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Norwegens Jonas Lovv hat lange am ESC-Coup gearbeitet

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Jonas Lovv machte Bekanntschaft mit der Wiener Kaffeehauskultur
©APA, Roland Schlager
Norwegens ESC-Kandidat Jonas Lovv (31) hat es mit einem Rocksong nach Wien geschafft - nicht als einziger Act heuer. Mit der APA sprach er in der Café Conditorei Sluka in der Wiener Kärntner Straße - dem offiziellen "Eurofan Café" Norwegens - über Stimmprobleme, Gitarrenriffs, Showeffekte, Wien, den "Manboy Cosmó" und den langen Weg von seiner Heimatstadt Bergen bis zum 70. Eurovision Song Contest, wo er im zweiten Halbfinale (14. Mai) startet:

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APA: Wie ist die Stimme beisammen, denn nach der Show in London vor kurzem hatten Sie ja ein paar Probleme?

Jonas Lovv: Wir konnten jetzt schon eine richtig gute erste Probe abliefern, müssen aber aufpassen. Ich gebe jetzt ein paar Interviews. Das ist für die Stimme zum Teil fast anstrengender, als wenn man singt. Jetzt geht alles darum, leise zu sein, wenn ich kann, und dann zu sprechen, wenn ich muss.

APA: Kennen Sie die Geschichte, dass Conchita letztes Jahr in Basel JJ mit einem Sprechverbot belegt hat, um die Stimme zu schonen. Sind Sie offen für solch extreme Maßnahmen?

Lovv: Wenn es wirklich notwendig würde, muss man das machen. Wir haben aber schon einiges reduziert, das ich nicht unbedingt machen muss, und uns auf die Dinge fokussiert, die mir wichtig sind. Ihr könnt euch also glücklich schätzen (lacht). Aber ich möchte jeden einzelnen Tropfen sozusagen heraussaugen aus dieser Erfahrung. Ich liebe das hier einfach so sehr. Ich möchte ein Teil davon sein. Wir müssen aber priorisieren. Es zerreißt mir ein wenig das Herz.

APA: So wie sich das Bild des ESC für Sie hier in Wien jetzt zeichnet, ist es vergleichbar mit Ihren Erwartungen?

Lovv: Absolut, wir sind am Weg, die Show auf die Beine zu stellen, die wir produzieren wollen. Die Crew hier in Wien ist nur hilfreich, absolut professionell und so nett. Ich denke, wir haben etwas Großes auf den Boden gebracht - oder werden das zumindest spätestens bei unserer nächsten Probe. Es geht uns nicht darum, ob das gut genug für den Sieg oder die Qualifikation (für das Finale am Samstag, Anm.) ist. Es geht darum, das zu bekommen, was wir den Fans zeigen wollen und selbst tun wollen. Ich möchte später auf eine gute Performance zurückschauen können.

APA: Es ist wirklich eine große Bühne. Wie fühlt es sich an, dort zu stehen?

Lovv: Mir ist am wichtigsten, mich nicht hinter etwas zu verstecken. Das heißt: keine Tänzer, kein Konfetti. Ich möchte mit meiner Band dort authentisch sein und Menschen zeigen, dass das eine Rockshow ist und es nicht immer ausgefallene Dinge braucht. Manche Acts steigern sich mit solchen Effekten ungemein. Ich möchte ich selbst sein, so gut es möglich ist. Ich denke, unser Song ist echt simpel und geradeheraus. Es ist Rock, es soll catchy sein. Ich denke, wir brauchen all das Extrazeug nicht.

APA: Um auf die Band und die Produktion einzugehen: Wer hatte die Idee für das Gitarrenriff?

Lovv: Oh, das war mein Produzent (Sondre Skaftun, Anm.)! Ich bin zwar ein Solokünstler, aber die Leute, die ich als meine Band bezeichne, spielen mit mir seit nahezu zehn Jahren. Von den kleinsten Klubs in Bergen den ganzen Weg bis hierher auf die Eurovision-Bühne. Es war so wichtig für mich, diese Leute mitzunehmen. Sie gehören zu meinen besten Freunden, und auch wenn wir keine traditionelle Band wie die Beatles oder die Rolling Stones sind, bedeutet es mir extrem viel. Sie helfen mir auch, bescheiden zu bleiben - auch auf so einer großen Bühne.

