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Beim Opener "Bloom Baby Bloom" sang Rowsell zunächst in Falsett-Stimmlage auf einem Podest, auf dem Schlagzeug und Keyboard geparkt waren, um dann über eine kleine Showtreppe herabzusteigen und ins Mikro zu röhren, wenn der Song mit markanter Bassline an Wucht dazugewann. Der Song stand repräsentativ für die makellose Darbietung an diesem Abend: Die Besetzung von Wolf Alice versteht es, geschmeidigen Pop mit viel Kraft zu verbinden, Hochglanz mit Kanten, ohne nur ansatzweise aufgesetzt zu wirken.
Beim anschließenden Alt-Rock-Track "White Horses" mit leichtem psychedelischen Einschlag übernahm Drummer Joel Amey die Lead-Vocals, Rowsell steuerte die Harmonie im Chorus bei. Mit dem mitreißenden "Formidable Cool" als drittem Track vom 2017 erschienenen, mit dem prestigeträchtigen britischen Mercury Prize ausgezeichneten "Visions Of A Life" präsentierten Wolf Alice ihre düstere Seite: Alternative-Rock mit Brachialgitarren steht ihnen genauso gut wie später im Set die Gänsehautballade "The Last Man On Earth".
Die Setlist bot eine ausgewogene Mischung aus Material von "The Clearing" - wunderbar dreampoppig: "The Sofa" und "Just Two Girls" - und eben Ausflügen in die Vergangenheit. Rowsell überzeugt als "klassische" Frontfrau mit Mikro über die stilvoll designte Bühne tänzelnd ebenso wie mit Gitarren (u.a. einer Gibson Flying V) als Bestandteil einer kompakten Band ohne Egos. Da darf Bassist Theo Ellis auch immer wieder die Ansagen übernehmen. Ein "Happy Birthday"-Ständchen des spürbar enthusiasmierten Publikums für Rowsell durfte nicht fehlen. Je länger das Konzert, umso intensiver und energiegeladener wurde sie, wie es sich für eine Geburtstagsparty auch gehört.
Da fetzten Wolf Alice durch die punkigen "Yuk Foo" und "Play The Greatest Hits", servierten Grunge-Pop erster Klasse mit "You're A Germ" im Zugabenteil und huldigten dem Vorbild Nirvana mit einer gekürzten Version von "Smells Like Teen Spirit". Das reguläre Set hatten sie mit dem perfekten Popsong "Don't Delete The Kisses" beendet, den endgültigen Schlusspunkt setzen sie mit "Giant Peach", einem Lied, zu dem man tanzen, aber auch ausrasten kann, wie Rowsell einst sagte. Genau darin liegt die Stärke dieser Band: Beides bringen sie lässig unter einen Hut. Seit ihrer Wien-Premiere vor zehn Jahren (im Vorprogramm von Alt-J) haben Wolf Alice bei jeder Rückkehr ordentlich abgeliefert.
(Von Wolfgang Hauptmann/APA)
(S E R V I C E - www.wolfalice.co.uk )
