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70. ESC - ORF-Programmchefin: "Das Budget wird halten"

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Stefanie Groiss-Horowitz ist momentan im ESC-Dauereinsatz
©APA, GEORG HOCHMUTH
Die kommende Woche wird auch für Stefanie Groiss-Horowitz ein Großkampfereignis, zeichnet die ORF-Programmdirektorin doch federführend dafür verantwortlich, wie der 70. Eurovision Song Contest in der Wiener Stadthalle ablaufen wird respektive sich Österreich dabei der Welt repräsentiert. Aus diesem Grunde sprach die APA mit der 49-Jährigen über die Rückkehr zur Idee der Bühnenshow, das Budget, das hält, und die Frage, wie man auch dem Unmut von Menschen Raum lässt.

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APA: Was ist momentan noch Ihre Rolle beim ESC? Die großen Entscheidungen sind ja bereits gefallen ...

Stefanie Groiss-Horowitz: Meine Aufgabe ist es derzeit vor allem, Vorfreude auf die Shows und das große Finale zu verbreiten. Ich darf bei vielen Gelegenheiten Stimmung für den ESC machen, was mir leicht fällt, weil ich sehr stolz auf unsere Arbeit bin. Zu Beginn lag mein Fokus darauf, die grundsätzliche Tonalität festzulegen, die großen Leitlinien zu definieren und vor allem das richtige Team zusammenzustellen. Mit Michael Krön als Executive Producer, Mischa Zickler als Show Producer und den anderen Heads haben wir ein Dream-Team zusammengebracht, das dieses Projekt äußerst souverän umsetzt.

APA: Die personellen Kalamitäten des ORF in den vergangenen Wochen und Monaten hatten also keinen Einfluss auf die Umsetzung des Projekts ESC?

Groiss-Horowitz: Nein. Zu diesem Zeitpunkt war das Projekt weitgehend aufgesetzt. Alle großen unternehmenspolitischen Fragen und die Finanzierung waren bereits geklärt.

APA: Apropos Finanzierung. Das Netto-Budget des ORF von 16 Mio. Euro für den ESC hält? Oder geht es sich wie im Vorjahr bei der Schweizer SRG sogar unter den Planungen aus?

Groiss-Horowitz: Das Budget wird halten. Gleichzeitig sagen wir aber auch ganz klar: Der beste Event ist nicht automatisch jener, der unter Budget abgeschlossen wird. Unsere Verantwortung besteht darin, die sehr straff kalkulierten Vorgaben einzuhalten. Innerhalb dieses Rahmens wollen wir aber eine Veranstaltung schaffen, auf die alle stolz sein können und die damit ein Vielfaches an Werbewert für die österreichische Wirtschaft generieren kann.

APA: Was hat man aus Basel mitgenommen?

Groiss-Horowitz: Im Anschluss haben wir intensiv darüber diskutiert, ob wir diese Materialschlacht jedes Jahr weiter eskalieren wollen. Immer mehr Geld, immer mehr Licht und immer größere Bühnen können auf Dauer nicht die Zukunft des Song Contest für die europäischen öffentlich-rechtlichen Sender sein, die alle eine Verantwortung im Umgang mit Gebührengeldern haben. Deshalb haben wir gesagt: Wir wollen alles bieten, was eine moderne State-of-the-Art-Show ausmacht, gleichzeitig aber den Event wieder greifbarer machen. Unsere international hoch gelobte Bühne ist dafür der Schlüssel. Sie ist von allen Seiten der Halle einsehbar, was enorm viel zur Atmosphäre beitragen wird. Der Wiener ESC soll auch als echte Liveshow erlebbar sein. Unser Ziel war es, aus der größten Musikshow der Welt wieder verstärkt auch die größte Bühnenshow der Welt zu machen.

APA: Im Vorjahr hat die Debatte um eine Teilnahme Israels den eigentlichen Bewerb praktisch überlagert. In den vergangenen Monaten ist es diesbezüglich eher ruhig geworden. Wie zuversichtlich sind Sie, dass dies auch in der eigentlichen ESC-Woche so bleibt? Oder ist das überhaupt das Ziel?

Groiss-Horowitz: Ich hoffe natürlich, dass das Thema nicht so stark in den Vordergrund rückt, dass es den Event und die positive Stimmung überschattet. Gleichzeitig gehört es zu einer Demokratie, dass Menschen auch Raum haben, ihren Unmut zu äußern. Gerade für uns als öffentlich-rechtlicher Sender ist das etwas, das wir ernst nehmen und akzeptieren. Deshalb würde ich mir niemals anmaßen alle zur bedingungslosen Fröhlichkeit aufzufordern, nur weil der ESC ein unterhaltsames Event ist. Wir leben in einer sehr zugespitzten und aufgeheizten Weltlage, und Proteste werden nicht völlig verschwinden. Aber wir sind sehr gut vorbereitet und deshalb überzeugt, dass wir einer friedlichen Woche entgegensehen.

APA: Wie wird man mit den zu erwartenden Unmutsäußerungen in der Halle beim Auftritt des israelischen Kandidaten umgehen? Wird der ORF diese wie manch andere Sender bisher bei der Übertragung überdecken?

Groiss-Horowitz: Im Mittelpunkt steht hier für uns die Fairness. Es geht darum, Verhältnismäßigkeiten korrekt abzubilden. Sollte es tatsächlich große Proteste geben, werden wir das nicht verschweigen. Wenn allerdings kleine Gruppen überproportional laut auftreten, dann gibt es auch keinen Grund, ihnen denselben Raum zu geben wie den übrigen 10.000 Menschen in der Halle, die das nicht tun. Letztlich ist das eine journalistische Entscheidung, die wir auch journalistisch treffen werden. Glaubwürdigkeit ist unser höchstes Gut - und das gilt selbstverständlich auch bei Unterhaltungsevents.

APA: Dann blicken wir doch auf die eigentliche Musik. Haben Sie - abseits des österreichischen Kandidaten Cosmó natürlich - einen persönlichen Favoriten?

Groiss-Horowitz: Abgesehen von Cosmó werde ich mich hüten, persönliche Favoriten zu nennen. Das sind schließlich alles unsere Gäste. Ich wünsche mir, dass alle gut performen, dass es ihnen gut geht und dass sie die besten drei Minuten ihres Lebens haben. Meine persönlichen Highlights liegen heuer eher bei den Interval-Acts, die wir gestalten. Es gibt einige Momente, auf die ich mich besonders freue, weil sie sehr emotional werden.

APA: Wer zumindest bei den Buchmachern mit zu den Favoriten zählt, ist die australische Teilnehmerin Delta Goodrem mit "Eclipse", die momentan auf Platz 4 gereiht wird. Sollte Down Under wirklich gewinnen, müssten sie sich einen Ausrichter suchen. Jetzt, da man gerade so im Flow ist: Wirft der ORF dann auch für 2027 seinen Hut in den Ring? Zahlen würde schließlich Australien ...

Groiss-Horowitz: Wir haben ja sogar einen Show-Act, der die ewige Verwechslung zwischen Austria und Australia augenzwinkernd aufgreift. Aber ernsthaft: Ich glaube, das kann ich ausschließen. Zum Wesen des ESC gehört einfach dazu, dass der Tross jedes Jahr weiterzieht und an einem anderen Ort Station macht. Genau das ist auch Teil der besonderen Folklore dieses Events.

(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)

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