APA: Was macht "Sie" denn aus? Wo liegen Ihre musikalischen Wurzeln?

Lovv: Ich kann sehr vieles hören, habe aber mit Punkrock als Teenager begonnen. Meine Eltern waren nicht musikalisch. In der Schule zeigten mir musikalische Kids dann Rock und Musical. Dann spielte ich Instrumente, hörte Led Zeppelin, Queen, natürlich Michael Jackson, aber auch Robbie Williams. In jeder Gruppe, die zu meinen Idolen zählen, gibt es einen großartigen Performer.

APA: Wo in Ihrer Entwicklung spielt der Song Contest hinein?

Lovv: Für mich ist es sozusagen die Essenz von mir! Es geht um die Musik, aber auch darum, eine große Show zu liefern. Sich so zu zeigen, wie man ist, wird total akzeptiert in dieser Community. Das ist eine wunderschöne Sache! Ich wünschte, dass gerade in Zeiten, wo die Welt so in Aufruhr ist, das auch mehr Leute wertschätzen könnten.

APA: Auf der anderen Seite ist es auch ein Wettbewerb. Sie haben ja viel Erfahrung mit Castingshows. Wie geht es Ihnen mit diesem Aspekt - dem Kompetitiven?

Lovv: Diese Seite ist diejenige, über die ich als Letztes nachdenke. Klar ist der Wettbewerb beim ESC wichtig, aber es stand immer der verbindende Gedanke an erster Stelle. Die Gemeinschaft ist wichtiger als der Wettbewerb.

APA: Wer ist denn Ihr Favorit?

Lovv: Ich denke, das ist Søren (Torpegaard Lund, Anm.). Nicht weil er aus dem Nachbarland Dänemark kommt, aber er hat einen großartigen Song und er traut sich, in der Muttersprache zu singen. Das ist mutig.

APA: Sie haben nicht den einzigen Rocksong im Bewerb. Wird der ESC insgesamt etwas härter?

Lovv: Ich denke, er wird immer mehr zu einem echten Kultur- und Genremix - wie es auch sein sollte. Wenn man alles in eine Playlist wirft, geht man auf eine verdammt weite Reise - und das liebe ich.

APA: Sie kommen offensichtlich gut mit Österreichs Starter Cosmó aus. Denken Sie daran, vielleicht einmal etwas zusammen zu machen?

Lovv: Ich hoffe, das werden wir einmal! Ich habe ihn in Oslo auf der Pre-Party kennengelernt und fühlte sofort eine Verbindung mit ihm. Wir sind gute Freunde geworden, chatten jeden Tag und sehen uns hoffentlich bald hier in Wien. Er ist, wie auch Søren, zu einer "Safety-Person" in all dem hier geworden. Ich nenne ihn einen "Manboy": Er ist sicher kein Bub, aber sicher auch kein Mann (lacht). Er passt perfekt zum Song Contest.

APA: Haben Sie jemals über einen "Plan B" nachgedacht, falls es mit der Musik doch nicht klappt?

Lovv: Ich hatte eigentlich keinen kommerziellen Erfolg, bis ich 30 Jahre alt war. Ich sehe das heute positiv, denn mit 19 Jahren hätte ich vieles anders gesehen. Wenn man etwas so lange so sehr wollte, dann bereitet einen das vor. Ich habe wirklich viele, viele Jahre dafür gekämpft! Ich mache Musik seit 17 Jahren. Als mein Sohn geboren wurde, hat mir das die Motivation gegeben, nochmals alles ein Level höher zu schrauben. Es ist unfair für ein Kind, einen Vater zu haben, der eine so unsichere Sache verfolgt, ohne dafür wirklich alles zu geben. Er war ein großer Antrieb für mich. Ich habe 14 Jahre in einem Büro gearbeitet. Jetzt Vollzeitkünstler sein zu können, ist ein Segen - und sehr herausfordernd!

(Das Gespräch führte Nikolaus Täuber/APA)

Norwegens ESC-Starter Jonas Lovv im Rahmen eines Interviews mit der APA in einem Kaffeehaus in Wien am Donnerstag, 7. Mai 2026.

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