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Drehbuchautor Jack Thorne ("Adolescence") widmet vier Protagonisten je eine Folge: Sie setzen sich, jeder auf seine Weise, in der Extremsituation auf der verlassenen Pazifikinsel mit ihrer Männlichkeit auseinander, während in den Köpfen der Halbstarken der Wahnsinn schrittweise um sich greift.
Da ist "Piggy", die Stimme der Vernunft, der in Ralph seinen ersten Verbündeten trifft. Da ist der machthungrige Jack, der die komplett orientierungslose und zerbrechliche Gruppe spaltet, um die Macht an sich zu reißen. Und da ist Simon, ein Träumer, der zwischen den beiden Seiten, dem Guten und dem Bösen, hin- und hergerissen ist.
Am Beispiel der Gruppe zeigt Golding in seinem mehr als 70 Jahre alten Klassiker meisterhaft, wie Regeln zerbröseln, Instinkte siegen und Hemmungen fallengelassen werden - eine Insel als Schlachtfeld für den ewigen Kampf zwischen Vernunft und Barbarei.
Die dritte Verfilmung des Werks wirkt bisweilen ein wenig, als stecke man den Kopf in einen Farbtopf. Serien-Regisseur Marc Munden taucht die Episoden in saftiges Grün, schließlich in vergiftetes Rot, um die Eindrücke, die auf die Kinder einprasseln, so unmittelbar wie möglich zu transportieren. Er setzt zudem Effekte mit weitwinkligen Bildern und extremen Nahaufnahmen von Gesichtern, aufgeplatzten Lippen, dreckigen Wangen und von Angst gezeichneten Augen.
Allerdings gelingt ihm keine neue Interpretation des Klassikers. Die Serie erreicht hohes Niveau mit emotionaler Wucht und ist sehenswert, sie bleibt aber durchschaubar mit Längen – in Erinnerung bleiben die jungen Schauspieler, allen voran David McKenna als Piggy, Lox Pratt als Jack und Winston Sawyers als Ralph.
(Von Martin Oversohl/dpa)
(S E R V I C E - www.sky.de/serien/lord-of-the-flies )
LONDON - GROSSBRITANNIEN: FOTO: APA/APA/Eleven Film Ltd.
