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Klo, Uhr, Puppe: Buchreihen über tägliche Lebensbegleiter

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Wichtiges "Ding des Lebens": Das Klo
Radio, Fahrrad oder Bleistift - wir sind von vielen Dingen umgeben, die wir täglich verwenden und die unser Leben erleichtern. Diesen Alltagsgegenständen widmen sich zwei österreichische Verlage in ähnlich aufgemachten kulturgeschichtlichen Essay-Reihen. Der Residenz Verlag lässt prominente Autorinnen und Autoren über "Dinge des Lebens" nachsinnen, im Limbus Verlag macht man sich Gedanken über die "Kultur der Dinge". Beide Reihen haben Zuwachs bekommen.

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Schon der spätere Literaturnobelpreisträger Peter Handke wagte 2012 einen "Versuch über den stillen Ort". Nun schreibt Bachmann-Preisträger Franzobel über "Das Klo", einen Ort, an dem der Mensch angeblich durchschnittlich drei Jahre seines Lebens verbringt. Seine Betrachtungen bieten eine unterhaltsame Mischung aus persönlichen Erinnerungen und kulturhistorischen Hinweisen. Franzobel erinnert sich an die Klos seiner Kindheit und seiner Reisen: "Mein schlimmstes Kloerlebnis hatte ich auf einer Autobahnraststation in Kuba. (...) Es roch nach totem Biber und sah aus, als wäre ein von Gärgasen aufgetriebener Kadaver explodiert."

Er schrieb einst Gedichte auf Toilettenpapier und macht sich nun Gedanken über Tätigkeiten, die man auf Aborten sonst noch durchführt, durchforstet das Gedächtnis nach berühmten Kloszenen aus Literatur, Kunst (die "Uni-Ferkelei"!) und Film. Er ruft prominente Toilettenanlagen in Erinnerung, wundert sich über Umschreibungen wie "bathroom", obwohl man sich dort bestenfalls (so ein Waschbecken vorhanden ist) die Hände wäscht, und sichtet Schlangen im und vor dem Klo. Warum Franzobel für jede Kapitelüberschrift einen Beatles-Song gewählt hat, erschließt sich nicht wirklich, dafür ist aber klar, bei welchen Sitzungen dieses Büchlein für Kurzweil sorgen kann. Aber selbst am Klo soll ja vielen Menschen das Smartphone bereits lieber sein als bedrucktes Papier.

"Puppen sind eines der ältesten Spielzeuge der Menschheit. Zunächst bestanden sie aus Wachs, Knochen, Stoff oder Holz, später aus Porzellan und noch später aus Kunststoff. Puppen leisten Gesellschaft und dienen dem Zeitvertreib, sie spenden Trost werden geliebt, versorgt, geschlagen und verunstaltet, sie sind magische und heilige Gegenstände, Sex- und Angstobjekte, stehen in Schaufenstern, auf Bühnen, in Ausstellungen, sie sind Kunst, Gebrauchsgegenstände und Dummies bei Crashtests", schreibt Tanja Raich in ihrem Essay über "Die Puppe". "Wo es Menschen gab, gab es immer auch Puppen. Und wo es Puppen gab, war ihre Gestalt im ständigen Wandel. Zeig mir deine Puppe und ich sag dir, wer du bist - das trifft vielleicht weniger auf eine Person zu, aber auf eine Gesellschaft, ihre Zeit und ihre Kultur."

Raich, die u.a. die Anthologien "Das Paradies ist weiblich" und "Frei sein" herausgegeben hat, nutzt die Überlegungen über das Spielzeug naturgemäß für Betrachtungen über gesellschaftliche Rollenbilder, für die Puppen als Trainingsobjekte herhalten sollen, von der fürsorglichen Puppenmutter bis zur vollschlanken Barbiepuppe, und plädiert für Emanzipation. "Heute lege ich Stück für Stück ab, was ich erlernt habe. Ich öffne die Matrjoschka und daraus kommt eine immer neue Figur zum Vorschein. Doch es sind nicht ihre Kinder, es sind auch keine Abbilder einer übermächtigen Mutterfigur, vielmehr sind es neue Varianten einer möglichen Art zu leben."

Auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Zeitmesser nimmt Lukas Meschik seine Leserinnen und Leser mit: Im neuen Band des Limbus Verlags schreibt er über "Die Uhr", den Taktgeber unseres Lebens. Von den Sonnenuhren über Wasseruhren und Kerzenuhren gelangt er zu Pendeluhr, Quarzuhr und Smartwatch. Berühmte Uhrmacher wie Robert Hooke, Christiaan Huygens oder John Harrison haben dabei ebenso ihre Auftritte wie Charlie Chaplin ("Modern Times") oder John Cleese ("Clockwise"). In einem Glossar werden zudem Begriffe wie Grashüpferhemmung, Piezoeffekt oder Unruh erklärt.

Die nächsten Bände sind schon avisiert. Im Juli erscheint im Residenz Verlag "Der Schuh", beschrieben von Rebecca Maria Salentin. Im August machen sich bei Limbus Reinhard Wilczek über "Die Brille" und Linda Stift über "Die Handtasche" Gedanken.

(S E R V I C E - Franzobel und Hanna Zeckau (Illustrationen): "Das Klo", Residenz Verlag, 64 Seiten, 15 Euro, ISBN: 9783701736546; Tanja Raich und Hanna Zeckau (Illustrationen): "Die Puppe", Residenz Verlag, 64 Seiten, 15 Euro, ISBN: 9783701736539); Lukas Meschik: "Die Uhr", Limbus Verlag, 96 Seiten,15 Euro, ISBN: 978-3-99039-279-9)

SALZBURG - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Residenz Verlag/Residenz Verlag

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