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State of the ART(ist) Award 2026 geht an Paolo Almario

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Marmelade / Paolo Almario (CO/CA)

©Paolo Almario

Ars Electronica zeichnet Paolo Almario und Sara Azadkhani für Arbeiten über politische Macht, Repression und Frauenrechte aus.

Der kolumbianische Künstler Paolo Almario erhält den mit 6.000 Euro dotierten Hauptpreis des State of the ART(ist) Award 2026. Ausgezeichnet wird seine Installation „Marmelade“, die sich mit Korruption, politischer Macht und der Verfolgung seiner Familie auseinandersetzt. Der mit 4.000 Euro verbundene Award of Distinction geht an die iranische Fotografin Sara Azadkhani für ihr Projekt „Canvas“.

Die Initiative von Ars Electronica und dem österreichischen Außenministerium unterstützt seit 2022 Kunstschaffende, deren Lebens- und Arbeitsbedingungen durch Krieg, politische Repression, eingeschränkte Meinungsfreiheit, Umweltkrisen oder andere Formen struktureller Gewalt bedroht sind. 2026 wurden 561 Projekte aus 86 Ländern eingereicht. Damit verzeichnete die Ausschreibung die bisher größte Resonanz seit ihrer Gründung.

„Wir leben in einer Zeit, in der das Schaffen von Kunst für viele zu einem Akt des Mutes geworden ist, zu einem Akt der Verteidigung demokratischer Werte und künstlerischer Freiheit“, erklärt die internationale Jury.

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Marmelade / Paolo Almario (CO/CA)

 © Paolo Almario

Paolo Almario zerlegt politische Macht in ihre Einzelteile

Für „Marmelade“ fertigte Paolo Almario Porträts von Personen aus dem kolumbianischen Justiz- und Staatsapparat an. Die Fotomosaike bestehen aus rund 4.800 von Hand zugeschnittenen Marmeladenetiketten, die auf Plexiglas befestigt wurden. Aus der Distanz sind Gesichter erkennbar, aus der Nähe lösen sie sich in Tausende einzelne Fragmente auf.

Während der Ausstellung zerlegen sieben robotische Maschinen die Porträts nach und nach. Die Etiketten fallen auf einen gedeckten Tisch und auf den Boden, wo sie sich mit Brotkrümeln und Marmeladeresten vermischen. Das Publikum ist eingeladen, kolumbianische Marmelade zu verkosten.

Der Titel bezieht sich auf den in Kolumbien gebräuchlichen Begriff „mermelada“, der für die klientelistische Verteilung politischer Macht steht. Durch die Demontage der Porträts und den gemeinsamen Verzehr wird die zuvor dargestellte Macht symbolisch an die Öffentlichkeit zurückgegeben.

Die Arbeit beruht auf der jahrzehntelangen politischen Verfolgung von Almarios Familie. Die porträtierten Personen stehen mit dem gegen seinen Vater geführten Verfahren in Verbindung. Die persönliche Geschichte wird damit zum Ausgangspunkt einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit staatlichen Institutionen und ihren Grenzen.

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Canvas / Sara Azadkhani (IR)

 © Sara Azadkhani

Sara Azadkhani dokumentiert die Spuren eines Scheidungsverfahrens

Sara Azadkhani untersucht in „Canvas“, wie sich rechtliche und gesellschaftliche Machtstrukturen auf den Körper und das Leben von Frauen auswirken. Ausgangspunkt ist ihr zweijähriger Scheidungsprozess im Iran.

Nach Angaben der Künstlerin erlebte sie dabei ein Rechtssystem, in dem Männer über eine Scheidung entscheiden und Frauen mitunter auf Geld, ihr Zuhause oder ihre Kinder verzichten müssen, um eine Ehe beenden zu können. Die psychische Belastung hinterließ Verletzungen und Narben auf ihrem Körper.

Azadkhani fotografierte ihre Haut und machte die sichtbaren Spuren zu einem Archiv ihrer Erfahrungen. Die Bilder verbinden ihre persönliche Geschichte mit den gesellschaftlichen und politischen Bedingungen, unter denen Frauen im Iran leben.

Ausgezeichnete Projekte beim Ars Electronica Festival

„Marmelade“ und „Canvas“ werden beim Ars Electronica Festival von 9. bis 13. September 2026 präsentiert. Die Arbeiten sind Teil der Themenausstellung „Negotiating Humanity“ und des Festival Walk, der vom OK Platz zu unterschiedlichen Ausstellungsorten führt.

Paolo Almario und Sara Azadkhani werden während des Festivals in Linz anwesend sein und ihre Projekte persönlich vorstellen.

https://ars.electronica.art/

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