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Lange Schlange beim Einlass, vor dem Merchandisestand und lange Schlangen vor jeder Bierausschank: So geordnet sich Besucherinnen und Besucher vor den Zutrittskontrollen, für T-Shirts und Gerstensaft anstellten, so rund ging es im Saal - oder, um einen Titel von Anthrax zu zitieren, im "Madhouse" - zu. Für viele im Publikum hieß es "Caught In A Mosh" (ebenfalls ein Songtitel der Band): Zum von Hardcore und Punk mitgeprägten Sound von Anthrax und dem Herumgehopse der Gruppe ließen sie sich in den Mosh- und Circle-Pit mitreißen. Da war auf und vor der Bühne viel Bewegung.
Die New Yorker zählen wie Megadeth zu den Big Four des Thrash Metal, und Hymnen wie "Antisocial" und "Indians" sind auch nach rund vier Jahrzehnten nicht gealtert. Mit Präzision, Spaß und solidem Gesang von Antreiber Joey Belladonna erspielten sie sich lautstarke "Anthrax!"-Rufe, besser kann man Stimmung nicht anheizen.
Es war angerichtet für Megadeth, die mit "Tipping Point" vom finalen Studioalbum "Megadeth" loslegten. "Take No Prisoners" folgte, überaus lautstark wie der ganze Abend und ein passendes Motto zur Bandgeschichte. Die Zahl der ehemaligen Musiker um Mustaine ist lange. Aber der Gitarrist und Sänger ging unbeirrt seinen Weg und ließ sich auf keine großen kommerziellen Experimente wie Metallica ein, die er 1983 nicht gerade im Wohlwollen verließ oder verlassen musste - "I Don't Care" sang Mustaine.
Seine aktuelle Mannschaft erzeugte ordentlich Druck. Der Drummer drosch gnadenlos auf sein Instrument ein, Bassattacken trieben Songs wie "Hangar 18" und "Angry Again" an, und nicht ohne Grund hieß ein Song im Set "Let There Be Shred": Mustaine und Teemu Mäntysaari wechselten sich beim wieselflinken Gitarrengeschredder und bei langen Soloteilen ab.
Als Reminiszenz an frühe Karrieretage gab es "Mechanix", einen Song, den Mustaine noch bei Metallica geschrieben hat (die ihn zu "The Four Horsemen" änderten). Textlich geht es um Sex an einer Tankstelle. Mustaine hat jedoch auch Gehaltvolleres zu sagen: "Countdown To Extinction", "Peace Sells" und "Holy Wars" sind Mitgrölkracher mit Inhalt. Da gab es kein Halten mehr, und wen störte es da, dass Mustaines Stimme mit der Power der Musik über Strecken nicht mithalten konnte? Dass die Band zwischen den Liedern längere Zeit von der Bühne verschwand? Dass der Sound bei Megadeth etwas verwaschen war? Dass Anthrax in Sachen Stage-Acting mehr Dynamik aufboten? Egal, man hat schließlich eine Legende in guter Form noch einmal erlebt.
(Von Wolfgang Hauptmann/APA)





