ich spiele mit Sounds, die ich so noch nie gehört habe".
Vertrauter klingen da schon Songs wie "When He's Gone" über die Angst, die Liebe wieder zu verlieren, "Oh Mother" oder "To Be Free": dramatisch und kraftvoll. "Hazel Eyes" zeigt Sam Smith erstmals in einer Liebe, die nicht bloß erinnert oder betrauert wird, sondern gegenwärtig ist. Es ist Musik über das Glück, angekommen zu sein - und über die Erkenntnis, dass auch erfüllte Liebe verletzlich bleibt.
(Von Thomas Bremser/dpa)
