Seit mehr als 36 Jahren liefert Hubble Bilder aus dem All, doch die Bahn des Teleskops sinkt langsam. Die NASA fragt nun bei der Industrie nach, wie sich das Teleskop retten oder sicher entsorgen ließe. Wie viel Zeit noch bleibt und welche Optionen auf dem Tisch liegen.
Ohne Eingriff wird das Weltraumteleskop Hubble nach heutigen Berechnungen der NASA in den Jahren 2033 bis 2034 in die Erdatmosphäre eintreten. Eine Mission, die das verhindern oder zumindest steuern soll, müsste deshalb spätestens 2032 stattfinden. Das schreibt die US-Raumfahrtbehörde in einer Mitteilung zu einer Anfrage an die Industrie, die sie am 29. Oktober veröffentlicht hat. Hubble hat keinen eigenen Antrieb und verliert durch die Reibung mit der dünnen oberen Atmosphäre stetig an Höhe.
Gesucht werden Ideen für drei Möglichkeiten: eine Mission, die das Teleskop in eine höhere Umlaufbahn hebt und so seine wissenschaftliche Lebensdauer verlängert, eine Wartung, die seine Fähigkeiten verbessert, und ein sicherer, kontrollierter Wiedereintritt oder eine Entsorgung im Orbit am Ende der Mission. Firmen können ihre Antworten bis 30. November einreichen. Ein Auftrag ist mit der Anfrage noch nicht verbunden, es handelt sich um eine Marktsondierung.
Wie tief Hubble schon gesunken ist
Laut der NASA-Übersicht Hubble im Vergleich mit dem James-Webb-Teleskop kreist Hubble in rund 483 Kilometern Höhe um die Erde. Im September 2022 hatte die Behörde die Flughöhe noch mit etwa 540 Kilometern angegeben und von einer langsam zerfallenden Bahn gesprochen. Je tiefer das Teleskop sinkt, desto dichter wird die Restatmosphäre und desto schneller geht es weiter abwärts.
Hinzu kommt die Technik an Bord. Von den sechs Kreiselinstrumenten, mit denen Hubble seine Ausrichtung hält, arbeiteten im Juni 2024 nur noch drei, eines davon fehlerhaft. Die NASA stellte das Teleskop daraufhin auf einen Betrieb mit nur einem Kreisel um und hält einen zweiten in Reserve. Hubble schwenkt seither langsamer, kann weniger Himmelsbereiche ansteuern und Objekte, die näher als der Mars sind, nicht mehr verfolgen.
Warum diesmal private Firmen gefragt sind
Früher wurde Hubble von Astronautinnen und Astronauten gewartet. Zwischen 1993 und 2009 flogen Space Shuttles fünf Servicemissionen zum Teleskop, bei der letzten im Mai 2009 setzte die Crew der Atlantis unter anderem einen Andockring am Heck ein. Dieser soll es einer späteren robotischen Mission ermöglichen, Hubble zu greifen, er ist auf dem Foto in der Mitte zu sehen. Seit dem Ende des Shuttle-Programms 2011 gibt es kein Raumfahrzeug mehr, das für solche Einsätze gebaut wurde.
Die NASA hat die Idee einer privaten Rettung schon einmal geprüft. Im September 2022 vereinbarte sie mit SpaceX und dem Polaris-Programm eine Studie, ob eine Dragon-Kapsel Hubble anheben könnte, ohne Kosten für die Regierung. Ende 2022 folgte eine breitere Anfrage an die Branche. Umgesetzt wurde damals nichts. Die neue Anfrage ist nun ausdrücklich offen für alle drei Varianten, von der Lebensverlängerung bis zum geordneten Ende.
Was Hubble neben dem Webb-Teleskop noch leistet
Hubble wurde am 24. April 1990 gestartet und ist ein gemeinsames Projekt von NASA und Europäischer Weltraumorganisation ESA. Laut der ESA stehen europäischen Forschenden mindestens 15 Prozent der Beobachtungszeit zu. Bis Anfang 2025 hatte das Teleskop rund 1,7 Millionen Beobachtungen von etwa 55.000 Himmelsobjekten gemacht, auf seinen Daten beruhen mehr als 22.000 Fachartikel. Die Nachfrage nach Beobachtungszeit übersteigt das Angebot etwa um das Sechsfache.
Ersetzt wird Hubble vom James-Webb-Weltraumteleskop nicht, die beiden ergänzen sich. Webb hat einen größeren Spiegel mit 6,5 Metern Durchmesser gegenüber 2,4 Metern bei Hubble und beobachtet vor allem im Infrarot. Hubble deckt dagegen den Bereich des sichtbaren Lichts und das Ultraviolett ab, das Webb nicht sieht. Fällt Hubble weg, fehlt der Astronomie damit vorerst ihr wichtigstes Auge für ultraviolettes Licht.
Quellen
NASA: NASA Explores Potential Commercial Servicing for Hubble Telescope (30. Oktober 2026)
NASA: Hubble vs. Webb (2026)
NASA: NASA to Change How It Points Hubble Space Telescope (4. Juni 2024)
NASA: NASA, SpaceX to Study Hubble Telescope Reboost Possibility (September 2022)
ESA: Hubble celebrates 35th year in orbit (2025)
