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Den antiken Zeitgenossen habe "eine besondere Ehrfurcht vor alten Ruinen" gefehlt, schreibt der Inhaber des Lehrstuhls für Alte Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität. Sie hätten sich die Ruinen eher über die Plünderung von Kunstwerken oder als Material für neue Wohnungen angeeignet. So wurde etwa Persepolis, die Hauptstadt der Perser, nach der Zerstörung durch Alexander den Großen im dritten Jahrhundert vor Christus für einen wenige Kilometer entfernten Siedlungsbau geplündert. Denkmalschutz? Damals undenkbar.
Zimmermann gibt in seinem mehr als 500 Seiten dicken Buch einen Überblick über die Bedeutung berühmter Städte in Griechenland, dem Römischen Reich, Ägypten oder Mesopotamien. Das in den Homer-Epen überlieferte Troja – dessen historische Existenz bis heute diskutiert wird – sei schon damals nur gesehen worden "als Sinnbild der Vergänglichkeit von Städten oder Imperien und als Beleg dafür, dass die Dichtkunst langlebiger sei als jeder Stein".
Auch das vom Vesuvausbruch zerstörte Pompeji war für die Zeitgenossen schnell uninteressant und wurde über Jahrhunderte buchstäblich von Asche begraben. Über Schriftsteller wie Plinius den Jüngeren überlebte der Ort in Schriften. Das sagenhafte Korinth wiederum wurde nach der Zerstörung durch die Römer durch den Medea-Mythos lebendig gehalten. Eine literarische Präsenz benötigt keine materiellen Überreste.
(S E R V I C E - Martin Zimmermann: "Versunkene Welten. Ruinenstädte in der Antike von Troja bis Pompeji", C.H. Beck, 544 S., 40,70 Euro)
MÜNCHEN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/C.H.Beck





